So berichtete der HA im Jahr 1999 über den Marköbeler Sieg beim ersten Masters.
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So berichtete der HA im Jahr 1999 über den Marköbeler Sieg beim ersten Masters.

Blick in die Historie

Hanauer Hallen-Masters: Rekorde, Highlights und Eklats

  • vonGert Bechert
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An diesem Wochenende sollte in der August-Schärttner-Halle der Ball rollen. Doch Corona hat dafür gesorgt, dass die 23. Auflage des Hanauer Hallen-Masters erst im Jahr 2022 stattfinden kann. Wir werfen einen Blick in die Masters-Historie.

Region Hanau – Das hatte vor Jahresfrist keiner erwartet. Obwohl das Corona-Virus schon am Horizont aufgetaucht war, schien es weit weg. Nach der Siegerehrung des 22. Hanauer Hallen-Masters blickte Turnierchef Walter Heßler bereits nach vorne und stimmte die Vereine auf die 23. Ausspielung am 16. und 17. Januar 2021 in der August-Schärttner-Halle ein.

Doch daraus wird nichts: Die August-Schärttner-Halle musste zu einem Impfzentrum umfunktioniert werden. Schon Ende Oktober wurden alle Hallenturniere vom Hessischen Fußball-Verband abgesagt. „Das stimmte mich und sicher auch die meisten Kreisvereine sehr traurig. Das Hallen-Masters hat sich über die Jahre zu einem echten Event gemausert, wo sich gerade ältere Fußballer zu einem Gedankenaustausch trafen“, so Heßler.

Gerne wollte der 77 Jahre alte Fußballfunktionär das Masters 25 Mal organisieren. „Nach der diesjährigen Absage findet das Jubiläumsturnier voraussichtlich erst 2025 statt, das wird sehr knapp für mich“, meint der ehemalige Kreisfußballwart.

Start 1999: „Ich wollte gegen das Vorurteil ankämpfen, dass alle Fußballer nur für Geld spielen. Das Image der Amateurfußballer sollte dadurch in ein besseres Licht gerückt werden“, sagte Hessler zum 20-jährigen Masters-Jubiläum. „Aus dem von mir ausgegebenen Motto ‚Fußballer spielen für krebskranke Menschen’ wurde mittlerweile der Slogan ‚Fußballer spielen für behinderte Menschen’“, nannte Heßler im Jahr 2018 einen Hauptgrund für die Ausrichtung des Turniers.

Teilnehmer: Bis auf den KSV Eichen, FC Büdesheim und DJK Eintracht Steinheim haben alle Hanauer Kreisvereine mindestens einmal am Hallen-Masters – das anfangs Main-Kinzig-Cup hieß – teilgenommen. 2005 war auch der FC Hellas Maintal dabei, den griechischen Verein gibt es nicht mehr.

Titelträger: Erster Sieger war die SG Marköbel, die sich anschließend noch zweimal (2007 und 2008) in die Siegerliste eintrug. Wobei der 8:1-Sieg 2008 gegen Germania Niederrodenbach der bislang höchste Finalsieg war. Rekordtitelträger ist die SG Bruchköbel mit fünf Cup-Gewinnen, den letzten 2012 gegen den FC Hochstadt (3:1). Der SGB dicht auf den Fersen ist der FSV Bischofsheim (4). Die Hoch-Zeit der „Frösche“ dauerte von 2013 bis 2016, als die Grün-Weißen viermal in Folge siegten. 2017 wurden sie vom SC 1960 Hanau abgelöst, der auch ein Jahr später den Platz an der Sonne verteidigte. 2019 und 2020 siegte Germania Dörnigheim. Sie profitierten von einigen ehemaligen Bischofsheimer Spielern, die mittlerweile das Trikot der Germania trugen. Ebenfalls zweimal trug sich der VfR Kesselstadt in die Siegerliste ein (zuletzt 2006). Zudem holten der TSV 1860 Hanau (2010) und der FC Hanau 93 (2011) je einmal den Cup.

Endspielteilnahmen: Auch bei den Endspielteilnahmen rangiert die SGB mit sieben ganz vorne, muss sich aber den Spitzenplatz mit dem FC Hochstadt teilen. Die Lila-Weißen verließen nur zweimal als Sieger die August-Schärttner-Halle. Zuletzt verloren sie 2017 0:1 gegen den SC 1960 Hanau. Es war das torärmste Endspiel.

Besondere Endspiele: Von den 22 Endspielen wurden zwei durch Neunmeterschießen entschieden: 2004 Bruchköbel gegen Bischofsheim (7:4) und ein Jahr später Hochstadt gegen Kesselstadt (6:5). Die torreichsten Endspiele lieferten sich 1999 Marköbel und 1860 Hanau (7:5) sowie 2016 Bischofsheim und Bruchköbel (8:4).

Torjäger: Die meisten Tore in einem Turnier erzielte Thomas Jäger im Jahr 2008. Trotz der 14 Tore des Bruchköbelers ging der Pott nach Marköbel. Bei der ersten Ausspielung teilten sich 1999 zwei Spieler die Torjägerprämie: Andreas Redmann (Bruchköbel) und Siyami Ciftci (1860 Hanau) erzielten je 13 Tore. Ebenfalls 13-mal trafen 2012 und 2014 die Bischofsheimer Michael Kohnke und Hicham Abdessadki. Die Frösche holten von 2012 bis 2017 sechs Mal in Folge die Torjägerkrone, alleine Kohnke dreimal. 2004 gab es zwischen Jörg Cesari (Hochstadt), Fabio Pianu (SC Windecken) und Albert Repp (VfB Großauheim) ein spannendes Rennen. Alle drei erzielten sieben Tore. Der schnellste Hattrick gelang Ugur Erdogan 2014 im Spiel gegen den FC Erlensee (5:3). Binnen 90 Sekunden erzielte der Bruchköbeler drei Tore.

Rekordsieger: Abdessadki gewann den Cup sechsmal: von 2013 bis 2016 viermal mit Bischofsheim und zweimal mit Dörnigheim (2019 und 2020). Damit übertrumpfte er den Uraltrekord von Redmann, der den Pott fünfmal (dreimal Marköbel, zweimal Bruchköbel) in Händen hielt.

Torhüter: Bei den Torleuten ragte der Hochstädter Björn Wiegand heraus. Von 2002 bis 2017 stand er beim Masters für die Lila-Weißen zwischen den Pfosten und wurde viermal (2005, 2009, 2012 und 2017) von der Jury zum besten Keeper gewählt. Seinem Ruf als Neunmeter-Killer wurde er 2012 gerecht, als er im Viertelfinale gegen Erlensee (4:2) drei Strafstöße parierte und im Halbfinale mit zwei gehaltenen Neunmetern Bischofsheim (5:4) zur Verzweiflung brachte. Im Tor standen oftmals Oldies. Martin Pongratz hütete 2016 als bereits 41-Jähriger das Marköbeler Tor. 2020 unterstrich der 37-jährige Christian Marggraf im Tor von Cupsieger Dörnigheim seine Qualitäten.

Fliegende Torhüter: „Erfinder“ des fliegenden Torwarts war Kurt Schimmer. Der Trainer des TSV 1860 Hanau setzte diese taktische Finesse beim ersten Turnier konsequent um. Immer, wenn die Sechziger im Ballbesitz waren, nahmen sie ihren Torwart vom Parkett und brachten einen weiteren Feldspieler. Das System funktionierte fast perfekt. Erst im Finale zog Marköbel den Sechzigern den Zahn und siegte 7:5. Michael Drefs perfektionierte den „fliegenden Torwart“ und war sauer, als der Verband dem Treiben 2006 ein Ende setzte. Ab sofort durfte nur noch von der Mittellinie eingewechselt werden, der „fliegende Torwart“ war Geschichte.

Eklats: Für die größten Eklats sorgten der FSV Bischofsheim und der SV Kilianstädten. Die Frösche verspielten 2000 im Halbfinale gegen Hochstadt eine 4:0-Führung. Nach dem 4:4-Ausgleich und einer Zeitstrafe nahm FSV-Coach Stephan Häuser sein Team, begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert, vom Platz. Hochstadt schob das Leder zum 5:4 ins verwaiste Gehäuse. Häusers Kurzschlussreaktion wurde vom eigenen Vorstand Dieter Schildge gerügt. Ein Jahr später trat der SVK wegen angeblichem Spielermangel nicht an, absolvierte aber ein Testspiel unter freiem Himmel. Richtig auf die Palme brachte Heßler die Begründung der Kilianstädter. „Sie behaupteten, mich mehrfach vergeblich über Handy angerufen zu haben, dabei habe ich überhaupt kein Handy“, meinte er damals.

Spielmodus und Spielort: Von Anfang an standen Spielmodus und -ort in der Kritik. „Ich hatte in den eigenen Reihen einigen Widerstand zu überwinden. Die August-Schärttner-Halle passte einigen Mitgliedern im Kreisfußballausschuss nicht in den Kram. Sie plädierten für die Main-Kinzig-Halle“, erinnert sich Heßler zurück. In die gleiche Kerbe schlug in den folgenden Jahren auch Jochen Breideband. Er war als Spieler und Spielertrainer des FC Germania Niederrodenbach das Sprachrohr der Kritiker und plädierte für einen Umzug „in die familiärere Main-Kinzig-Halle“. Noch mehr ärgerte ihn der Spielplan. Er hatte 2014 Erfolg. Seitdem werden die Gruppenspiele in zwei Blöcken samstags ausgetragen. Zudem wurde die Spielzeit in der Gruppenphase auf einmal 15 Minuten reduziert.

Abgelehnte Ideen: Andere Vorschläge, das Masters attraktiver zu gestalten, fanden bei Heßler kein Gehör. So schlug der langjährige Hallensprecher Klaus Mörschel Anfang der 2000er Jahre eine Öffnung des Masters für andere Kreise vor und dachte an den Fußballkreis Gelnhausen mit seinem damaligen Aushängeschild SV Bernbach. Aber auch eine Einladung der U19 von Eintracht Frankfurt war im Gespräch. Heßler ist froh, dass er die Vorschläge ablehnte. „Das Masters ist eine Veranstaltung des Fußballkreises Hanau und soll es auch bleiben“, lautet seine Botschaft.

Zuschauer: Die Premierenveranstaltung 1999 verfolgten 688 Zuschauer. Bis zum elften Hallen-Masters 2009 schwankten die Besucherzahlen zwischen 600 und 670. Nach dem Einbruch 2010, als sich nur noch 492 Fans für das Masters interessierten, wurde die Kritik am Spielmodus lauter. Erst als 2013 mit 397 Zahlenden ein Tiefpunkt erreicht wurde, sahen sich die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. Neben der Spielplanänderung wurde das Masters um eine Woche nach vorne gelegt, um der Bundesliga aus dem Weg zu gehen. Die Änderungen hatten Erfolg. 2014 pilgerten 732 Zuschauer in die Halle – neuer Rekord. Die Zahl wurde ein Jahr später noch getoppt, als 816 Fans die Spiele verfolgten. Danach ging es stetig bergab, was auch daran lag, dass sich das Masters seit 2017 wieder mit den Spielen der Bundesliga überschnitt. 2020 passierten nur noch 603 Zahlende die Kassen.

Preisgeld: Im ersten Jahr des Masters (1999) wurden sage und schreibe 3750 DM an die ersten Vier ausgeschüttet, allein der Sieger erhielt 2000 DM. Das änderte sich im zweiten Jahr, als nur noch 2350 DM, wovon der Sieger 1000 DM erhielt, verteilt wurden. Seit Einführung des Euro im Jahr 2002 werden jedes Jahr 1300 Euro, davon 600 an den Sieger, ausgeschüttet.

Spenden: Neben dem sportlichen steht auch der soziale Aspekt im Vordergrund des Masters. Mittlerweile wurden fast 81 000 Euro an verschiedene gemeinnützige Organisationen gespendet. Darunter waren die Sterntaler im Klinikum Hanau, die körperbehinderten Werkstatt und eine Fußball-Förderschule. Das Klinikum Hanau wurde bei der Beschaffung eines Linearbeschleunigers unterstützt. Seit 2002 ist der Hauptspendenempfänger die Lebenshilfe Hanau, seit 2006 wird zusätzlich die Edi-Petry-Stiftung in Großauheim unterstützt. Eine Ausnahme bildete 2005 die Unterstützung der Flutopfer in Sri Lanka. „Dazu haben auch unsere Sponsoren, die Vereine und die Schiedsrichtervereinigung Hanau beigetragen“, berichtet Heßler. Die Schiris kümmern sich seit 1999 um das leibliche Wohl der Zuschauer. Vom dabei erzielten Überschuss geben sie jedes Jahr 250 Euro als Spende weiter. Versteht sich fast von selbst, dass die Unparteiischen die Spiele ohne Entgelt leiten.

Hallensprecher: Neun Jahre bis 2007 war Klaus Mörschel die „Stimme“ in der Halle. Der „Mann im roten Jackett“ war ein souveräner Hallensprecher. 2008 wurde der Heldenberger von Stephan Haberkorn und seinem Team abgelöst.

Mister Masters: 2009 stand Heßler selbst im Mittelpunkt des Geschehens. Oberbürgermeister Claus Kaminsky überreichte dem überraschten Funktionär im Rahmen der Siegerehrung den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Schaumküsse: Im Jahr 2013 kam Karlheinz Keßler auf die Idee, Schaumküsse zu verkaufen. Es wurde ein Renner: Von anfangs 250 steigerte der langjährige Oberliga-Schiedsrichter die Verkaufszahl auf 530 im Jahr 2017. Danach folgte die Wachablösung. Claudia Vanheiden führte sich gleich mit einem neuen Rekord ein: 660 Schaumküsse gingen 2018 über den Tresen.

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