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Julian Bothe vor erstem WM-Start: Mit Nutellabrot und ohne Stress

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Training in Racice: Der deutsche Leichtgewichts-Männer-Doppelvierer mit dem Dörnigheimer Julian Bothe (links).
Training in Racice: Der deutsche Leichtgewichts-Männer-Doppelvierer mit dem Dörnigheimer Julian Bothe (links). © DRV/Seyb

Lisa Holbrook aus Großauheim, der Dörnigheimer Julian Bothe und der Hanauer Henry Hopmann nehmen von Mittwoch bis Sonntag (7. bis 11. Juli) an der U23-Weltmeisterschaft im tschechischen Racice teil. Holbrook und WM-Debütant Bothe starten für den Hanauer Ruderclub Hassia, Hopmann für Hansa Dortmund. Allen drei Ruderern der deutschen Nationalmannschaft werden in ihrer jeweiligen Bootsklassen Chancen auf eine Medaille eingeräumt.

Maintal – Ruhig bleiben und sich selbst vertrauen – das ist das Geheimrezept von Julian Bothe aus Dörnigheim. Er rudert seit vier Jahren für den Hanauer RC Hassia und nimmt ab heute an der U23-Weltmeisterschaft in Tschechien teil. Er wird im leichten Doppelvierer des Deutschen Ruderverbandes (DRV) sitzen.

Schon am vergangenen Wochenende ist er mit seinen Nationalmannschaftskollegen nach Racice gereist. Ein unglaublich schönes Gefühl für den 19-Jährigen. „Das ist schon alles sehr cool. Hier im Hotel sind zum Beispiel auch die Teams aus Amerika, der Schweiz und Irland. Die Stimmung ist unbeschreiblich, weil das hier eben auch das höchste ist, was man in dem Alter fahren kann“, erzählt Julian Bothe, der das alles sehr aufregend findet.

Abitur an der Karl-Rehbein-Schule in Hanau

Kein Wunder. Eigentlich ist der Dörnigheimer ein „ganz normaler Student“, wie er selbst sagt. Nach seinem Abitur an der Karl-Rehbein-Schule in Hanau macht er seit dem vergangenen Jahr seinen Bachelor of Arts bei der Sportfördergruppe der hessischen Polizei. „Wenn ich fertig bin, kann ich ein ganz normaler Polizeikommissar werden, wie jeder andere auch“, scherzt Julian Bothe –aber eben ein sehr sportlicher.

In harten Wochen trainiert der 19-Jährige zwei- bis dreimal täglich an sechs Tagen die Woche. Ohne die Unterstützung der Sportfördergruppe kaum umsetzbar. „Durch meinen Sport und gerade jetzt durch die Vorbereitung auf die WM habe ich oft gefehlt. Ich war durch die WM-Trainingslager drei Wochen nur unterwegs. Wenn ich bei einem anderen Arbeitgeber 30 Tage einfach verschwinden würde, wären die wahrscheinlich nicht so begeistert“, ist er dankbar.

Julian Bothe im Nationalmannschaftstrikot.
Julian Bothe im Nationalmannschaftstrikot. © DRV/Seyb

Statt der regulären drei Jahre macht Julian Bothe seinen Bachelor in viereinhalb Jahren. So lassen sich Sport und Studium perfekt kombinieren. Nichts bleibt auf der Strecke und das ist dem Dörnigheimer sehr wichtig. „Ich liebe rudern. Davon komme ich auch nie mehr los. Es ist draußen, das ist schon mal super, also nicht in der Halle. Gerade in Frankfurt oder in Hanau auf dem Main ist es sehr schön. Und allgemein zieht mich das Wasser an.“

Anfänge beim Mühlheimer Ruderverein

Mit zwölf Jahren sei er eher zufällig zum Rudern gekommen: „In der Schule gab es eine Ruder-AG. Einmal die Woche durften wir rudern gehen. Irgendwo bei Frankfurt. Unmittelbar danach habe ich so richtig mit dem Rudern angefangen, damals noch mit meinem besten Freund, beim Mühlheimer Ruderverein. Als es mit dem Alter etwas professioneller wurde, bin ich zur Hassia gewechselt.“

Neben dem Rudern ist Julian Bothe auch sonst sehr sportlich unterwegs. Er fährt Fahrrad und schnallt sich im Winter gerne die Schlittschuhe zum Eishockeyspielen an. Ans Rudern kommt aber nichts heran: „Es ist wie eine Sucht.“

Eine Sucht, die in diesen Tagen, auf dem Wasser bei der U23-Weltmeisterschaft in Tschechien, definitiv gestillt wird. „Es ist zwar alles noch sehr unter dem Stern von Corona, wir müssen uns jeden Tag testen lassen und Maske tragen, aber Hauptsache, die WM kann stattfinden. Darauf haben alle gewartet und das spürt man. Wir sind heiß.“ Jetzt heißt es für ihn und sein Team, sich über die Vorläufe einen Platz für das Finale am Samstag zu sichern.

„Egal welche Farbe meine Unterhose hat ...“

Julian Bothe versucht, vor den Wettkämpfen ruhig zu bleiben. „Ich mache mir einfach keine Gedanken und vertraue auf das, was wir im Training gelernt haben. Wir sind keine schwache Mannschaft, das weiß ich. Das Training vor der WM hat sich immer super angefühlt. Es passt bei uns. Wir haben Selbstvertrauen.“

Ein Wettkampf-Ritual hat der 19-Jährige nicht. „Egal welche Socken ich trage, welche Farbe meine Unterhose hat, egal was ich morgens esse, auch mal ein Nutellabrot: Die innere Ruhe ist das Wichtigste“, sagt er lachend.

Und was das angeht, sitzen tatsächlich alle vier Jungs im selben Boot. Bei allen sind es eher die leisen, statt die lauten Töne. Vor einem Wettkampf gibt es deswegen auch keinen Kampfschrei. „Zwei Stunden vor dem Rennen legen wir alle unsere Handys weg und versuchen, uns zu fokussieren. Es geht also eher leise zu.“

Trainer Lechtenberg: Medaille ist drin

Ob es nach einem eventuellen Medaillengewinn lauter zugehen würde? Julian Bothes Hanauer Trainer Volker Lechtenberg traut dem deutschen Leichtgewichts-Doppelvierer wie auch dem Frauen-Achter um Lisa Holbrook aus Großauheim auf jeden Fall eine Medaille zu. „Sie waren zuletzt mit Abstand das schnellste deutsche Boot, sollten daher um eine Medaille kämpfen“, lautet die Einschätzung des langjährigen Hassia-Übungsleiters.

Von Franca Richter

Auch Ruder-Exoten bei der U23-WM

Bis Sonntag werden im tschechischen Racice die U23-Weltmeister in 22 Bootsklassen ermittelt. Die USA und Deutschland haben alle Bootsklassen besetzt. Unter den Teilnehmern sind aber auch Ruder-Exoten aus Peru, Panama und Paraguay.

Das größte Starterfeld gibt es im Herren-Einer. Unter den 31 Nationen sind Starter aus der Elfenbeinküste und aus Uruguay. Favoriten sind Emil Neykov aus Bulgarien und der Belgier Tristan Vandenbussche. Für den Einer der Damen haben 22 Nationen gemeldet. Große Medaillenchancen werden Alexandra Föster vom Ruderclub Meschede eingeräumt.

Eine Medaille ist auch das Ziel des Männer-Achters mit Steuermann, in dem Henry Hopmann aus Hanau sitzt. Der ehemalige Ruderer der Hanauer RG und des RC Hassia startet für Hansa Dortmund. Für den 21-Jährigen ist es der fünfte Einsatz im Nationalteam.

Wegen der Covid-19-Pandemie werden keine Zuschauer zugelassen. Alle Rennen können im Internet live angeschaut werden.

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