Überwintern als Spitzenreiter: Sebastian Wagner und der FC Erlensee führen etwas überraschend die Verbandsliga Süd an. Der Aufstieg in die Hessenliga ist aber nicht das erklärte Ziel des Vereins. Archivfoto: TAP

Fußball

Interview: FCE-Vorsitzender will das Saisonziel nicht korrigieren

Fußball. Der 1. FC Erlensee überwintert als Tabellenführer der Verbandsliga Süd. Die junge Mannschaft von Trainer Tobias Heilmann profitierte dabei vom Punktabzug für den SC 1960 Hanau, der eigentlich punktgleich mit dem FCE gewesen ist, aber nach dem 1:0-Hinspielsieg im direkten Vergleich vorne lag.

An der Vereinsspitze der Erlenseer ist seit mittlerweile fünf Jahren Tobias Gebhardt. In dieser Zeit ging es sportlich nur bergauf: Von der Kreisoberliga über die Gruppenliga bis zur Verbandsliga. Im zweiten Jahr in der zweithöchsten hessischen Amateurklasse strebt der rund 500 Mitglieder zählende Verein nach neuen Ufern. Platz eins, drei Punkte Vorsprung und noch ein Spiel weniger ausgetragen – Umstände, die das Umfeld elektrisieren, den Vorstand aber eher gelassen lassen, wie Gebhardt im Interview betont.

Herr Gebhardt, ein Blick auf die Tabelle muss für Sie doch wie ein unwirklicher Traum erscheinen.

In der Tat hatten wir nie damit gerechnet. Druck übt das auf die Mannschaft, das Trainerteam und den Vorstand aber nicht aus. Der Aufstieg in die Hessenliga ist nicht unser erklärtes Ziel. Nach Platz sieben in unserem ersten Verbandsligajahr wollen wir uns weiter stabilisieren. Wir gehen ganz entspannt in die Winterpause.

Der FCE profitierte natürlich auch vom Punktabzug des schärfsten Konkurrenten SC 1960 Hanau.

Ich finde die Sache für den HSC sehr schade. Wegen des Fehlverhaltens eines Einzelnen (Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter, Anmerkung der Redaktion) leidet jetzt der ganze Verein, insbesondere die Mannschaft. Das kann am Ende entscheidend sein.

Ihr Team hat eine starke Hinrunde gespielt. Auch als viele Stammspieler verletzungsbedingt ausfielen, gab es keinen Leistungsabfall. Wie erklären Sie sich das?

Wir sind in der Breite gut aufgestellt und haben relativ gleichwertige Spieler in unserem Kader. Da gibt es wenig Ausreißer nach oben und nach unten. Dadurch konnten Nachrücker die Lücken problemlos schließen.

Sie profitieren wie kein anderer Verein im Fußballkreis Hanau von einer vorbildlichen Jugendarbeit.

Das ist ein großes Plus. Wir waren Mitte der Hinrunde gezwungen, A-Junioren-Spieler nach oben zu ziehen. Das klappte problemlos. Unser Jugendbereich ist eine große Plattform, das greift nahtlos ineinander.

Welche Rolle spielt dabei das neue Sportzentrum am Fliegerhorst?

Eine ganz wichtige. Das Sportzentrum war für uns ein Meilenstein, ohne es wäre die jetzige Entwicklung nicht möglich gewesen. Am alten Standort waren wir an unsere Grenzen gestoßen. Mittlerweile haben wir 21 Jugendteams.

Die rasante Entwicklung beim FCE hat sich bis in den Profibereich herumgesprochen. Mit Eintracht Frankfurt haben sie einen Kooperationsvertrag geschlossen.

Genau seit einem Jahr, wobei die Initiative von der Eintracht ausging. Das ist für uns ein tolles Aushängeschild. Wir richten demnächst wieder die Adlertage aus, wo die Eintracht als Veranstalter fungiert. Das ist für beide Seiten eine Win-win-Situation.

Aus welcher Gegend kommen die Spieler?

Neben dem Hanauer Raum überwiegend aus den Fußballkreisen Gelnhausen und Büdingen. Das ist ein Umkreis von zirka 50 Kilometern.

Wann schafft der erste Nachwuchsspieler des FCE den Sprung ins Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht?

„Das ist nur eine Frage der Zeit, darauf wären wir natürlich sehr stolz. Aber nicht nur die Spieler profitieren von der Zusammenarbeit mit dem Bundesligisten. Auch unsere Übungsleiter profitieren von gemeinsamen Trainerfortbildungen und Workshops.

Apropos Trainer: Hat das Trainerteam mit Tobias Heilmann, Daniel Januschka und Steffen Larbig bereits verlängert?

Anfang Januar werden wir mit ihnen sprechen. Wir würden gerne die gute Zusammenarbeit fortsetzen.

Anderenorts wird oft über das mangelnde Zuschauerinteresse lamentiert. Wie sieht es beim FCE aus?

Wir sind sehr zufrieden. Die positive Entwicklung der ersten Mannschaft strahlt auch auf den Jugendbereich aus. Viele Eltern besuchen die Seniorenspiele, dazu kommt ein stetig wachsendes Interesse aus dem Hanauer Raum. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wie lautet Ihr Fazit nach einem sportlich hervorragend verlaufenen Jahr 2019?

Wir sind alle sehr stolz und glücklich über die Entwicklung, wobei ich den Jugendbereich ausdrücklich mit einschließe. Wir machen uns keinen Druck, Ziel bleibt, besser abzuschneiden als im Vorjahr. Sollte dabei mehr herausspringen, würden wir vor der Aufgabe auch nicht kneifen.

Das Gespräch führte Gert Bechert.

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