Der Fußball liegt abseits: Janik Kegelmann will nach seinem dritten Kreuzbandriss nicht mehr kicken. Der Zweitmannschaftsspieler der HSG Hanau fiebert vielmehr seinem Comeback auf dem Handballfeld entgegen. Der Saisonstart hat sich für den Oberliga-Aufsteiger verzögert.
+
Der Fußball liegt abseits: Janik Kegelmann will nach seinem dritten Kreuzbandriss nicht mehr kicken. Der Zweitmannschaftsspieler der HSG Hanau fiebert vielmehr seinem Comeback auf dem Handballfeld entgegen. Der Saisonstart hat sich für den Oberliga-Aufsteiger verzögert.

Das lange Warten aufs Comeback

HSG Hanau II: Janik Kegelmann will zwei Jahre nach seinem Kreuzbandriss endlich wieder spielen

  • vonRobert Giese
    schließen

Hanau – Die ständige Verschiebung des Handball-Saisonbeginns auf Hessenebene und darunter sowie die Ungewissheit auf das, was die Zukunft in dieser Hinsicht noch bringt, sorgen bei den Handballern aus der Region für die unterschiedlichsten Gefühle: Viele sind verunsichert, einige können es kaum erwarten, dass die Saison endlich beginnt. Noch etwas ungeduldiger als viele andere Handballer dürfte Janik Kegelmann sein.

Der 23-jährige Rückraumspieler, der mit der HSG Hanau II in diesem Jahr eigentlich in die Oberliga-Saison starten wollte, hat sich nach einer schweren Verletzung zurückgekämpft – und zwar schon zum dritten Mal.

Kreuzbandriss – diese Diagnose bedeutet für jeden Sportler eine Hiobsbotschaft, und Kegelmann hat sie trotz seines Alters von erst 23 Jahren schon dreimal gehört. „Den ersten Kreuzbandriss hatte ich in der C-Jugend, mit 13“, erinnert sich der Rechtshänder. Nachdem er zwei Jahre pausiert hatte, riss das Kreuzband im gleichen Knie schließlich erneut.

Kegelmann steckte jedoch nicht auf, arbeitete sich wieder zurück und reifte in der zweiten Mannschaft der HSG Hanau, die damals noch in der Landesliga Süd spielte, zum Leistungsträger – bis er sich vor rund zwei Jahren einen weiteren Kreuzbandriss zuzog.

Besonders ärgerlich: Er verletzte sich nicht beim Handball, sondern bei einem Fußballturnier auf Rasen. „Zum Glück war der Kreuzbandriss diesmal im rechten Knie“, so Kegelmann, der sich zuvor zweimal am linken Knie verletzt hatte, „aber ich wusste trotzdem erst einmal nicht, ob ich überhaupt noch einmal spielen werde.“ Die Physiotherapeuten des Vereins hätten ihn nach der Verletzung aber gut wieder aufgebaut und auch der Heilungsprozess sei vielversprechend verlaufen.

Außerdem habe er auch während seiner neuerlichen Verletzung immer die Nähe zu seinem Team gesucht: „Ich war regelmäßig im Training, zumindest zum Werfen und im Kraftraum“, erzählt Kegelmann, „und in der vergangenen Saison saß ich als Betreuer während der Spiele auf der Bank.“ Für sein Comeback als Spieler sei die Corona-Pandemie zunächst alles andere als hinderlich gewesen, „denn dadurch hatte ich viel Zeit, um wieder richtig fit zu werden.“

Das Handballspielen liegt dem 23-Jährigen übrigens in den Genen. Sein älterer Bruder Daniel spielt ebenfalls für die HSG Hanau II, Vater Reiner ist Sportlicher Leiter der Hanauer. „Als ich ein Kind war, war mein Vater Trainer, und mein Bruder hat auch schon gespielt“, erzählt Janik Kegelmann von seiner Handballer-Familie, daher war es praktisch unumgänglich, dass auch er beim Handball landete. Bereits mit drei Jahren machte er deshalb beim TV Kesselstadt die ersten handballerischen Gehversuche.

Allerdings hegte Kegelmann auch immer eine – letztlich fatale – Leidenschaft fürs Kicken, die er seit seiner Verletzung nur noch eingeschränkt auslebt. „Für Rasenturniere habe ich mir jedenfalls selbst ein Verbot auferlegt“, sagt er und schmunzelt, „und in der Halle halte ich mich auch zurück und gehe eher mal ins Tor, schließlich will ich noch eine Weile Handball spielen.“

Beim Fußball beschränkt sich der Rückraumspieler daher meist auf die Zuschauerrolle, ist Fan der Frankfurter Eintracht und besucht auch häufiger Spiele von Hessenliga-Aufsteiger FC Erlensee. „Wir fahren schon seit einigen Jahren mit Jan Lüdke in den Ski-Urlaub und ein früherer Mitschüler spielt auch dort“, erläutert Kegelmann, weshalb er mit einigen Mannschaftskollegen hin und wieder Gast am Erlenseer Sportzentrum ist, und auch die Fußballer säßen hin und wieder in der Halle auf der Tribüne und drückten den Handballern die Daumen.

Gelegenheit dazu hatten die FCE-Kicker in dieser Saison jedoch noch nicht, denn der Saisonstart in der Oberliga wurde schon zweimal verschoben. „Das ist schon sehr ärgerlich, denn wir haben uns lange und gut vorbereitet“, verrät Kegelmann, der sich wie seine Teamkollegen sehr auf die Herausforderung in der neuen Liga gefreut hat.

Der zuletzt für Mitte Oktober angesetzte Saisonstart gegen die TSG Münster fiel kurz vor dem Anpfiff ins Wasser, was für die Hanauer ein Nackenschlag war: „Dass die Partie so kurzfristig abgesagt wurde, ist sehr schade.“

Entsprechend zurückhaltend äußert sich der Rückraumspieler, wenn er in die Zukunft blickt: „Ich kann mir inzwischen nur schwer vorstellen, dass wir eine komplette Runde spielen“, rechnet er mit weiteren Änderungen. Kegelmann hofft, dass es in der einen oder anderen Form überhaupt mit der neuen Spielzeit los geht: „Wir haben uns als Team in der Vorbereitung sehr weiterentwickelt und wollen gerne die Klasse halten. Ich selbst habe nach meiner Verletzung wieder ein gutes Gefühl, auch wenn ich noch mit der Schiene spiele, und würde gerne die Saison zusammen mit meinem Bruder spielen – und will unbedingt verletzungsfrei bleiben.“

Das könnte Sie auch interessieren