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Früherer Vermögensverwalter: Horst Lückhardt kümmerte sich beim TSV 1860 Hanau viele Jahre um die Finanzen. Beim Blick in den Jugend-Kicker, mit der großen Rudi-Geschichte, aus dem Dezember 1982 schwelgt er in Erinnerungen.

12 000 Mark Ablöse im 1978

Rudi Völlers Wechsel zu Kickers Offenbach bedeutete einen Geldregen für den TSV 1860 Hanau

  • Thorsten Jung
    vonThorsten Jung
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Horst Lückhardt war der Mann der Zahlen beim TSV 1860 Hanau. Zwölf Jahre war er Vermögensverwalter des Klubs. Auch zu der Zeit, als Rudi Völler die Sechziger in Richtung Offenbach verließ und dem TSV eine stattliche Ablösesumme bescherte.

Horst Lückhardt wohnt in Neuberg, im Ortsteil Ravolzhausen. Der Themenschwerpunkt zu Rudis 60. Geburtstag in unserer Zeitung weckt bei dem 85-Jährigen Erinnerungen. „Irgendwo habe ich noch einen Jugend-Kicker, mit Titel-Star Rudi Völler“, sagt er im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER. Horst Lückhardt wird fündig, hält das Magazin aus dem Dezember 1982 stolz in den Händen, als der HA-Fotograf ihn zu einer Aufnahme bittet.

Völlers 18. Geburtstag bedeutete einen Geldregen für den TSV 1860 Hanau

Für Ravolzhausen, Germania Dörnigheim und 1860 Hanau hat er selbst gekickt. Beim TSV ist er Ehrenmitglied und Mitbegründer der Wanderabteilung. Von 1974 bis 1986 war er Vermögensverwalter des TSV 1860 Hanau. Heute würde man wohl Schatzmeister oder Kassierer sagen. Als Rudi 18 Jahre alt wurde, war großer Zahltag für den Hanauer Fußballklub im Tümpelgarten.

„Rudi ging ja als B-Jugendspieler nach Offenbach. Wir wussten, dass uns, wenn er mit 18 Jahren seinen Profivertrag unterschreiben würde, 12 000 D-Mark zur Verfügung stehen“, erinnert sich Horst Lückhardt. Im April 1978 war es soweit: „Kurts Völler hat mich sonntags angerufen. Rudis Vater war ja unser Jugendleiter. Er sagte: 'Rudi unterschreibt morgen den Vertrag. Mach' dich auf nach Offenbach, hol' die Kohle.'“

Kurze Erinnerungen an Bundesliga-Skandal

Horst Lückhardt arbeitete bei der Bahn, fuhr am Montag nach seinem Frühdienst nach Offenbach. Doch die Geschäftsstelle hatte schon geschlossen. „Also habe ich dienstags meinen Dienst getauscht und bin wieder hin.“ Doch Lückhardt kehrte erneut unverrichteter Dinge nach Hanau zurück. „Ohne Vollmacht des Vorsitzenden gibt’s nix“, bekam er beim OFC zu hören.

Die dritte Fahrt war erfolgreich. Mittwochs hielt er den Scheck in den Händen. „Ich habe drei Tage nicht geschlafen, bis er bei Bank eingelöst war“, erzählt der 85-Jährige. Den Bundesliga-Skandal, in den Kickers Offenbach Anfang der 70er Jahre verwickelt war, hatte er noch im Hinterkopf.

Streit ums Geld: Fußballabteilung verpflichtet Spieler

Beim TSV 1860 Hanau begannen nun die „Grabenkämpfe“, so Lückhardt. Was machen mit den 12 000 D-Mark? „Da gingen viele Abende drauf!“ Viele Vereins- und Ausschusssitzungen seien nötig gewesen. "Die Fußballabteilung hat die Gesamtsumme gewollt. Das Geld war schon ausgegeben. Sie hatten Spieler aus Dietesheim und vom FSV Frankfurt geholt.“

Nach langen Beratungen habe der Vorsitzende Sebastian Bache den Beschluss gefasst: „Die Fußballabteilung bekam 6000 D-Mark, ein weiterer Teil ging an die Komplett-Jugendabteilung des Vereins, die Kurt Völler leitete. Die restliche Summe wurde auf Eis gelegt“, erinnert sich Lückhardt.

Gutes Verhältnis zu Völlers Vater

Ein besonders gutes Verhältnis habe der Herr der 1860-Finanzen zu Rudis Vater gehabt: „Mein Sohn ist vor rund 30 Jahren in die Wohnung der Völlers gezogen.“ Wie viele andere weiß er auch noch: „Kurt hat immer Rudis neueste Autogrammkarten dabei gehabt. Wenn er sie auf dem Markt verteilt hat, war er glücklich.“

Wegen Rudi ist der Neuberger Fan des TSV 1860 München geworden. Dorthin wechselte Völler von Offenbach aus. „Das ist ein Arbeiterverein wie wir hier in Hanau“, lautet seine einfache Begründung.

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