Onur Bulut steht mit Germania Niederrodenbach ganz oben in der Tabelle. Zehn eigene Treffer konnte der Angreifer bejubeln. Archivfoto: Kalle

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Hinrundenrückblick, KOL: Rodenbacher Spitzenduo zieht Zuschauer

Fußball. Der Aufstiegskampf in der Kreisoberliga Hanau könnte in diesem Jahr richtig spannend werden, im Tabellenkeller scheinen einige Entscheidungen aber schon gefallen. Der Rückblick auf das erste Halbjahr in Hanaus höchster Spielklasse.

Von Michael Bellack

Spitzengruppe:An der Tabellenspitze gibt es wenige Überraschungen. Auf dem Platz an der Sonne thront Aufstiegsfavorit Germania Niederrodenbach punktgleich mit dem Rivalen Eintracht Oberrodenbach. Beide Teams zählten schon vor Saisonbeginn zu den Topfavoriten auf den Aufstieg und haben die besten Chancen, in die Gruppenliga aufzusteigen. In der Rückrunde darf ein spannender Kampf erwartet werden. Denn auch die Verfolger schlafen nicht.

Auf Rang drei liegt mit vier Punkten weniger der TSV Niederissigheim. Die Bruchköbeler zählten zum erweiterten Favoritenkreis und mischen nun ganz vorne mit. Kewa Wachenbuchen rangiert auf Platz vier. Im letzten Jahr landete man auf dem undankbaren dritten Platz. Auch in dieser Saison verhinderten leichtfertige Punktverluste eine bessere Platzierung.

Bereits sieben Punkte Rückstand auf die Spitzenplätze hat die Spvgg. Hüttengesäß, die als das Überraschungsteam der Liga für Aufsehen sorgte.

Mittelfeld:Wie Hüttengesäß stehen auch der VfR Kesselstadt und die „Zehner“ aus Langenselbold bei 32 Punkten. Beide Teams haben aber bereits zwei Spiele mehr als die ersten fünf Teams absolviert und führen damit das Mittelfeld des Tableaus an. Der Geheimfavorit aus Langenselbold verlor durch eine Niederlagenserie den Anschluss nach oben und bleibt somit hinter den Erwartungen zurück. Absteiger Kesselstadt dagegen schlägt sich in der neuen Liga bestens und dürfte sich auch bis Saisonende im vorderen Mittelfeld halten.

Dazu gesellen sich auch die beiden Aufsteiger Spvgg. Roßdorf (28 Punkte) und ET-SF Windecken (26). Die Roßdorfer blühten nach schwierigem Start regelrecht auf und spielten eine überzeugende Hinrunde. Den Eintracht-Sportfreunden Win‧decken wurde eine Verletzungsmisere zum Verhängnis, die hohen Erwartungen, die vor allem die Konkurrenz vor der Saison an den Aufsteiger hatte, konnten nicht erfüllt werden.

Ebenfalls hinter den Erwartungen steht Germania Dörnigheim auf Platz zehn. Auch die Maintaler haben mit personellen Problemen zu kämpfen. So wurde aus einem vermeintlichen Aufstiegskandidaten eine „graue Maus“. Mit 24 Punkten bilden die Germanen den Abschluss des Mittelfeldes, der Abstand zu den unteren Rängen ist aber keinesfalls komfortabel.

Kellerkinder:Safakspor Hanau mit 22 Punkten und Eintracht Oberissigheim mit 20 Zählern stehen gerade noch so über dem Strich. Beide Teams spielten eine enttäuschende Hinrunde und werden auch im neuen Jahr ordentlich zittern müssen.

Auf dem Relegationsrang steht Aufsteiger SV Kilianstädten. Die Schönecker, die über die Relegation in die Kreisoberliga kamen, tun sich in der neuen Spielklasse bisher schwer. Zu den heißen Anwärtern auf den Abstieg zählen auch Hilalspor Hanau (17 Punkte) und der VfB Groß‧auheim (15). Beide Teams gaben vor der Saison den Nichtabstieg als Ziel aus, die Platzierungen erscheinen daher wenig überraschend.

Blickt man auf die nackten Zahlen, stehen zwei direkte Absteiger quasi fest. Der TSV 1860 Hanau (6 Punkte) und die SG Bruchköbel II (3) haben unterirdische Hinrunden hinter sich und sind bereits 14 beziehungsweise 17 Punkte vom rettenden Ufer entfernt. Bei den Verantwortlichen dürften die Planungen für die Kreisliga A bereits begonnen haben.

Torjäger:Die Goalgetter in Hanaus höchster Spielklasse liefern sich ein Wettschießen. An der Spitze thront Evangelos Zormpalas in Diensten von Windecken. 26-mal ließ er es im gegnerischen Kasten klingeln. Damit war er für knapp 55 Prozent aller Tore seiner Mannschaft zuständig (48). 25 Tore hat Rodney Dean Kurz von Eintracht Oberrodenbach auf dem Konto. Gemeinsam mit Ronny Barthelmie (15 Tore) bildet er das beste Sturmduo der Liga. Das zweitbeste Stürmergespann kommt vom VfR Kesselstadt. Emir Omerovic (23 Tore) und Nervin Memic (13) ließen es auch in der neuen Spielklasse ordentlich klingeln. Beide Teams stellen gemeinsam mit Wachenbuchen die beste Offensive der Liga (63 Treffer).

Auch beim TSV Niederissigheim ist Verlass auf ein Sturmduo. Dominic Bernard (20) und Yannick Wolff (15) zeigten sich äußerst treffsicher. Auffällig ist, dass die Spitzenteams aus Wachenbuchen und Niederrodenbach keine Toptorjäger stellen. Bei beiden Teams verteilt sich die Last auf mehrere Schultern. Gleich drei Kicker von Wachenbuchen trafen bereits zweistellig.

Trainerwechsel:Der Trainerstuhl erwies sich in der Hinrunde der KOL als äußerst wackelige Sitzgelegenheit. Gleich vier Übungsleiter mussten im Laufe der Hinrunde ihren Hut nehmen, zudem verabschiedete sich Christian Marggraf mit dem Beginn der Winterpause vom TSV 1860 Hanau.

Den Auftakt machte die Reserve aus Bruchköbel. Der glücklose Giuseppe Sbano nahm früh seinen Hut und wurde von Urgestein Paul Sammer beerbt. Ein Effekt blieb aber aus, Punkte konnte die SGB II nicht sammeln. Eintracht Oberissigheim trennte sich ausgerechnet nach einem 8:0-Sieg über 1860 Hanau von Trainer Dirk Vollmar. Der Ex-Profi konnte den Erwartungen in seiner knapp zehnmonatigen Amtszeit nicht gerecht werden. Das Zepter in der Hand hat nun Christopher Schneider.

Auch beim VfB Großauheim gab es einen Wechsel zu vermelden. Aufstiegscoach Danny Laber zog seine Konsequenzen aus Unstimmigkeiten im Verein und erklärte seinen Rücktritt. Seit fünf Spielen hat nun der Sportliche Leiter Andreas Kurzschenkel interimsweise das Sagen.

Aus persönlichen Gründen nahm Adem Bekirov seinen Hut beim VfR Kesselstadt. Neuer Mann an der Seitenlinie bei den Hanauern ist Armin Curt.

Zuschauer:Wie in den vergangenen Jahren schwanken die Zuschauerzahlen der einzelnen Teams deutlich. Über großen Zuschauerzuspruch vor allem bei Heimspielen können sich meist Niederrodenbach, Wachenbuchen und Roßdorf freuen. Aber auch die Partien des VfR Kesselstadt und der Spvgg. Langenselbold sind oft gut besucht.

Die meisten Zaungäste kamen zum Hinspiel des Rodenbach-Derbys im August. 260 Zuschauer sahen das Schlagerspiel. Auch das Hanauer Duell zwischen Kesselstadt und dem TSV 1860 Hanau war mit rund 200 ein Zuschauermagnet. Vor allem in den letzten Spielen vor der Winterpause nahmen die Zahlen aber dramatisch ab. Bei den schlechten Wetterbedingungen fanden sich auf vielen Sportplätzen nicht einmal 50 Zuschauer ein.

Sünder:Ganz unten in der Fairnesswertung liegt Safakspor Hanau. In 18 Spielen sammelten die Hanauer 15 Platzverweise (neunmal Gelb-Rot, sechsmal Rot) und 56 Gelbe Karten. Allerdings ist die Tendenz positiv, denn die sechs Roten Karten hagelte es bereits in den ersten acht Spielen.

Ebenfalls keine Kinder von Traurigkeit sind die Kicker vom TSV Niederissigheim. 65 Gelbe, drei Gelb-Rote und drei Rote Karten hat man gesammelt. Auch Kesselstadt sammelte bereits acht Platzverweise und 59 Verwarnungen.

Die fairsten Teams der Liga sind derweil auch die besten. Germania Niederrodenbach und Eintracht Oberrodenbach mussten bisher nur eine Gelb-Rote Karte hinnehmen, hinzu gesellen sich 29 beziehungsweise 32 Gelbe Kartons. Auch die Spvgg. Hüttengesäß musste nur ein Spiel in Unterzahl beenden.

Besonderheiten:Zwei altbekannte Stürmer sorgten in der Hinrunde für Aufsehen. Germania Dörnigheim setzte Goalgetter Emir Draganovic trotz zehn Toren in sieben Spielen bereits frühzeitig vor die Tür. Und auch Antonio Sbano brach seine Zelte in Oberrodenbach bereits wieder ab, er wird nicht mehr für das Spitzenteam auflaufen.

Ein Spiel mit dem Feuer betreibt die SG Bruchköbel II. Zweimal trat die Verbandsliga-Reserve schon nicht an. Ein weiteres Mal würde den Zwangsabstieg bedeuten. Angesichts der aussichtslosen sportlichen Lage gilt der Gang in die Kreisliga A als besiegelt, allerdings hätte ein Zwangsabstieg weitere Konsequenzen für den Gesamtverein.

Interessant ist auch eine Statistik von Hilalspor Hanau. Mit Enver Eydere (sechs Saisontore) ist der beste Torschütze des Vereins ausgerechnet ein Innenverteidiger.

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