Starten für Deutschland gegen die Welt-Elite: Leon Schandl (rechts) aus Minden und Henry Hopmann, dessen Karriere einst bei der Hanauer Rudergesellschaft und dem Ruderclub Hassia Hanau begann.
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Starten für Deutschland gegen die Welt-Elite: Leon Schandl (rechts) aus Minden und Henry Hopmann, dessen Karriere einst bei der Hanauer Rudergesellschaft und dem Ruderclub Hassia Hanau begann.

Rudern

Henry Hopmann auf der Überholspur: In zehn Jahren vom Hola-Rudern in den Deutschland-Achter

  • Thorsten Jung
    VonThorsten Jung
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Die Ruderkarriere von Henry Hopmann geht immer steiler bergauf. Der 23-Jährige ist in die deutsche Nationalmannschaft - das Team Deutschland-Achter - berufen worden und wird in dieser Saison zusammen mit seinem Partner Leon Schandl im Zweier ohne Steuermann starten.

Dortmund/Hanau – Ausgerechnet in der heißen Nominierungsphase hatte Hopmann, der in Erlensee, Bruchköbel und Langenselbold aufgewachsen ist, einen Rückschlag verkraften müssen. Eine Mittelohrentzündung setzte den Psychologiestudenten bei einem wichtigen Sichtungsrennen außer Gefecht. Dennoch sind die Bundestrainer von seinen Qualitäten überzeugt.

Die erste große Bewährungsprobe beginnt für das Duo Schandl/Hopmann bereits am Donnerstag. Dann steht im polnischen Posen ihre Weltcuppremiere an. Der Zweier ohne ist dabei eine der am stärksten besetzten Bootsklassen. Es sind 19 Boote gemeldet und Hopmann möchte Rennerfahrung sammeln und sich mit seinem Teamkollegen vom Bessel Ruderclub Minden möglichst weit vorne platzieren.

Alles begann beim Schulrudern an der Hanauer Hohen Landesschule

Der Weg Richtung nationale Spitze und nun in die offene Männerklasse zu den Weltcups begann für Hopmann im Frühjahr 2012 beim Schulrudern der Hohen Landesschule in Hanau. Nach einem Schnuppertraining bei der Hanauer Rudergesellschaft sammelte er erste Bootserfahrung unter Susanne Keim. Als sie 2015 ihre Trainertätigkeit bei der HRG aufgab und Hopmann sich weiter Richtung Leistungssport entwickeln wollte, wechselte er im Februar 2016 zum RC Hassia Hanau. Dort stellte Trainer Volker Lechtenberg die weiteren Weichen für Hopmanns Ruder-Zukunft. 2017 folgten die ersten internationalen Meisterschaften (U19-EM in Krefeld, U19-WM in Litauen).

Seit September 2017 lebt Hopmann in Dortmund, trainiert am dortigen Bundesleistungszentrum Männer Riemen. Seit wenigen Tagen gehört das Mitglied des RC Hansa Dortmund zum Team Deutschland-Achter. Denn der Deutsche Ruder-Verband hat die Besetzung der Boote für diese Saison bekannt gegeben.

Deutscher Ruderverband nominiert junge Teams

Neben dem Paradeboot, dem Achter, zählen dazu auch der Vierer ohne und der Zweier ohne Steuermann (mit Hopmann). Das Boot mit dem Hanauer wurde wie der Vierer komplett neu besetzt. Marc Kammann, Max John, Malte Großmann und Theis Hagemeister bilden den Vierer. „Das sind zwei junge, noch recht unerfahrene Mannschaften, die sich von den Weltcups über die EM bis zur WM steigern wollen. Alle haben ein großes Interesse, in diesen Bootsklassen zu fahren, gehen die Sache mit großem Spaß, aber auch Respekt an. Dieses Jahr wird sicher ein großer Lernprozess“, so Bundestrainerin Sabine Tschäge, die neu im Amt ist. Sie hatte 2021 mit dem Leichtgewichts-Zweier olympisches Silber in Tokio gewonnen und wechselte Ende vergangenen Jahres an den Bundesstützpunkt in Dortmund.

Im Achter haben nach dem Gewinn von Olympia-Silber in Tokio nur drei Ruderer ihre Plätze behalten: Torben Johannesen, Laurits Follert und Olaf Roggensack. Mattes Schönherr (22), Wolf-Niclas Schröder (25), Benedict Eggeling (23), Julian Garth (20), Jasper Angl (21) und Steuermann Jonas Wiesen (25) rücken erstmals in das deutsche Ruder-Flaggschiff.

Großer Umbruch im Flaggschiff Deutschland-Achter

Bundestrainer Uwe Bender stellte bei der Team-Präsentation in Dortmund einen Zehner-Kreis plus Steuermann für den Achter vor. Mit Tom Tewes (21) und Mark Hinrichs (21) gehören zwei ebenfalls junge Ruderer zum erweiterten Kreis. „Es handelt sich um den größten Umbruch im Deutschland-Achter seit 2009, als es ebenfalls sechs Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr gab“, teilt der DRV mit. Mit einem Durchschnittsalter von 23,6 Jahren (ohne Steuermann) präsentierte Bender zudem die jüngste Achter-Mannschaft seit 2002.m Nach dem Weltcup in Posen warten auf die jungen Ruderer im Nationaltrikot der Weltcup auf dem Rotsee in Luzern/Schweiz (8. bis 10. Juli) sowie die Europameisterschaften in München (11. bis 13. August). Saisonhöhepunkt ist die Weltmeisterschaft im tschechischen Racice (18. bis 25. September).

Hopmann hat noch viel vor: „Ich will mich 2022 über die World-Cups, die EM und WM stetig verbessern. Olympia 2024 ist das Ziel, auf das ich hinarbeite.“ Für den Nationalmannschaftsneuling, dessen Karriere auf dem Hanauer Main begann, soll es noch weiter bergauf gehen - und am allerliebsten auch ins deutsche Flaggschiff, den Achter. (Von Thorsten Jung)

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