Stand (und lag) im Mittelpunkt: Hanaus Feta Suljic (rechts) hat bei der 0:4- Niederlage gegen den VfB Ginsheim in den Augen des Schiedsrichters eine Schwalbe gemacht und wurde deswegen vom Platz gestellt. Foto: Patrick Scheiber

Fußball

Hessenliga: 93er unterliegen Ginsheim 0:4

Fußball. Das war nicht der Tag des FC Hanau 93! Eine ganz schwache eigene Leistung, zu viele Spieler ohne Hessenliga-Format, eine taktisch und spielerisch bärenstarke Ginsheimer Mannschaft und ein Schiedsrichter, der in den entscheidenden Aktionen zu Ungunsten der 93er entschied – und fertig war die 0:4-Heimniederlage.

Von Thorsten JungNach 34 Minuten kochten die Emotionen auf und neben dem Kunstrasen am Steinheimer Pfaffenbrunnen hoch. Feta Suljic kam beim Stand von 0:1 im Strafraum der Gäste zu Fall. Schiedsrichter Daniel Heist war sich schnell sicher, entschied auf Abstoß. Der Hanauer Außenspieler musste behandelt werden, als er wieder aufstand, sah er die Gelb-Rote Karte.

Hanaus Spielertrainer Michael Fink schimpfte später auf dem Weg in die Kabine: „Das war 50:50, ob es Elfmeter ist oder nicht, und er gibt ihm Gelb-Rot.“ Suljic, für den es der erste Platzverweis seiner Karriere war, verstand die Welt nicht mehr: „Das war keine Schwalbe! Er hat mir ein Eisbein gegeben, dann hatte ich keinen Halt mehr.“ Ganz anders beschrieb Ginsheims Trainer Artur Lemm die Szene: „Mein Spieler ist ein ehrlicher Typ. Er sagt, dass er ihn nicht berührt hat.“

Knallharte Entscheidung

Schiedsrichter Heist entschied knallhart. Hanaus Co-Trainer Ioannis Takidis hätte sich „mehr Fingerspitzengefühl gewünscht“. Auch Lemm stellte zur Diskussion, ob man so früh Gelb-Rot habe zeigen müssen. Suljic hatte nur wenige Minuten zuvor wegen Ballwegschlagens die Gelbe Karte gesehen und im Anschluss heftig mit dem Schiedsrichter diskutiert.

Die Hanauer Wut auf Heist wurde nur vier Minuten nach dem Platzverweis noch größer. Tolga Ünal verlor in der eigenen Hälfte den Ball, reklamierte lautstark ein Foul. Das Spiel lief weiter und der starke Nils Fischer ließ dem 93er-Schlussmann Armend Brao mit einem platzierten Flachschuss aus etwa 16 Metern keine Chance. Ünal protestierte heftig beim Schiedsrichter, was natürlich nichts brachte. Wenige Minuten später wurde Heist mit Buhrufen in die Pause verabschiedet.

Schon beim Führungstor der Gäste nach gut zehn Minuten hatten er und sein Assistent an der Linie es gut mit den Ginsheimern gemeint. Nach der ersten Ecke des Spiels verlängerte Ljubisa Gavric den Ball ungeschickt in Richtung des zweiten Pfostens, genau auf den Kopf von VfB-Torjäger Can Özer, der den Ball aus fünf Metern Richtung Tor köpfte. Brao parierte den Ball, Heist blickte nach draußen zum Linienrichter, der den Ball hinter der Linie gesehen hatte, und zeigte zur Anstoßpunkt.

Auflösen der Viererkette

Nach dem Seitenwechsel stellten Fink und Takidis um, lösten die Vierkette auf. Fink, Gavric und der eingewechselte Tim Fließ bildeten fortan eine Dreierkette. Nach vorne brachten die Hanauer trotzdem nicht wirklich viel zustande. Wenn einmal ein Ball auf das Ginsheimer Tor kam, war Salvatore Bari der Absender. Wirklich gefährlich wurde es jedoch nur einmal. Eine Viertelstunde vor Schluss hatte der ebenfalls eingewechselte Tim Franz zu einem beherzten Solo angesetzt und auf Bari quergelegt. Hanaus Torjäger scheiterte aber an Ginsheims Keeper David Staegemann, der bis dahin fast beschäftigungslos war.

Ganz anders Brao, der sich vor allem mit Özer, der meist von Gavric in Manndeckung genommen wurde, ein Privatduell lieferte. Der Spielführer des Teams aus dem Kreis Groß-Gerau begrub dann auch die letzten Hanauer Hoffnungen, als er den Ball ins leere Tor einschob. Der Angreifer, der 2017/18 22-mal für Bayern Alzenau getroffen hatte, erhöhte damit sein Trefferkonto in dieser Saison auf 17. Nach einem katastrophalen Rückpass von Betim Mezini umkurvte Fischer wenig später Brao und erzielte mit seinem elften Saisontor den 4:0-Endstand.

Sechs "unterirdische" Leistungen

„Wenn sechs Spieler unterirdisch spielen, kannst du in der Hessenliga nichts holen“, kritisierte Takidis seine Spieler hart und attestierte Ginsheim eine hohe Qualität. Schon am kommenden Sonntag können die Hanauer in Ginsheim Revanche nehmen. „Wir waren vor dem Spiel nicht auf Wolke sieben und werden jetzt auch nicht alles über den Haufen werfen“, kündigte Takidis an. Der Co-Trainer weiß aber auch: „Wir müssen vieles, viel, viel besser machen.“ Dann allerdings ohne den gesperrten Suljic.

FC Hanau 93:Brao, Ries, Fink (67. Muratoglu), Gavric, Purcell, Mezini, Ünal (60. Franz), Bulut (46. Fließ), Suljic, Damar, BariVfB Ginsheim:Staegemann – Fischer, Teklab, Murata, Jakubovic, Thomasberger, Kummer (70. Amoako), Thur, Shojo (82. Manneck), Hesse (71. Dawit), Özer Tore: 0:1 Özer (12.), 0:2 Fischer (39.), 0:3 Özer (77.), 0:4 Fischer (83.) – Besonderes Vorkommnis: Gelb-Rote Karte für Hanaus Suljic wegen einer Schwalbe (35.) – Schiedsrichter:Heist (Hertingshausen) – Zuschauer: 100 –Beste Spieler:– / Özer, Fischer, Teklab

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