+
Das Boot wird verstaut: Hermann Husslein hat in den vergangenen Wochen in Thailand und Australien trainiert, um sich für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren. Nun, da die Spiele verschoben sind, will der Hanauer sein Boot erst mal nicht mehr sehen.

Olympische Spiele in Tokio finden erst 2021 statt.

Ein Jahr Vorbereitung umsonst:  Hermann Husslein und Doreen Vennekamp über die Absage der Olympischen Spiele

  • schließen

Nach langem Hin und Her hat sich das Internationale Olympische Kommitee (IOC) dazu entschlossen, die Olympischen Spiele in Tokio um ein Jahr zu verschieben und 2021 stattfinden zu lassen. Für den Hanauer Herrmann Husslein, der im Kanuslalom teilnehmen will, bedeutet diese Entscheidung mehr Klarheit.

Und auch wenn er noch nicht weiß, wie es mit der Qualifikation für Tokio weitergeht, lebt sein Traum von Olympia weiter.

Eigentlich hätte sich Husslein im Moment in der entscheidenden Phase auf dem Weg nach Tokio befunden, denn Ende März stand auf dem brandneuen Wildwasserkanal in Thailand die Qualifikation für die Olympischen Spiele auf dem Programm; dort wollte sich der Hanauer sein Ticket für seine zweite Olympia-Teilnahme nach London 2012 sichern. 

Vergangene Wochen ein Wechselbad der Gefühle

Wegen des Coronavirus stand dieser Termin aber schon länger auf der Kippe, und nachdem mehr und mehr Staaten ihre Sportler aus Thailand abzogen und der Termin zunächst verschoben wurde, sagten ihn die Verantwortlichen schließlich ganz ab. Für Husslein glichen die vergangenen Wochen deshalb einem Wechselbad der Gefühle, denn es gab immer neue Informationen zum Prozedere, zwischenzeitlich sollte statt des Qualifikationsrennens die Weltrangliste von 2019 für die Olympia-Teilnahme zugrunde gelegt werden, was für Hussleins Olympia-Träume das Aus bedeutet hätte.

 „In dem Moment hatte ich das für mich schon abgehakt“, fürchtete Husslein, keine Chance mehr auf die letzte Olympia-Teilnahme in seiner Karriere zu haben. Mit der Verlegung nach 2021 werden die Karten nun neu gemischt, es bleibt genug Zeit, um erneut Qualifikationsrennen durchzuführen, an denen auch Husslein teilnehmen will.

Husslein war topfit - jetzt macht er eine Pause

„Persönlich bin ich selbstverständlich froh über diese Entscheidung, aber es freut mich auch, dass das IOC nicht auf Teufel komm raus am Termin 2020 festgehalten hat“, meint Husslein. Das hätte in seinen Augen nämlich Olympische Spiele mit nur wenigen Sportlern zur Folge gehabt, die noch dazu nicht top-fit gewesen wären.

So froh Husslein einerseits über die Möglichkeit ist, möglicherweise doch noch mal an Olympia teilnehmen zu können, so sehr frustriert ihn die aktuelle Situation auch: „Ich habe mich ein Jahr auf diesen Wettkampf vorbereitet und war auf den Punkt fit“, schildert der Hanauer seine Vorbereitungen, „jetzt brauche ich erst einmal ein bisschen Abstand und kann mein Boot gerade nicht mehr sehen.“

Durch Training in Thailand und Australien abgeschottet vom Coronavirus

Mit seinem Boot hat Husslein in den vergangenen Monaten beinahe jeden Tag gearbeitet, erst in Thailand, dann in Australien, die vergangenen dreieinhalb Wochen wieder in Thailand – alles, um sich optimal vorzubereiten. Vom grassierenden Corona-Virus bekam der 34-Jährige dabei nur am Rande etwas mit: „Wir waren ziemlich abgeschottet und haben das eigentlich nur über die Medien verfolgt. In Australien haben sie zum Beispiel die Grenzen für Chinesen geschlossen, in Thailand war das kein sonderlich großes Thema, da lief das Leben relativ normal weiter.“

Thailand, das Heimatland seiner Mutter, habe zwar bereits früh die ersten Corona-Fälle gehabt, konnte das Virus aber recht schnell eindämmen. „Dort am Flughafen wird die Temperatur kontrolliert, alles wird desinfiziert“, schildert Husslein die Maßnahmen im südostasiatischen Staat, die so in Europa nicht durchgeführt werden. „Da ist Europa mit seinen offenen Grenzen einfach anders.“

Flugverkehr eingestellt: Husslein ist froh, in Hanau zu sein

Husslein selbst ist inzwischen wieder in Hanau und froh, zu Hause zu sein, denn der Flugverkehr werde mehr und mehr eingestellt. „Über die Medien habe ich ja schon mitbekommen, was hier abgeht, und da macht man sich schon Sorgen – mein Vater ist schließlich auch schon älter“, meint Husslein. Fit halten kann er sich auch hier gut, auch wenn er nach der intensiven Trainingsphase der vergangenen Monate zunächst ein bisschen runterschalten möchte.

„Erst einmal werde ich vermutlich nur ein bisschen laufen gehen“, blickt Husslein voraus, „aber ich kann natürlich auch mit dem Boot auf die Kinzig, die direkt vor meiner Haustür ist.“ Sein weiteres Trainingsprogramm hänge davon ab, wie die Qualifikation für Olympia genau ablaufe, doch darüber gebe es momentan noch keine Informationen. „Ich muss einfach abwarten, wie es weiter geht“, meint Husslein daher, „aber im Moment ist das sowieso alles nebensächlich, die Gesundheit ist gerade das Wichtigste überhaupt.“

Sportschützin Vennekamp erleichtert über die Absage

Erleichtert reagierte Doreen Vennekamp auf Anfrage des HANAUER. „Es ist einfacher sich einer Entscheidung zu fügen und anzupassen als in der Ungewissheit zu leben und zu trainieren.“ Für die Ronneburgerin, die für den Deutschen Schützenbund einen Quotenplatz für die Spiele in Tokio erzielt hatte, ist es „gesundheitlich und sportlich die einzige richtige Entscheidung“.

Kaum einer der Athleten habe normal trainieren können. „Und die Gesundheit und die Eindämmung des Virus gehen ohnehin vor“, so Vennekamp, für die die Saison bisher „auch sportpsychologisch schwierig war“. Die Schützin des SV Hubertus Hüttengesäß erklärt: „Man bereitet sich auf einen Wettkampf vor. Der wird dann kurzfristig wegen Corona gestrichen. Also reagiert man, passt sich auf die neue Situation an und trainiert für den nächsten Wettkampf. Dann wird auch dieser abgesagt und das Ganze geht wieder von vorne los. Wieder und wieder.“

Ziel bleibt die Qualifikation für Tokio

Eigentlich hätte es für Vennekamp im April bei Wettkämpfen um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 gehen sollen. Das ist nun erst mal hinfällig. Oft wurde die HANAUER Sportlerin des Jahres 2018 zuletzt von Nachbarn, Freunden und Familienmitgliedern gefragt: „Sag' mal, was ist jetzt eigentlich mit Olympia?“ Vennekamp konnte nur antworten, „dass ich genauso wenig weiß wie sie, aber weiter trainiere und an meinem Plan festhalte, bis es neue Infos gibt“. Nun hat die 24-Jährige Gewissheit. „Aber das Ziel ist das alte. Ob dieses oder nächstes Jahr“, sagt Vennekamp. Es lautet: Qualifikation für Olympia in Tokio.

Das könnte Sie auch interessieren