Kann sich durchsetzen: Den fachlichen Rat von Adriana Cortese schätzen nicht nur die Spieler, sondern auch Chefcoach Michael Fink. Foto: Jasmin Jakob

Fußball

Hessenliga: Adriana Cortese macht die Kicker von Hanau 93 fit

Fußball. Ein Blick auf den Hessenliga-Kader des FC Hanau 93 offenbart erst mal nichts Ungewöhnliches. Eine Person sticht aber heraus. Unter den mehr als 20 gestandenen Fußballern und Offiziellen fällt Adriana Cortese deutlich auf. ​​ Die 27-jährige Halbitalienerin macht die Kicker als Physiotherapeutin fit für die Spiele.

Von Julia Meiss

„Die Jungs hören auf mich und vertrauen mir“, fühlt sich die Bornheimerin mit dem sonnigen Gemüt an der Kastanienallee pudelwohl.

Stürmer Suljic stellt Kontakt zu Cortese her

Nachdem der Aufstieg in die Hessenliga im Sommer feststand, haben die Hanauer auch das Team hinter dem Team vergrößert, wie Spielertrainer Michael Fink sagt: „Für die Hessenliga wollten wir garantieren, dass zu den Spielen immer mindestens ein Physiotherapeut da sein kann.“ Stürmer Feta Suljic hat schließlich Adriana Cortese ins Spiel gebracht, die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Spvgg. Oberrad. Dort betreute die Bornheimerin ebenfalls das Hessenliga-Team. Nun bildet Adriana Cortese mit Fabian Deines die physiotherapeutische Abteilung des FC Hanau 93.

Dabei hatte sie den Beruf des Physiotherapeuten zunächst gar nicht auf dem Schirm. „Ich habe mit 16 eine Ausbildung zur Sozialassistenz, das ist oft eine Vorstufe zur Erzieherin, gemacht und war während eines Praktikums in einer Tagesklinik für ältere und behinderte Menschen. Da kamen täglich Physiotherapeuten zu den Patienten und es hat mich fasziniert, wie sie mit den älteren und behinderten Patienten gearbeitet haben“, erzählt die 27-Jährige. Daraufhin hat sie eine Ausbildung in Hessisch Lichtenau begonnen, wo Adriana Cortese auch hingezogen ist, um sich voll und ganz darauf konzentrieren zu können.

Voller Terminplan bei Cortese

Danach ging es zurück in die Frankfurter Heimat. Für die energiegeladene junge Frau kam es von Anfang an nicht in die Tüte, nur in einer Praxis zu arbeiten – dafür sei dieser Beruf viel zu facettenreich. Also arbeitet Adriana Cortese seit dem Ende ihrer Ausbildung zusätzlich zu ihrem Vollzeitjob freiberuflich und betreut auch eine Fußballmannschaft.

Das klingt nach einem pickepackevollen Terminplan, was Adriana Cortese nur recht ist: „Ich kann das alles so koordinieren, dass ich trotzdem noch genug Zeit für Freunde, Familie und meinen Sport habe“, sagt die 27-Jährige lachend, die sich selbst im Fitnessstudio fit hält und privat mit Eintracht Frankfurt und Juventus Turin gleichermaßen mitfiebert.

„Die Arbeit bei einer Fußballmannschaft ist natürlich auch immer ein guter Nebenverdienst. Aber die Arbeit ist komplett anders als in einer Praxis. Im Sport ist das Aufgabenfeld vielfältiger“, sagt Adriana Cortese, die ganz offensichtlich ihre Berufung zu ihrem Beruf gemacht hat. Spricht sie nämlich über ihren Job, sprudeln die Worte nur so aus ihr heraus und die anfängliche Skepsis gegenüber dem Gesprächtermin beim HANAUER ANZEIGER ist verflogen.

Komplexität und Vielfältigkeit fasziniert

Im Gespräch erwähnt Adriana Cortese mehrmals, dass es nicht nur die Vielfältigkeit, sondern auch die Komplexität der Physiotherapie ist, die sie begeistert: „Ich finde es faszinierend, wie der Körper funktioniert. Zwei Spieler können beispielsweise exakt die gleiche Verletzung haben, aber es kann trotzdem ein unterschiedlicher Heilungsprozess ablaufen. Jeder Körper reagiert anders und schlägt anders auf Behandlungen an.“

So wird die 27-Jährige, deren familiäre Wurzeln auch im süditalienischen Apulien liegen, beim FC Hanau 93 immer wieder vor neue Aufgaben gestellt. Arbeiten nach Schema F ist nicht der Fall und genau das macht für Adriana Cortese den Reiz aus. Zu ihren Aufgaben gehören Behandlungen in der Akutsituation, Vorsorge und Nachsorge – alles in enger Absprache mit dem Trainerteam um Michael Fink.

Auch im Trainingslager mit dabei

„Die Mannschaft hat Adriana von Anfang an gut aufgenommen. Sie war auch gleich mit im Trainingslager, das hat das Kennenlernen natürlich beschleunigt“, ist Michael Fink von der Physiotherapeutin überzeugt. „Wir stehen ständig in Kontakt und Adriana gibt mir Tipps, wann ich einen Spieler nach einer Verletzung wieder einsetzen kann oder wann es noch zu früh ist“, schätzt der Spielertrainer den Rat der Fachfrau.

Diese ist auch mal beim Aufwärmen auf dem Platz dabei und beäugt einen angeschlagenen Spieler genau. „Dabei beanspruche ich das betroffene Gebiet mit gezielten Übungen“, erklärt Adriana Cortese, die bei den Kickern von der Kastanienallee am häufigsten lädierte Sprunggelenke nach Umknicken oder Muskelverletzungen behandeln muss. Dass sie bei ihrer Arbeit alleine unter 20 Männern ist, stört die Bornheimerin nicht. Vielmehr hat sie sich Respekt erarbeitet und überstrahlt auf dem Mannschaftsfoto alle.

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