Als Naturtalent stellte sich Leopold (rechts) heraus, der das Ein-Zu Eins-Duell gegen Leon für sich entscheiden konnte.
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Als Naturtalent stellte sich Leopold (rechts) heraus, der das Ein-Zu Eins-Duell gegen Leon für sich entscheiden konnte.

Neue Talente im Kurpark entdeckt

Inklusionsprojekt: 20 Teilnehmer beim Special-Hockey-Tag des 1. Hanauer THC

  • VonThomas Seifert
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„Die Teilnehmer sind nicht aus Zucker. Erst als es richtig geschüttet hat, wurde eine Pause eingelegt“, berichtete Laura Becker über das Durchhaltevermögen der über 20 geistig und körperlich behinderten Menschen, die am Samstag zum ersten Special-Hockey-Inklusionstag auf das Gelände des 1. Hanauer Tennis- und Hockeyclubs gekommen waren. Angeleitet bei Aufwärmübungen, erstem Kennenlernen des Hockeyschlägers und einfachen Stocktechniken wurde die gemischte Truppe im Alter von sieben bis 70 Jahren von zwölf Spielerinnen und Spielern der Damen- und Herren-Hockeymannschaften des THC.

Hanau –„Vor rund einem Jahr hat die Vorbereitung für den Inklusionstag begonnen. Unsere Gruppe besteht aus Clara Dippel, Alina Pillmann, Rabea Niedernhagen, Max Kellermann, Konrad Wehkamp und mir“, stellte Laura Becker im Gespräch fest. Es habe schon längere Zeit Kontakt zur Aschaffenburger Lebenshilfe bestanden, die vor Corona mit Gruppen bei Punktespielen der Hockeyteams zugeschaut hab. Auch hätten Hockeymannschaften des THC mit Behinderten Training abgehalten.

Nun habe man diese Idee der Inklusion auf eine breitere Basis stellen wollen und Menschen, die nicht in Einrichtungen untergebracht sind, auch die Möglichkeit eröffnen wollen, einmal selbst den Hockeysport kennenzulernen und ausprobieren zu können. Eine Gruppe der Lebenshilfe Aschaffenburg war mit acht Teilnehmern per Bus aus der Einrichtung in Schmerlenbach nach Hanau gekommen.

Nachdem sie sich mehr oder weniger mit dem Hockeyschläger vertraut gemacht und erste Gehversuche in dem technisch nicht einfachen Sport gemacht hatten, hieß es zum Abschluss der zweieinhalb Stunden, das Gelernte bei einem Trainingsspiel auszuprobieren, wobei auch die „Profis“ des THC mitmischten. Das Geschehen auf dem neuen Kunstrasenplatz im Kurpark Wilhelmsbad wogte hin und her und man sah teilweise sehr gute Ansätze und flüssiges Kombinationsspiel.

Orthopädietechnikmeister Martin Brehm gab Julian Tipps für seine neue Sportprothese.

Einer der Teilnehmer, der achtjährige Leopold, focht mit seinem siebenjährigen Gegenüber Leon zwischenzeitlich ein Eins-gegen-Eins-Spiel aus und stellte sich dabei so gut an, dass eine der Betreuerinnen ihn gleich in eine der Jugendmannschaften des THC integrieren wollte. Dagegen machte es Lukas mehr Spaß, eine halb gefüllte Wasserflasche immer wieder in die Luft zu werfen - jeder wurde nach seiner Facon glücklich in der Hockey-Arena.

Vor Kurzem hatte der THC eine Aktion mit der jungen Hockeyspielerin Anni Wein organisiert, der ein Bein abgenommen werden musste und die mit ihrer neuen Prothese wieder erste Schritte auf dem Hockeyfeld machte. Der 12-jährige Julian aus Darmstadt, der früher einmal selbst Hockey bei TEC Darmstadt gespielt und Anni Wein in einer Frankfurter Klinik kennengelernt hatte, war mit seinen Eltern zum Special-Hockey-Tag angereist. Er wollte seine neue Sportprothese ausprobieren, die er erst einen Tag vorher bekommen hatte. Weil es aber zunächst so stark regnete, wollte die Familie schon wieder nach Hause fahren, da tauchte mit Martin Brehm der Orthopädietechnikermeister auf, der Julian und Anni die Prothese angepasst hatte. Er war aus Mühlheim herüber gekommen, um seinen Patienten zu betreuen, konnte die Bedenken von Julian schnell zerstreuen und ihm noch ein paar Tipps geben.

„Am Anfang war die neue Prothese beim Gehen noch ungewohnt und ich bin ein paarmal sogar umgefallen. Aber ich habe mich jetzt schon gut an das Teil gewöhnt und habe einige Sprints probiert, die funktioniert haben“, freute sich Julian, schnappte sich einen Hockeyschläger und stürzte sich ins Getümmel auf dem Platz.

Ein anderer Teilnehmer ist eigentlich Schwimmer in Großauheim. Max Ott, neun Jahre alt, fährt aber auch gerne Inlineskates und ist da schon mit Eishockeystöcken in Berührung gekommen. „Wir haben auf Facebook von dem Inklusionstag gelesen und Max wollte Hockey mal ausprobieren“, berichtete der Vater, der von der Seitenlinie seinen Sohn anfeuerte, er solle sich mehr bewegen und aktiver am Spiel teilnehmen, was dieser dann auch tat. „Ich finde die Idee und die Organisation toll“, lobte Vater Ott die Verantwortlichen des THC Hanau für die Durchführung des Special-Hockey-Tags.

Auch Laura Becker zog ein positives Fazit und kündigte an, diese Veranstaltung mindestens wiederholen, wenn nicht sogar zu einer ständigen Einrichtung machen zu wollen.

Von Thomas Seifert

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