Auf gehts: Der FC Hanau 93 will nach dem 1:1 in Waldgirmes zu Hause punkten. Archivfoto: Steffen Bär

Fußball

Hessenliga: Heimspielauftakt für Hanau 93

Fußball. Auf diesen Tag hat man beim FC Hanau 93 lange warten müssen. Am morgigen Samstag ist es endlich so weit. Um 15 Uhr erfolgt an der Kastanienallee der Anpfiff gegen den FV Bad Vilbel. Das erste Heimspiel in der Hessenliga seit mehr als 33 Jahren. Letztmals spielten die 93er in der Saison 1985/86 in der Hessenliga.

Von Gert BechertAm 11. Mai 1986 hieß vor heimischem Publikum der Gegner FSV Frankfurt. Nach einem 0:0-Halbzeitstand stand es am Ende 1:5, womit das bis am Samstag letzte Heimspiel in Hessens höchster Liga verloren ging. Die Niederlage war symptomatisch für eine verkorkste Saison. Als Tabellenletzter stieg der älteste hessische Fußballverein sang- und klanglos aus dem hessischen Oberhaus ab. Es folgte eine Talfahrt bis in die Fußballniederungen auf Kreisebene.

Das Ende des Dornröschen-schlafes ist eng mit dem Namen Giovanni Fallacara verbunden. Als er vor fünf Jahren die sportliche Leitung übernahm, ging ein Ruck durch den Verein. „Mein erklärtes Ziel war die Rückkehr in die Hessenliga binnen vier Jahren. Dass es ein Jahr länger dauerte, ist zu verschmerzen“, meint der 42-Jährige. Er wurde damals von vielen belächelt, selbst von vielen Kritikern im eigenen Lager. „Ich musste viel aushalten, es glaubten nicht allzu viele an meinen Plan.“ Dabei hatte Fallacara nicht nur die erste Mann-schaft im Visier: „Es war für mich sehr wichtig, dass auch die Zweite den sportlichen Aufschwung mitmachte“, betont der umtriebige Macher. Der Doppelaufstieg in der abgelaufenen Runde – der zweite während seiner Tätigkeit bei den 93er – bestätigt ihn.

Nachholbedarf beim Sponsoring

Aber auch bei ihm ist nicht alles Gold, was glänzt. Der zunächst verpasste Hessenligaaufstieg nagt immer noch an ihm. Die sportliche Leitung hat Fallacara wie berichtet an Alexander Hagikian abgetreten, für ihn wurde mittlerweile das Amt des Abteilungsleiters geschaffen, für einen Einspartenverein eine ungewöhnliche Lösung. Fallacara, der, wie er sagt, immer aufs Ganze geht, ist froh über diese Lösung. „Mein Ziel ist, im Laufe des Jahres aus der sportlichen Leitung auszuscheiden.“ Zukünftig will sich Fallacara verstärkt um die Sponsorenbetreuung kümmern, „da sägt auch niemand an meinem Stuhl“.

So nicht: Nach über 33 Jahren bestreitet der FC Hanau 93 wieder ein Heimspiel in Hessens höchster Liga und hofft auf einen anderen Ausgang als am 11. Mai 1986. Gegner am Samstag ist der FV Bad Vilbel. Foto: HA

Den Verein auf solide Beine zu stellen, hat er sich auf die Fahne geschrieben. „Wir stehen vor einem entscheidenden Jahr. Wir müssen noch viele andere für die 93er begeistern, deshalb habe ich den Vertrieb gemeinsam mit Hans-Jürgen Glock in die Hand genommen.“ Frank Feuerriegel sieht es ähnlich. „Im Vergleich zur HSG Hanau und den White Wings Hanau haben wir in puncto Sponsoring einen großen Nachholbedarf, diese beiden Klubs sind uns meilenweit voraus“, meint der seit 2017 im Amt befindliche Vorsitzende des HFC. Die Aktivitäten auf dem Transfermarkt waren für ihn enorm wichtig. „Mit unserer Verbandsligamannschaft hätten wir die Hessenliga nicht stemmen können. Wir haben, angefangen mit unserem Spielertrainer Michael Fink, viel Qualität und Erfahrung dazu bekommen. Das hat man bereits zum Saisonauftakt beim 1:1 in Waldgirmes gesehen.“

„Wir werden alles raushauen“

Aber auch im Umfeld ist einiges geschehen. Die vom Verband geforderten Umkleidecontainer wurden von der Stadt angemietet und in dieser Woche aufgestellt. „Das entspricht jetzt Hessenligaansprüchen“, freut sich Feuerriegel. Ansonsten sieht der Vorsitzende dem Spiel am Samstag mit einer erstaunlichen Gelassenheit entgegen. Auch was die Zuschauerzahl betrifft. Der 63-Jährige stapelt eher tief, wenn er von erwarteten 350 Besuchern spricht. „Alles darüber hinaus würde mich sehr freuen.“ Obwohl es sich fast um ein Derby handelt – die Sportstätten beider Vereine trennen nur 16 Kilometer –, sind die im letzten Jahr in die Hessenliga aufgestiegenen Gäste nicht gerade ein Zuschauermagnet. Was auch Feuerriegel so einschätzt. „Die Zuschauer aus Bad Vilbel werden sich wohl im überschaubaren Rahmen halten“, baut Feuerriegel vor, der in erster Linie auf die Unterstützung durch die eigenen Fans und Fußballinteressierte aus dem Hanauer Raum hofft.

Gegenüber dem Spiel in Waldgirmes wird sich personell nicht viel ändern. Tim Fließ hat seine Rote Karte beim Hammersbach-Cup abgesessen und ist im Defensivbereich eine Alternative. Fraglich ist das Mitwirken von Feta Suljic, Neuzugang Kevin Effiong und Betim Mezimi fallen weiter aus. Die Gäste stehen nach der 2:3-Auftaktniederlage gegen den SC Hessen Dreieich und dem überraschenden 1:2-Pokal-Aus in der ersten Runde auf Kreisebene gegen Gruppenliga-Aufsteiger SV Gronau bereits unter Zugzwang. „Wir werden alles raushauen und dabei auch spielerische Akzente im Spiel nach vorne setzen“, verspricht Fink.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema