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„Im Fußball kann man nicht planen“: Slavisa Dacic über seinen Abschied in Roßdorf und den Start bei Türk Gücü

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Von: Michael Bellack

Kein Feuerwehrmann: Dacic kann sich vorstellen, langfristig bei den Hanauern zu bleiben.
Kein Feuerwehrmann: Dacic kann sich vorstellen, langfristig bei den Hanauern zu bleiben. © -

Am 16. Oktober stand Slavisa Dacic noch beim Kreisoberligisten Spvgg. Roßdorf an der Seitenlinie, holte einen 1:0-Sieg gegen die Spvgg. Langenselbold. Gerade einmal zwei Wochen später gewann er mit Türk Gücü Hanau sensationell bei Gruppenliga-Spitzenreiter OSC Rosenhöhe.

Hanau - Im Interview spricht der 55-Jährige über die Schnellebigkeit im Fußball, fehlendes Vertrauen und überraschende Wendungen.

Herr Dacic, seit knapp vier Wochen sind sie Trainer bei Türk Gücü Hanau. Wie haben Sie sich eingelebt?

Dacic: Ich habe mich gut eingelebt, in dieser Hinsicht habe ich auch nie Probleme gehabt. Einige Jungs kenne ich von früher, aus der Fußballwelt von Hanau. Da war mir das Ganze nicht so unbekannt und es fiel mir leicht, hier anzufangen.

Sportlich haben Sie die Mannschaft stabilisiert, elf Punkte aus fünf Spielen geholt. Sie sind ungeschlagen. Ihr Zwischenfazit?

Dacic: Sportlich bin ich sehr zufrieden. Mit dem Sieg zu Hause gegen Rosenhöhe ging es sofort sehr gut los, das war der ideale Start.

Gegen das Spitzenteam Rosenhöhe gab es einen Sieg, gegen die Kellerkinder Ranstadt und Bernbach aber „nur“ Unentschieden.

Dacic: Es ist nicht einfach, in der Gruppenliga Punkte zu holen, auch gegen Gegner im Tabellenkeller. Die Gegner haben gut gestanden und sich den Punkt verdient. Ich denke aber, das ist in Ordnung. Gerade auswärts haben wir eine gute Form gezeigt, in Erlensee geschlossen gut gespielt.

Wie ist Ihr fußballerischer Ansatz derzeit. Ballbesitz und Offensive oder erst mal defensive Sicherheit?

Dacic: Wie Sie gesagt haben, ging es erst mal um das stabilisieren. Darum, weniger Chancen zuzulassen. Das hat im Großen und Ganzen sehr gut geklappt. Wir haben gute Spieler, die technisch beschlagen sind, offensiv kann immer etwas passieren. Ich denke, die vier Wochen sind bisher optimal verlaufen.

Keine Woche nach dem überraschenden Abschied aus Roßdorf haben sie bei Türk Gücü angefangen. Wie lief das ab? Hat mit Bekanntwerden ihres Abschieds das Telefon geklingelt?

Dacic: Ja, genau so war das. Als das bekannt wurde, hat mich Mazhar Özelci, der Vorsitzende, gleich kontaktiert. Wir kennen uns schon lange und dann ging das schnell. Die Aufgabe hat mich gereizt und wir wurden uns sofort einig.

Eine Woche ohne Fußball kam für Sie also nicht infrage.

Dacic: Im Fußball passieren solche Dinge, der Fußball ist schnelllebig. Man kann nicht lange planen, es passieren Dinge, die man vorher nicht für möglich gehalten hat.

Hätte sich Ihre Frau nicht mal über eine Fußballpause gefreut?

Dacic: Meine Familie unterstützt mich bei all meinen Entscheidungen, die lassen mich da machen.

Stabil stehen lautete die erste Devise von Neu-Trainer Slavisa Dacic bei Türk Gücü Hanau. Am Sonntag stand beim Sieg gegen Erlensee II die Null. Vorne reichte daher ein Treffer zum wichtigen Erfolg.
Stabil stehen lautete die erste Devise von Neu-Trainer Slavisa Dacic bei Türk Gücü Hanau. Am Sonntag stand beim Sieg gegen Erlensee II die Null. Vorne reichte daher ein Treffer zum wichtigen Erfolg. © ROland Adrian / SCheiber

In Roßdorf wurde Ihnen mitgeteilt, dass man die Zusammenarbeit zum Saisonende beenden möchte. Sie haben sofort einen Schlussstrich gezogen und davon gesprochen, kein Vertrauen mehr zu spüren.

Dacic: Vertrauen ist absolut wichtig für jeden Trainer. Mitte Oktober wurde diese Entscheidung schon getroffen. Ich bin jemand, der da realistisch ist, da kann man nicht einfach so weitermachen. Für mich war der Zeitpunkt viel zu früh.

Dann haben Sie die Konsequenzen gezogen.

Dacic: Ich muss mir ja meine Gedanken dazu machen. Und wenn ich glaube, das geht so nicht weiter, dann bin ich da auch konsequent.

Türk Gücü haben Sie in einer sportlich schwierigen Situation übernommen. Sehen Sie sich als Feuerwehrmann oder wollen Sie langfristig eine Mannschaft formen?

Dacic: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man im Fußball nicht groß planen kann. Auch in unteren Klassen stehen Trainer schon sehr unter Druck. Natürlich will ich hier meine Arbeit liefern und wenn der Verein sagt, er ist zufrieden, und ich bin auch zufrieden, dann ist natürlich eine längere Zusammenarbeit möglich. Ich sehe mich also nicht als Feuerwehrmann. Ich will hier einiges bewegen. Die ersten Wochen haben mir sehr viel Spaß gemacht.

Das Gespräch führte

Michael Bellack.

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