Handballer der TG Hanau vor einem Tor mit löchrigen Netzen
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Löchrige Tore: Eine Szene aus einem Spiel der TG Hanau gegen Kesselstadt in den 40er Jahren.

Große Historie

Handballer der TG Hanau feiern 100-jähriges Bestehen - Urgestein erinnert sich

  • vonDavid Lindenfeld
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Hanau – Ein Großteil der Brüder-Grimm-Stadt lag 1948 wegen des Zweiten Weltkriegs noch immer in Schutt und Asche. Ruinen zierten das Stadtbild. Und doch war vielerorts schon wieder ein bisschen Normalität eingekehrt.

Auch bei den Handballern der TG Hanau, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiern, und damals dort spielten, wo heute das neugebaute Forum und der Busbahnhof ihren Platz haben. Es ist eines der ersten Bilder, die Klaus Holzschuh in den Kopf kommen, wenn er an seine Anfänge bei der TG Hanau denkt.

„Der Freiheitsplatz war zwar noch nicht asphaltiert. Wenn man dort hingefallen ist, hat man sich aber trotzdem alles aufgeschürft“, erinnert sich der damals elf Jahre alte Holzschuh an den steinigen und sandigen Untergrund.

TG Hanau: Handballabteilung nach Zweitem Weltkrieg neu gegründet

Ein Kreis um seinen Vater Jakob Holzschuh hatte sich ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für die Wiederaufnahme des Sportbetriebs in der TG Hanau und die Neugründung der Handball-Abteilung stark gemacht, die vor der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten 1920 gegründet worden war.

Die Spielstätte der TGH war durch den Krieg und seine Folgen nicht mehr nutzbar: „Auf dem Platz hinter der Milchzentrale am Nordbahnhof war alles voll mit Schützengräben“, berichtet der heute 82 Jahre alte Holzschuh. Nach Kriegsende gab es nur noch einen erhaltengebliebenen Platz im Hanauer Raum in Mittelbuchen – oder eben provisorisch zu Spielstätten umfunktionierte Orte wie den Freiheitsplatz.

Truck der US-Armee fährt Seniorenmannschaft zu Auswärtsspielen

Für Holzschuh und seine Teamkameraden in den Schüler- und Jugendmannschaften ging es in den Nachkriegsjahren mit dem Fahrrad zum Spiel nach Oberrodenbach oder in andere Orte in der Nähe.

Die erste Mannschaft hatte es angenehmer: „Es gab damals jemanden bei der TGH, der bei den Amerikanern beschäftigt war und für die Auswärtsspiele einen Truck besorgt hat“, erinnert sich Holzschuh, der als kleiner Junge von seinem Vater mehrmals auf diesen Fahrten mitgenommen wurde. Das war nicht nur komfortabler, so sparte man auch extrem viel Zeit. Mit der Bahn konnte es nach Dietzenbach Holzschuh zufolge schon mal zwei Stunden dauern.

1968: Handballer der TG Hanau steigen in Regionalliga auf

Bis zum Ende der 70er spielte die Feldhandballmannschaft relativ erfolgreich in den Bezirksklassen. 1968 folgte der große Wurf: Die TG Hanau setzte sich in den Entscheidungsspielen um die Hessenmeisterschaft gegen den TV Ober-Roden und den TV Felsberg durch und stieg in die Regionalliga Südwest, damals die zweithöchste Spielklasse, auf – der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Erst 1971 stieg das Team wieder in die damals neu gegründete Oberliga Hessen ab. Zwei Jahre später ging es erneut eine Klasse tiefer – und seit der bundesweiten Umstellung von Großfeld- auf Kleinfeldhandball im Jahr 1974 auch nicht mehr bergauf. Holzschuh hielt dem Verein dennoch immer die Treue, auch während seiner Zeit als Kapitän auf See zwischen 1954 und 1964.

Schiedsrichter der TG Hanau pfeift bei WM und Olympischen Spielen

Seit 1943 ist er Mitglied der TG Hanau, zweimal war er schon im Hauptvorstand, einmal als Abteilungsleiter aktiv. Die Eltern lernten sich einst beim Handball kennen. Seine Mutter spielte in der 1922 gegründeten Damenmannschaft der TGH, die 1936 die Gaumeisterschaften gewann und im gleichen Jahr an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teilnahm.

Aufmerksamkeit über die Grenzen der Region hinaus bekam in der Handballabteilung TGH nach den beiden Abstiegen der Herrenmannschaft nur noch eine Person, die 1968 schon entscheidenden Anteil am Sprung in die Regionalliga Südwest hatte: Volker Norek schaffte es nach seiner aktiven Karriere bei den Hanauern als Schiedsrichter bis in die Bundesliga und leitete sogar Europa- und Weltmeisterschaftsspiele.

Das Highlight für Norek, den Holzschuh als „nach wie vor feinen Kerl“ bezeichnet, waren die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles.

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