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Hygiene im Fußball: Die Kicker in der Region dürfen wieder spielen. Die Vereine müssen allerdings allerhand Vorkehrungen treffen, was nicht allen leicht fällt.

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Hygienekonzept: So bewerten die Vereine die Ideen des Hessischen Fußball-Verbandes

  • vonDavid Lindenfeld
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Der Hessische Fußball-Verband hat sein Hygienekonzept vorgestellt und stieß damit auf wenig Gegenliebe. Nun haben sich die Vereine dazu geäußert.

Region Hanau – Das vom Hessischen Fußball-Verband (HFV) veröffentlichte Hygienekonzept hat bei vielen Klubverantwortlichen Sorgenfalten auf der Stirn hervorgerufen. Gerade die kleineren Vereine äußern Bedenken, dass es mit der immer weiter gesunkenen Zahl an ehrenamtlichen Helfern schwierig sei, die Maßnahmen umzusetzen.

Das Hygienekonzept gibt vor, unter welchen Bedingungen ein Spielbetrieb ab dem 1. August wieder möglich ist. Zur Einhaltung des Abstandsgebots müssen verschiedene Zonen und Wegesysteme auf dem Sportplatz geschaffen werden. Auch in den Duschräumen und der Kabine sollen die Spieler eineinhalb Meter Abstand halten. Die Umkleiden müssen regelmäßig durchgelüftet und desinfiziert werden. Letzteres gilt auch für die Duschen. Zudem müssen die Klubs einen Hygienebeauftragten bestimmen, Kontaktlisten führen.

VfB Großauheim zeigt Verständnis für das Hygienekonzept des HFV

Heinz Hoffmann, Jugendleiter des VfB Großauheim, hat Verständnis für die strengen Regelungen: „Die Sicherheit aller steht über allem“, sagt der 71-Jährige. Leicht umzusetzen seien die Vorgaben aber nicht. „Wir haben überall Probleme, ehrenamtliche Helfer zu finden. Jetzt müssen die wenigen, die es gibt, noch mehr Arbeit verrichten. Für die kleinen Vereine ist das eine große Herausforderung.“

Hoffmann merkt an, dass es sich nicht nur um die Spiele der zwei Seniorenmannschaften handelt, bei denen Kontaktlisten geführt, Kabinen und Duschräume desinfiziert und gereinigt werden müssten. „Es kann sein, dass an einem Wochenende noch vier Jugendspiele sind. Da kommen oft mehr Zuschauer als bei den Senioren. Unser größtes Problem ist die Manpower, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das irgendwie hinbekommen.“

Markus Schichor sieht das ähnlich: „Wir haben in der B- und der A-Liga drei oder vier Leute, die den Spieltag organisieren. Die sollen Eintrittskarten verkaufen oder den Platz abstreuen und jetzt auch noch Kontaktlisten führen und die Kabinen desinfizieren. Und der Schiri will ja auch sein Wasser“, sagt der Fußballabteilungsleiter der TSG Niederdorfelden. „Wir werden an unsere Grenzen stoßen, aber versuchen, das bestmöglich umzusetzen.“

Mit dem neuen Hygienekonzept käme viel Arbeit auf die Vereine zu

Auch Ulrich Stechno, der zweite Vorsitzende von Victoria Heldenbergen, sieht „einen Haufen Arbeit“ auf die Klubs zukommen. Desinfektionsspender hat er bestellt. Ein Konferenzraum soll zur Kabine umfunktioniert werden. Wie mit den Vorgaben umgegangen wird, wird am Samstag besprochen.

Ein Dorn im Auge ist ihm, dass die Klubs einen derart großen Aufwand betreiben – Bilder vom Frankfurter Opernplatz oder Stränden in Spanien und Bulgarien aber zeigen, dass die Corona-Regelungen andernorts nicht eingehalten werden: „Wenn ich das so sehe, habe ich die Befürchtung, dass im Oktober eine zweite Welle kommen könnte.“ Die Arbeit der Vereine wäre umsonst gewesen, wenn die Saison wieder abgebrochen werden müsste.

Andere, wie Klaus Bechtel, Vorsitzender von Rot-Weiß Großauheim, sehen den Fußball durch das Hygienekonzept in Gefahr: „Ich weiß im Moment nicht, wie das alles funktionieren soll. Ich bin fast allein im Verein und kann mir vorstellen, dass viele irgendwann das Handtuch werfen, weil ihnen die Lust verloren geht.“

Hygienekonzept: Spielbetrieb im Jugend- und Seniorenbereich schwer durchführbar

Auf dem Sportgelände von Rot-Weiß könne man den Spielbetrieb im Jugend- und Seniorenbereich unter den neuen Auflagen nur schwer durchführen. „Wir hatten ohne Corona schon Probleme beim Umziehen. Es gibt nur zwei Kabinen, aber mehrere Mannschaften, die hintereinander spielen. Duschen dürfte mit den aktuellen Vorgaben eine Person. Wenn der letzte geduscht hat, ist es 24 Uhr, wenn man sonntags um 15 Uhr spielt“, sagt Bechtel, der die Gefahr sieht, dass die Spieler direkt nach den Partien den Heimweg antreten und die Klubs die Bindung zu ihren Kickern verlieren.

Aus Bechtels Sicht macht ein Wiedereinstieg unter diesen Bedingungen keinen Sinn: „Dann hätte man lieber warten sollen, bis das alles vorbei ist.“ Nichtsdestotrotz will er mit seinem Klub versuchen, die Vorgaben umzusetzen. Die Duschen, aber auch das Vereinsheim und das Kiosk werden bei den ersten Freundschaftsspielen vorerst geschlossen bleiben. „So gehen uns Einnahmen verloren, mit denen wir normalerweise die Schiedsrichter bezahlen, die wir auch jetzt weiterhin bezahlen müssen. Einen eigenen Schiedsrichter dürfen wir in den Freundschaftsspielen nämlich nicht stellen“, ärgert sich Bechtel.

Hygienekonzept: Wegesystem stellt SV Wolfgang vor große Herausforderung

Beim SV Wolfgang hat man das Hygienekonzept ebenfalls als „große Herausforderung“ wahrgenommen – vor allem, was die Errichtung der Zonen und des Wegesystems mit der ohnehin geringen Anzahl an Helfern angeht. „Jeder Verein wird das irgendwie umsetzen können. Das wie wird aber spannend“, sagt Abteilungsleiter Rolf Bauer. Einen Austausch mit Verantwortlichen von Safakspor Hanau, die das Sportgelände in Wolfgang ebenfalls nutzen, hat es laut ihm bisher noch nicht gegeben.

Beim SV Kilianstädten äußert man sich optimistisch, die Vorgaben gut umsetzen zu können: „Ich denke schon, dass man das schaffen kann. Wir haben Gott sei Dank noch genügend Leute, die mithelfen. Es werden aber immer weniger“, meint der zweite Vorsitzende, Christian Merten.

Die Sorgen der anderen Vereine kann er nachvollziehen. „Jemanden zu finden, der Kontaktlisten führt und darauf achtet, dass sich die Mannschaften an alle Regeln halten, ist nicht einfach.“ Der Klub arbeite an der Umsetzung des Hygienekonzepts, damit am Sonntag das erste Freundschaftsspiel über die Bühne gehen kann, berichtet Merten. „Von der Theorie her ist alles einleuchtend. Wie das in der Praxis aussehen wird, werden wir sehen.“

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