HSG Hanaus starker Rückhalt: Torwart Sebastian Schermuly kann es kaum erwarten, wieder vor voll besetzter Main-Kinzig-Halle spielen zu dürfen. Archivfoto: Scheiber
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HSG Hanaus starker Rückhalt: Torwart Sebastian Schermuly kann es kaum erwarten, wieder vor voll besetzter Main-Kinzig-Halle spielen zu dürfen.

Schermuly über die Saison und den Trainerwechsel

HSG-Kapitän: „Ich rechne mit einem Abbruch“

  • Julia Meiss
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Für den Kapitän der HSG Hanau, Sebastian Schermuly, gibt es nur eine Möglichkeit, wie es mit der Drittliga-Saison weiter gehen kann: gar nicht. Im Interview spricht er auch über den neuen Coach.

Hanau – Sebastian Schermuly hegt keine große Hoffnung auf eine Fortführung der Saison. Vielmehr rechnet der Torwart und Kapitän des Handball-Drittligisten HSG Hanau mit einem Abbruch. Im Gespräch mit der Sportredaktion gibt der 34-Jährige, der seit 2014 das Tor der HSG hütet, auch einen Einblick in das Seelenleben der Mannschaft und spricht über den kürzlich vollzogenen Trainerwechsel.

Herr Schermuly, das letzte Pflichtspiel der HSG Hanau liegt über drei Monate zurück, wie fühlt sich dieser Leerlauf mitten in der Saison an?
Tatsächlich ist es nicht nur ein Leerlauf. Selbst wenn man die zwei Spiele, die wir hatten, berücksichtigt, ist es ja keine richtige Handball-Saison. Im Hinterkopf ist eigentlich noch die letzte Runde präsent, weil man diese Saison nicht werten wird und auch gar nicht werten kann. Daher ist tatsächlich eine gewisse Leere in einem. Denn ich muss mich schon weit zurückerinnern, wenn ich an etwas Schönes im Handball denken möchte. Das letzte große Highlight ist lange her, das war letztes Jahr der Sieg gegen Hüttenberg im DHB-Pokal, wo wir einen Zweitligisten in einem Pflichtspiel geschlagen haben. Es ist zur Zeit sehr unbefriedigend – für alle.
Die HSG Hanau darf als Zugehörige zu einer Profiliga trainieren: Wie sieht aktuell das Trainingspensum aus?
Wir trainieren dreimal die Woche – Montag, Dienstag, Donnerstag – und am Wochenende gibt es einen Pflichtlauf, den jeder zu Hause machen kann. Der wird dann per App digital erfasst. So kommen wir auf vier Trainingseinheiten, davon drei mit der Mannschaft.
Wie ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft?
Die Stimmung ist gut. Jeder ist froh, dass er auch mal zu Hause rauskommt und wir uns unter der Woche sehen können. Aber das war auch schon anders. Gerade Ende November und im Dezember war die Stimmung nicht so gut, weil man nicht wusste, wofür man überhaupt trainiert. Und eigentlich war einem das Wichtigste, Weihnachten gesund mit der Familie verbringen zu können.
Wann hat sich die Stimmungslage geändert?
Seit es im Januar wieder losgegangen ist, genauer gesagt letzte Woche Montag, sind Motivation und Lust auf Handball wieder gestiegen. Da ist ein richtiger Ruck durch die Mannschaft gegangen. Diese Winterdepression haben wir also hinter uns gelassen und gehen jetzt wieder mit Schwung an die Sache ran und hoffen einfach, dass sich noch irgendwas ergibt – seien es Play-offs oder Pokalspielmöglichkeiten. Ansonsten muss man jetzt schon fast sehen, dass man sich für die nächste Runde einspielt und fit macht.
Eine lange Trainingsphase kann auch eine Chance sein, um sich zu verbessern: Haben Sie Ihr Torwartspiel verändert?
Das kann ich so nicht beurteilen, weil ich wenig Spiele hatte, in denen ich es hätte zeigen können. Aber wir haben mit Markus Breitenbach einen Torwarttrainer dazu bekommen, der sehr engagiert ist und sehr viele neue Übungen eingebaut hat. Solche, die ich in meinen ganzen Jahren auch noch nicht gesehen und mitgemacht habe. Durch seine positive Art machen selbst die unorthodoxesten Übungen Spaß. Tatsächlich würde ich fast behaupten, dass ich auch durch unseren Fitnesstrainer Dominik Scholz mittlerweile den besten Fitnessstand meiner HSG-Zeit habe. Also so gut in Schuss war ich schon lange nicht mehr. Wie sich das auf das Torwartspiel im Spiel auswirkt, kann ich noch nicht beurteilen.
Der Verein hat eine Veränderung auf der Trainerposition bekannt gegeben, Chefcoach Oliver Lücke wird Co-Trainer und Hannes Geist wird vom Co-Trainer zum Cheftrainer. Wie ist die Rochade in der Mannschaft angekommen?
Unser Sportlicher Leiter Reiner Kegelmann hat das am letzten Montag der Mannschaft mitgeteilt und prinzipiell sind alle damit fein und freuen sich. In erster Linie sind wir alle Oli dankbar, dass er sich letzte Saison in den Dienst des Vereins gestellt und das Ruder übernommen hat, nachdem sich die HSG von Oli Schulz getrennt hatte. Es herrscht Oli Lücke gegenüber einfach eine große Dankbarkeit und wir freuen uns, dass wir mit Hannes in neuer Funktion einen jungen, engagierten Trainer mit der A-Lizenz haben. Ich denke, davon können wir alle profitieren.
Mit Hannes Geist hat die HSG einen Cheftrainer, der mit einigen aus der Mannschaft vor nicht allzu langer Zeit noch zusammengespielt hat. Ist das ein Problem?
Das kann vor allem für die etwas jüngeren Spieler ungewohnt sein. Aber für die etwas älteren Spieler wie mich und die Führungsspieler nicht. Denn dadurch, dass wir jetzt fast schon ein Jahr miteinander trainiert haben, hat man sich schon aneinander gewöhnt. Jeder weiß, wie er sein Feld abzustecken hat und ich denke, Hannes passt zu einhundert Prozent in die HSG-Familie und ist zur Zeit einfach die Ideallösung auf dieser Position.
Aktuell bespricht sich der DHB mit den Drittligisten über eine mögliche Fortführung der Saison. Mit welchem Szenario rechnen Sie?
Ich rechne tatsächlich mit einem Abbruch. Wahrscheinlich wird es eine Aufstiegsrunde geben, denn einen Aufsteiger in die 2. Liga muss es geben – so ist es in den Statuten festgehalten. Da muss man schauen, ob da jeder mitspielen kann oder es über Lizenzierungsverfahren für die 2. Liga laufen wird. Es gibt noch einige Fragezeichen. Aber meiner Meinung nach sollte die Runde abgebrochen und auch nicht mehr groß fortgeführt werden. Stattdessen sollte der volle Fokus auf die nächste Saison gelegt werden. Ich hoffe, dass man dann im August oder September sogar vor ein paar Zuschauern spielen kann. Denn ich denke, Geisterspiele sind perspektivisch für die Drittligisten nicht umsetzbar, weil sie von Catering und Zuschauereinnahmen abhängig sind. Geisterspiele sind auch nicht im Sinne des Erfinders.
Im Moment findet allen Widrigkeiten zum Trotz die Handball-WM statt. Traditionell sind WM und EM wichtige Prestige-Veranstaltungen, die den Handballsport pushen. Könnte die WM diesmal, nach den Problemen im Umgang mit dem Coronavirus mit Rückzug von Mannschaften vor dem Turnier und Nichtantritten zu spielen, eine schlechte Außenwirkung haben?
Ich bekomme aus meinem Bekanntenkreis mit, dass viele, die nicht selbst im Handball aktiv sind, diese Weltmeisterschaft gar nicht erst wahrnehmen. Sie ist leider nicht in diesem medialen Fokus wie sonst. Das liegt daran, dass die Fußball-Bundesliga mit Englischen Wochen voll durchspielt. Diese Konkurrenz ist zu groß für unsere Sportart. Es wird definitiv nicht diesen Hype geben, den es zum Beispiel nach dem Gewinn der Europameisterschaft gab. Die deutsche Mannschaft hat sich, soweit es ging, ordentlich präsentiert und viele neue junge Spieler haben ihre Chance genutzt.
Worauf freuen Sie sich aus handballerischer Sicht?
Wir, das gilt für die Mannschaft, freuen uns einfach darauf, wenn wir eines Tages wirklich wieder vor gut gefüllten Rängen in der MaKi (Main-Kinzig-Halle, Anm. d. Red.) fürs Publikum spielen können und mit einzigartiger Lichtshow und dieser unfassbaren Stimmung in unseren Tempel einlaufen können. Dafür trainieren wir seit Monaten viermal die Woche. (Das Gespräch führte Julia Meiss)

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