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Handballpause: Philipp Ahouansous Sprung in das Bundesliga-Team der Rhein-Neckar-Löwen muss wegen der Coronavirus-Krise etwas warten.

Auf dem Sprung ins Bundesliga-Team

Handballer Philipp Ahouansou im Interview über die Corona-Krise und die Spielpause

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Philipp Ahouansou ist wie so viele Sportler in Deutschland und den Corona-Krisenländern der Welt in Virologen-Sprache zur sozialen Zurückhaltung gezwungen. Doch das Coronavirus soll den Aufstieg des Hanauers höchstens kurz zügeln.

In der kommenden Saison soll er fest zum Kader des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen gehören Im Interview spricht der Rechtshänder, der einen Profivertrag bis 2022 besitzt und in der zweiten Mannschaft der Mannheimer als viertbester Torschütze der 3. Liga Süd (163 Treffer) glänzt, wie er mit der Corona-Krise umgeht, wie er sich in der Spiel- und Trainingspause fit hält. Und warum die HSG Hanau noch immer eine große Rolle im Leben des Main-Kinzig-Sportlers des Jahres 2019 spielt.

Herr Ahouansou, der Spielbetrieb in der 3. Liga ruht bis 19. April. Wie gehen Sie mit dieser Situation um? So plötzlich aus dem Spielbetrieb gerissen zu werden, ist natürlich hart. Aber es führt ja kein Weg an der Pause vorbei. Wie halten Sie sich fit?

Wir trainieren seit vergangenem Freitag nicht mehr, haben von unserem Athletiktrainer sowohl Lauf- als auch Kraftübungen für zuhause erhalten. Laufen geht ja problemlos.

Aber Fitnessstudios sind ja auch schon geschlossen.

Ja, aber wir haben Übungen bekommen, bei denen ich meinen Körper als Gewicht nutze. Das kann ich also zuhause machen.

Und wie lange halten Sie es ohne Handball aus?

Die Saison war ja am Höhepunkt, da hatte man schon die eine oder andere Blessur. Die kann ich nun in Ruhe kurieren. Aber natürlich fehlt mir schon der Handball.

In Mads Mensah wurde ein Bundesliga-Profi der Löwen positiv auf das Coronavirus getestet. Mussten Sie auch in Quarantäne?

Nein, aber bei uns allen wurden die Daten bestimmt, wann wir Kontakt zu ihm hatten und da fiel ich raus. Da atmet man dann schon auf. Aber meiner Meinung nach wird es einen sowieso früher oder später treffen.

Wie sehr ärgert Sie die Pause? Schließlich waren Sie richtig gut drauf, sind bester Torschütze aus dem Feld heraus mit 162 Treffern in der 3. Liga Süd.

Die Pause in einer Kontaktsportart wie Handball macht schon Sinn. Aber es wird natürlich schon schwierig werden, wieder so reinzukommen und die Form wiederzufinden. Aber ich habe keine Angst davor, werde mein Bestes geben. 

Glauben Sie denn an eine Fortsetzung des Spielbetriebs in dieser Saison?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt Sportarten, die bis in den Sommer hinein weitergespielt werden sollen. Einerseits kann man die Tabelle nicht einfach so gelten lassen, wie sie ist. Aber andererseits: Für uns ist tabellarisch eh alles klar. Meine Mannschaft, die Rhein-Neckar Löwen II, stehen auf Platz sieben, da passiert nach oben und unten nichts mehr. Eine andere Frage, die mich beschäftigt, ist: Wie geht es mit den Abiturprüfungen weiter? Ich mache Mitte bis Ende April eigentlich mein Fachabitur, es könnte aber verschoben werden.

Wie sehr beeinflusst das Virus Ihre sportliche Entwicklung?

Ich denke nicht, dass selbst drei, vier Monate die Karriereplanung sehr stark beeinträchtigen. Die Praxis, die man gesammelt hat, geht ja nicht verloren. Vielleicht starten wir direkt mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Ich hätte da gar nicht unbedingt etwas dagegen.

Der frühere Löwen-Trainer Nikolaj Jakobsen hat Sie als Riesentalent geadelt. Motiviert Sie solch eine Aussage noch zusätzlich?

Auf jeden Fall, so etwas von einem solch erfolgreichen Spieler und Trainer zu hören, ist etwas ganz Besonderes.

Wann sieht man Sie in der Bundesliga?

Ich habe diese Saison bereits zweimal dem Bundesliga-‧Kader angehört, bin aber noch nicht zum Einsatz gekommen. Ab nächster Saison ist geplant, dass ich permanent zum Bundesligateam gehöre.

Sie sind 2017 von der B-Jugend der HSG Hanau zu den Löwen gewechselt. Wie groß war dieser Sprung?

Riesig. Es ist alles viel professioneller, sehr viel enger getaktet. Aber ich habe mich sehr gut eingefunden. Das Internat, auf dem ich mein Fachabitur mache, hat mir geholfen. Da hast du Konkurrenten, aber gleichzeitig auch Freunde um dich herum. Das ist nicht jedermanns Sache, aber ich findet diese geregelten Abläufe förderlich.

Was war die gravierendste Umstellung?

Die größte Umstellung war, von meiner Mama weg zu sein. Aber auch, dass du von ‧einer 80 000-Einwohnerstadt wie Hanau auf ein Dorf (Anm. d. Red.: Internatssitz ist in Kronau) ziehst, in dem wenig los ist. Und dann kommst du in die Halle, in der du trainierst und siehst die Profis nebenan – daran musst du dich auch erstmal gewöhnen. Aber das hat gut geklappt.

Sie haben beim TV Kesselstadt mit dem Handball begonnen, der mit der TS Steinheim längst zur HSG Hanau verschmolzen ist. Verfolgen Sie noch den Weg Ihres Heimatvereins?

Definitiv. Ich versuche immer mal bei Heimspielen zu sein.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der HSG? Ich glaube schon, dass sie noch mehr erreichen kann. Sie ist ja noch immer ein Verein in der Entwicklung, aber auf einem sehr guten Weg.

Die A-Jugend aber droht ihren Platz in der Bundesliga zu verlieren. Das wäre ein kleiner Rückschlag. Die Bundesliga ist für junge Spieler ein großer Anreiz. Das hat die HSG über Jahre geschafft. Nun müssen sie aus der Delle lernen.

Ihr Bruder Yannick spielt in der Oberliga für die TSG Offenbach-Bürgel. Wie nimmt es der ältere Bruder auf, wenn der jüngere besser ist?

Ach, das war ja schon früh klar, dass es bei mir weiter nach oben gehen sollte. Da gab es für ihn gar kein Problem. Er kann ja mit Bürgel auch noch höher hinaus. Wir tauschen uns sehr oft über Handball aus – und er besucht mich auch oft bei Spielen.

Und wann wird er wieder Tore von Ihnen in der 3. Liga sehen?

Tja, das steht leider noch in den Sternen.

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