Andreas und Thomas Jäger sind sich vor allem in schweren Zeiten "gegenseitig eine Stütze". Mit Eintracht Oberrodenbach klopfen die Brüder am Tor zur Gruppenliga. Archivfoto: Adrian

Oberrodenbach

Wie die Jäger-Brüder Eintracht Oberrodenbach umgekrempelt haben

Fußball. In ihrem dritten Jahr ist Eintracht Oberrodenbach in der Erfolgsspur und damit der Masterplan von Thomas und Andreas Jäger voll aufgegangen. Beide wissen aber: Ohne die Unterstützung ihrer Frauen wäre das nicht möglich gewesen.

Von Oliver Kraus

Es gibt einige berühmte Brüder, die es auf der großen Bühne des Weltfußballs geschafft haben: Uli und Dieter Hoeneß, die Bender-Zwillinge Lars und Sven, Roland und Frank de Boer, Nico und Robert Kovac. . . Aber genauso wie es einige Kicker zu Weltstars geschafft haben und mittlerweile die Geschicke von Nationalteams oder Vereinen lenken, gibt es auch auf lokaler Ebene Geschwister-Gespanne, die auf Amateurebene ähnlich imposante Resultate liefern.

So verantworten seit 2015 Thomas und Andreas Jäger als Trainerduo die Leistungen von Eintracht Oberrodenbach. Ein Engagement, das sich nach einem mehr als holprigen Start mittlerweile zu einem echten Glücksgriff für den Kreisoberligisten herausgestellt hat.

Reifliche ÜberlegungEin Glücksgriff, der wie so viele Ideen aus der Not geboren wurde, aber schon aufgrund seiner Schlichtheit überzeugt. „Alex Schmidt vom Spielerausschuss ist mein Trauzeuge, und als der Verein vor knapp dreieinhalb Jahren einen neuen Trainer gesucht hat, um alles zu verjüngen und neu aufzustellen, hat er mich angesprochen“, erinnert sich Thomas Jäger, der bis dato nur ein einjähriges Engagement in Erlensee als Co-Trainer inklusive Abstieg vorzuweisen hatte, während des Studiums aber seine B-Trainer-Lizenz gemacht hatte.

Allerdings war für den Jüngeren der beiden Jägers von Anfang an klar, dass er sich der Verantwortung eines Traineramtes nicht alleine stellen würde. Nach reiflicher Überlegung kam dem 34-Jährigen sein Bruder in den Sinn, der allerdings damals noch eine Institution in Wolfgang und aus dem dortigen Vereinsleben nicht wegzudenken war.

Argumente gegen die Zusammenarbeit„Ich habe mich am Anfang gar nicht getraut, ihn zu fragen, auch wenn ich schon damals wusste, dass er genau der Richtige für den Job wäre, weil er andere Kompetenzen mitbringt als ich“, erinnert sich das ehemalige Abwehrtalent an seine berechtigten Zweifel, da Andreas – anders als Thomas – seinem ersten Verein fast durchweg die Treue gehalten hatte, nachdem beide über den Vater zum Vereinsfußball im Hanauer Stadtteil gekommen waren.

Über 600 Spiele für Wolfgang, eine Interimstrainerschaft, Mitarbeit im Präsidium – alles Argumente, die gegen eine mögliche gemeinsame Zusammenarbeit in einem anderen Klub gestanden haben.

Doch nach einer angemessenen Bedenkzeit war dann auch für den Angestellten der Stadt Hanau klar, dass eine Veränderung durchaus seinen Reiz hat.

Beschwerlicher Anfang mit Rückschlägen„Ich war nach Wolfgang Kaufmann das Gesicht des Vereins. Es war eigentlich undenkbar, dass ich weggehe. Aber ich habe gemerkt, dass ich nach 14 Jahren einen neuen Impuls gebrauchen könnte. Es war eine schwierige Entscheidung, die ich dann aber auch getroffen habe, weil ich schon immer als Trainer arbeiten wollte“, fasst der 37-Jährige die damaligen Wochen des Hin und Her zusammen. Eine Entscheidung, die beide rückblickend nie bereut haben, auch wenn es am Anfang ein beschwerlicher Weg mit zahlreichen Rückschlägen war.

„Es wurden hohe Erwartungen in uns gesetzt, der Umbruch sollte möglichst schnell erfolgreich vonstatten gehen. Allerdings ist das in der Kreisoberliga ein eher längeres Projekt“, so Andreas Jäger. Nach sechs, sieben Niederlagen blies den beiden Ballenthusiasten, die sich auch gerne auf dem Tennisplatz duellieren, der Wind direkt ins Gesicht, auch wenn Spielerausschuss und Vorstand immer hinter ihnen standen.

Auf Kovacs Spuren„Da war es unheimlich wichtig, dass wir uns gegenseitig eine Stütze sein konnten. Sonst hätte ich wahrscheinlich gleich am Anfang wieder hingeschmissen,“ blickt Thomas Jäger zurück. Doch das Duo hielt durch, ähnlich wie die Kovac-Brüder bei der größeren Eintracht, die ebenfalls einen angeschlagenen Verein übernommen und dank einer wohlüberlegten Umstrukturierung mittlerweile aus unruhigen Fahrwassern in ruhigere Gefilde gelenkt haben.

Anders als bei den weitaus mehr im Rampenlicht stehenden ehemaligen Nationaltrainern Kroatiens, bei denen es eine klare Trennung zwischen Cheftrainer und seinem Co. gibt, arbeiten Thomas und Andreas Jäger allerdings mit den gleichen Befugnissen und komplett auf Augenhöhe.

Umstellung auf ViererketteDoch ehe aus beiden die Doppelspitze an der Seitenlinie wurde, übernahm Andreas noch die Rolle des verlängerten Arms auf dem Feld. Eine Rolle, die dem Fan von Lukas Hradecky auf dem Leib geschrieben ist, da Andreas teamintern eher für die emotionale Mannschaftsansprache steht.

Thomas hingegen, der als ehemaliger Manndecker die Qualitäten des früheren brasilianischen Nationalspielers Lucio schätzt, wirft dank seiner Vergangenheit als Spieler (Kesselstadt, Bruchköbel, Bad Soden, Aschaffenburg) ein weitaus größeres taktisches Know-how in die Waagschale. Das zeigte sich gleich zu Beginn der Amtsübernahme, als vom klassischen Libero auf Viererkette umgestellt wurde. „Das einzustudieren hat angesichts von nur zwei Trainingseinheiten pro Woche natürlich gedauert, weil die meisten Spieler das nur aus dem Fernsehen kannten. Das erklärt aber auch, warum es am Anfang nicht so rund lief“, so Thomas Jäger, der als Lehrer Wissen auch im Beruf vermittelt.

Doch mit Fingerspitzengefühl und Einsatzfreude hat es das Brüderpaar geschafft, die Wende für die Oberrodenbacher einzuleiten, auch wenn ihr Engagement extrem zeitraubend ist.

Frauen als StützenWährend der Runde wird täglich mehrere Stunden kommuniziert. Trainingszeiten, Vor- und Nachbereitung der Übungseinheiten, Gespräche mit Spielern, Präsidium und Sponsoren gehen auf Kosten der Freizeit. Ein Umstand, der nicht unbedingt die beste Ausgangssituation für ein harmonisches Familienleben ist. Allerdings sind beide Brüder, die in jungen Jahren auch als Schiedsrichter erfolgreich Gruppenliga aufwärts gepfiffen haben, glücklich verheiratet und jeweils Vater eines Sohnes. „Unsere Frauen wussten, dass das Vereinsleben zu uns gehört. Fußball ist unser Leben, so war es schon immer“, so beide unisono, wohlwissend, was sie an ihren besseren Hälften haben.

So erklärt Andreas, dass „meine Frau selber Musik macht und so wie ich ein Vereinsmensch ist. Sie hat mich immer unterstützt, egal ob als Aktiver oder Trainer. Ich glaube, sie freut sich manchmal mehr als ich, dass die Saison wieder losgeht.“ Sein jüngerer Bruder fügt hinzu, „dass mir meine Frau auch immer den Rücken frei gehalten hat. Sonst wäre das alles so nie möglich gewesen.“

Spannende MonateWas in Zukunft bei der Eintracht in Oberrodenbach nach den Phasen der Umstellung, der Konsolidierung und des derzeitigen Angriffs auf die Tabellenspitze noch kommen wird, wird sich zeigen. Eines ist aber klar, die spannenden Monate stehen jetzt an. „Was will der Verein und was können wir gemeinsam erreichen? Unser Ziel war es immer, im dritten Jahr um den Aufstieg mitzuspielen. Von daher sind wir voll im Soll. Alles andere wäre eine Enttäuschung“, fasst Thomas Jäger zusammen, der gemeinsam mit seinem Bruder daher eine Vertragsverlängerung begrüßen würde.

Doch bevor es so weit ist, steht Ende März noch das Derby gegen Germania Niederrodenbach auf dem Programm. Und da ist es wie bei den Profis: Die Duelle mit dem direkten Nachbarn haben einen besonderen Reiz, dem sich auch das Trainergespann nicht entziehen kann.

„Mein Knie lässt es aufgrund eines Knorpelschadens einfach nicht mehr zu, dass ich noch selber gegen den Ball trete. Ich muss aber zugeben, dass ich im Derby gegen die Germania schon noch einmal Lust dazu hätte“, schmunzelt Thomas.

Das könnte Sie auch interessieren