Gibt beim FC Erlensee den Weg vor: Trainer Jochen Breideband trifft am Donnerstag im Kreispokal erstmals in einem Pflichtspiel auf seinen Heimatverein Germania Niederrodenbach.
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Gibt beim FC Erlensee den Weg vor: Trainer Jochen Breideband trifft am Donnerstag im Kreispokal erstmals in einem Pflichtspiel auf seinen Heimatverein Germania Niederrodenbach.

KREISPOKAL

Jochen Breideband will das Märchen mit dem FC Erlensee weiterschreiben und seinen Heimatverein bezwingen

Eigentlich ist es im Vorfeld eines Fußball-Kreispokalspiels nur eine Randnotiz, wenn ein Kreisoberligist auf einen Hessenligisten trifft. Im Falle der Partie 1. FC Erlensee gegen Germania Niederrodenbach (Donnerstag, 19.30 Uhr) sieht die Sache etwas anders aus.

Rodenbach/Erlensee – Der neue FCE-Trainer Jochen Breideband trifft erstmals in einem Pflichtspiel auf seinen Heimatverein, den er lange gecoacht hat.

Am Donnerstagabend treffen Sie mit dem 1. FC Erlensee im Hanauer Kreispokal auf ihren Heimatverein Germania Niederrodenbach, für den sie jahrzehntelang als Spieler und auch als Trainer tätig waren. Welche Gefahr ist größer: Dass sie mit ihrem Team gegen den drei Klassen tiefer angesiedelten Gegner verlieren, oder dass sie versehentlich die falsche Kabinentür ansteuern?

Da wir in Erlensee spielen, ist die Gefahr, in die falsche Kabine zu gehen, ziemlich gering. Dafür habe ich mich auch viel zu schnell und viel zu gut eingelebt. In Rodenbach wäre es schon ein seltsames Gefühl gewesen, nicht meinen jahrzehntelang angestammten Platz vorne links in der Heimkabine anzusteuern.

Jeder geht von einem Sieg des Favoriten aus und Sie werden vermutlich nicht umhin kommen, erstmals in ihrem Leben einen Gegentreffer für Germania Niederrodenbach bejubeln zu müssen. Haben Sie sich darauf moralisch schon vorbereitet?

Ich bin zuversichtlich, dass ich das bewältigt kriege, wenn so soweit ist (lacht). Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf das Spiel und das Wiedersehen.

Thomas Goldmann war in der vergangenen Saison in Niederrodenbach Ihr Co-Trainer. Wurde direkt nach der Auslosung bereits gefachsimpelt oder doch eher geflachst?

Eher geflachst. Wir schreiben relativ regelmäßig und tauschen uns zu beiden Vereinen sowie zum Fußballgeschehen in der Region aus. Er hatte mich auch gleich informiert, als feststand, dass er das Cheftraineramt bei der Germania übernimmt. Es freut mich, wie gut es seitdem wieder läuft. Er hat also ein bisschen was gelernt aus unserer Zusammenarbeit - oder er hat die richtigen Schlüsse aus meinen Fehlern gezogen (lacht). Für mich ist Niederrodenbach natürlich ein Wunschlos, wobei ich noch lieber in einem Halbfinale gegen die Germania gespielt hätte.

Trauen Sie ihm und seinem Team eine Pokalsensation zu? In der laufenden Runde hat ja A-Ligist Spvgg. 1910 Langenselbold mit Verbandsligist SC 1960 Hanau bereits einen der Mitfavoriten aus dem Weg geräumt.

Zutrauen sollte man seinen Gegnern immer etwas, das ist schon eine Frage des sportlichen Respekts. Zumal wir weiterhin viele krankheitsbedingte Ausfälle haben. Wir wollen aber unsere Erfolgsserie fortsetzen, ganz klar. Unser Ziel ist, den Kreispokal zu verteidigen.

Beide Vereine haben sich auf einen Tausch des Heimrechts verständigt. Waren Sie überrascht, dass Ihr Ex-Verein den vermeintlich einzigen kleinen Vorteil freiwillig aus der Hand gegeben hat?

Nein. Ich konnte einem solchen Denken noch nie etwas abgewinnen. Fußball sollte immer auf dem bestmöglichen Platz gespielt werden. Zuallererst ist das ein Naturrasen. Wenn das nicht geht, dann auf Kunstrasen. Und Hartplatz nur, wenn gar nichts anderes geht. Ich habe schon als Spieler nie verstanden, wenn eine Mannschaft oder ein Verein freiwillig auf dem Hartplatz gespielt hat. Attraktiv macht man Amateurfußball damit nicht. Schade ist, dass immer noch kein Kunstrasen in Rodenbach vorhanden ist. Dem Fußball in ganz Rodenbach, vor allem dem Nachwuchs, würde es guttun. Dann hätten wir übrigens gar nicht über das Thema Heimrecht sprechen müssen, dann wäre am Donnerstag ein Hessenligist zu Gast im Waldstadion.

Wie sehr verfolgen Sie eigentlich noch das Geschehen bei Germania Niederrodenbach? Ihr Spielerpass dürfte ja noch irgendwo im Waldstadion lagern.

Meinen Spielerpass habe ich weiterhin in Rodenbach, ja. Zweitmannschaftstrainer Almir Bekirov wollte mich kürzlich aufgrund von Personalnot sogar für ein Spiel wieder aktivieren. Allerdings habe ich an dem Sonntag zu spät aufs Handy geschaut - zum Glück (lacht). Das Geschehen verfolge ich weiterhin, informiere mich regelmäßig über Goldi (Thomas Goldmann, Anm. d. Red.) oder meinen Vater. Besonders angenehm war das Gefühl, zuletzt das Rodenbacher Derby mal ganz entspannt als Zuschauer verfolgen zu können.

Werden Sie bei der Ansprache vor ihren Jungs mit Insiderwissen glänzen und Stärken und Schwächen der Niederrodenbacher im Detail erläutern, oder sagen Sie, dass ein Hessenligist unabhängig von Aufstellung und Taktik des Gegners gegen einen Kreisoberligisten klar gewinnen muss und daher keinen Matchplan zur Hand haben muss?

Natürlich wird es Informationen zum Gegner und einzelnen Spielern geben. Das gehört zu jeder Spielvorbereitung, vor allem dann, wenn man eine Mannschaft gut kennt. Und einen gewissen Plan sollte man möglichst auch immer haben. Den Fokus lege ich dabei grundsätzlich mehr auf das eigene Team als auf den Gegner, ob gegen Stadtallendorf oder Niederrodenbach.

Zurück zu Ihrem Team: In der Liga für die Aufstiegsrunde qualifiziert, im Hessenpokal vertreten, das Drittrundenspiel gegen Regionalligist FC Gießen vor der Brust. Wie gehen Sie es an, vor Ihren Spielern dem Kreispokalwettbewerb den Wichtigkeitsstempel aufzudrücken?

Die Saison ist bisher ein einziges Märchen. Mannschaft, Trainerteam, Team hinter dem Team, Umfeld - aktuell passt sehr vieles sehr gut. Der Grundstein für den Erfolg ist, dass die Jungs in jeder Woche und jedem Spiel hochengagiert und konzentriert bei der Sache sind. Jetzt nachzulassen, wäre keine gute Idee. Wir wollen maximal gierig bleiben. Kreispokal, Hessenpokal, die letzten drei Spiele des Jahres in der Hessenliga mit dem Highlight in Fulda zum Abschluss - wir wollen alles mitnehmen, was geht. Wir schreiben gerade Vereinsgeschichte, das müssen wir uns immer wieder klarmachen und daraus weitere Motivation ziehen.

(Das Gespräch führte Frank Schneider)

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