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Stellt sich in schweren Zeiten: Der Frankfurter Regionalbeauftragte Thorsten Bastian spricht über die Corona-Krise und mögliche Spielklassenreform.

Spielpause in der Corona-Krise

Regionalbeauftragter Thorsten Bastian glaubt nicht an die Fortsetzung der Fußballsaison

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Die Corona-Krise und die Frage, wie es nach der verordneten Spielpause weitergeht, beschäftigen die heimische Fußball-Welt. Abbruch-Szenarien werden immer wahrscheinlicher, über die Möglichkeiten, die laufende Saison zu werten, wird heiß diskutiert.

Auch in der Region Frankfurt, die in die Kreise Büdingen, Frankfurt, Friedberg, Gelnhausen, Hanau, Hochtaunus und Offenbach untergliedert ist, befasst man sich mit den verschiedenen Szenarien. Der Regionalbeauftragte Thorsten Bastian, zugleich Kreisfußballwart in Friedberg, bezog im Interview unter anderem zum Thema Corona-Krise Stellung. Der 55-jährige Familienvater aus Rockenberg sieht die derzeitige Entwicklung mit Sorge und äußert seine Skepsis, dass in naher Zukunft der Ball wieder über die heimische Plätze rollen wird.

Herr Bastian, die Corona-Krise hat derzeit den Fußball völlig lahmgelegt. Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass die derzeit unterbrochene Saison in den heimischen Amateurligen zu Ende gespielt werden kann?

Zunächst einmal zeigt sich heute, dass die frühzeitig ausgesprochene Generalabsage des Spielbetriebs im Verbandsgebiet zum Wohle aller Beteiligten vollkommen in Ordnung gewesen ist. Mittlerweile gibt es von Seiten der Politik Trainingsverbote, die Sportanlagen sind über den zunächst verbandsseitig avisierten Termin hinaus gesperrt. Es ist eine weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens eingetreten und wir reden über Ausgangssperren. Ob sich diese Situation zeitnah ändern wird, das steht in den Sternen.

Sollten wir in absehbarer Zeit wieder an Fußball denken können, würde theoretisch die Möglichkeit bestehen, die Spiele bis Ende Juni anzusetzen und die Saison somit unter sportlichen Gesichtspunkten, ohne Aufstiegs- und Relegationsspiele, zu beenden. Ob das praktisch nach der langen Zwangspause von unseren Vereinen umsetzbar ist, ist eine andere Frage. Auch unter dem Eindruck der derzeitigen notwendigen restriktiven Maßnahmen der Politik zur Eindämmung des Virus, mag ich nicht so recht daran glauben.

Sollte die Saison abgebrochen werden. Was wäre für Sie das fairste Wertungsszenario?

Da möchte ich mich nicht an den vielen Spekulationen beteiligten, das wäre unseriös. Klar ist, bei einer am grünen Tisch und nicht auf dem Sportplatz herbeigeführten Entscheidung, wird es Gewinner und Verlierer geben. Die außergewöhnliche Situation macht das dann aber notwendig. Eine wie auch immer geartete Entscheidung sollte aber zeitnah unseren Vereinen zur Kenntnis gebracht werden, da diese ja Planungssicherheit brauchen.

Denken Sie, dass der DFB im Amateurbereich länderübergreifend einheitlich regeln wird, wie mit abgebrochenen Spielzeiten zu verfahren ist, sofern es zu Abbrüchen kommt?

Das wäre sicherlich wünschenswert, aber schlussendlich kann jeder Landesverband hier separate Entscheidungen treffen.

Mit Hanau 93 hat bereits der erste Verein aus der Hessenliga aufgrund der Corona-Krise einen Hilferuf abgesetzt und wegen wegbrechender Einnahmen und fortlaufenden Ausgaben um Spenden gebeten. Sehen Sie die heimischen Vereine aufgrund der langen spielfreien Zeit generell vor finanziellen Schwierigkeiten und gibt es Lösungsansätze seitens des Verbands?

Es gibt in allen Bereichen Einbußen, auch im Sport. Der DFB und der Landessportbund haben sich ja der Thematik bereits angenommen. Wie genau die Hilfe aussehen und wo sie ankommen wird, wird die Zukunft zeigen.

Stichwort Belastung. Geht es in den Monaten Mai und Juni weiter, stünde ein Mammutprogramm an. Ist dies den Amateurkickern in den unteren Ligen überhaupt zuzumuten?

Sollte der Spielbetrieb tatsächlich fortgesetzt werden, dann wird es in Friedberg, nur hierüber kann ich Auskunft geben, unter Umständen im Bereich der zweiten Mannschaften, wo lebensältere Sportfreunde noch gegen den Ball treten, große Probleme geben. Generell sind Werktagsspiele in einem großen Flächenkreis aufgrund der teilweise weiten Fahrten sowieso problematisch und würden unter Umständen dazu führen, dass ein Teil der Mannschaften die Runde wegen mehrmaligen Nichtantretens nicht zu Ende spielen könnte.

Stehen flächendeckend in Hessen für komprimierte Spielpläne denn genug Sportplätze und Schiedsrichter zur Verfügung?

Ob genügend Sportplätze und Schiedsrichter zur Abwicklung des Spielbetriebs zur Verfügung stehen, hängt in erster Linie davon ab, wann es im Fall der Fälle weitergehen wird. Wir haben in unserem Kreis schon eine beachtliche Anzahl von witterungsbedingten Spielausfällen, jede weitere zeitliche Unterbrechung macht die Fortsetzung unwahrscheinlicher.

Apropos Schiedsrichter: Sie kommenden selbst aus der pfeifenden Zunft. Wie ist Ihr Eindruck: Hat der Respekt vor den Schiedsrichtern abgenommen oder verzerren die zuletzt in den Medien wahrgenommenen Angriffe gegen Schiedsrichter das Gesamtbild?

Grundsätzlich hat Gewalt auf unseren Sportplätzen nichts zu suchen, egal ob gegen Mitspieler, Gegenspieler oder Schiedsrichter. Körperverletzungsdelikte (gegen Schiedsrichter) sind über die Sportgerichtsbarkeit hinaus von der ordentlichen Gerichtsbarkeit zu behandeln. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass die allermeisten Spiele im Verbandsgebiet ohne Probleme zu Ende gehen. Allerdings führen die fortlaufenden Beleidigungen und Herabwürdigungen unserer Schiedsrichter dazu, dass die Freude und Leidenschaft an der Schiedsrichtertätigkeit weiter zurückgehen wird. Hier sind sicherlich unsere Vereine in der Pflicht, um Spielern, Eltern und Mitgliedern zu verdeutlichen, dass der Schiedsrichter eben der 23. Mann auf dem Sportplatz und kein Freiwild ist. Was gerade in den untersten Fußballligen nicht nachvollziehbar ist, denn hier muss man doch unbedingt mit Fehlentscheidungen rechnen, oder kann mir jemand sagen, warum der Kreisligaschiedsrichter an der Pfeife zehnmal besser sein sollte als der Kreisligaspieler am Ball?

In den vergangenen Wochen wurde häufig über mögliche Spielklassenreformen diskutiert. Was ist denn Stand der Dinge. Wird es sicher zur Reduzierung von drei auf zwei Verbandsligen und von acht auf sechs Gruppenligen kommen?

Die Gremien des Hessischen Fußball-Verbandes werden sich zur gegebenen Zeit damit beschäftigen, im Moment ist dies allerdings kein Thema.

Ihr Offenbacher Kollege Jörg Wagner schlug in einem Interview mit der „Offenbach-Post“ vor, die Kreisoberligen der sieben Kreise der Region zusammenzufassen. Sein Vorschlag: Eine Kreisoberliga soll mit Teams aus den Kreisen Hanau, Gelnhausen und Büdingen befüllt werden. Was halten Sie von diesem Vorschlag und wie ist die Resonanz aus den Kreisen?

Ich habe aus vielen Gesprächen und Sitzungen den Eindruck gewinnen können, dass es alle Fußballwarte unserer Region eint, den Spielbetrieb in unserem Verband angesichts des demografischen und strukturellen Wandels zukunftsfähig aufzustellen. Über das „Wie“ wird man zur gegebenen Zeit diskutieren müssen, haben doch alle Kreise in unserer Region derzeit ein auf ihre jeweiligen Bedürfnisse abgestimmtes Spielgeschehen.

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