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Geschäftsführer Sebastian Lübeck hat aufgrund der Corona-Krise eine Menge Arbeit vor sich. Die Saison der White Wings Hanau war auch so schon aufregend genug.

Spielbetrieb in der ProB ist beendet

White Wings könnten als Nachrücker aufsteigen - Ausländische Profis sind abgereist

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Die Saison ist für die Hanau White Wings beendet. Sportlich stehen die Aufsteiger fest, Hanau könnte möglicherweise nachrücken. Aufgrund der Corona-Krise stehen auch die White Wings vor einer ungewissen Zukunft.

Ausgelassene Stimmung wollte beim Saisonabschluss der Hanau White Wings am Montagabend nicht aufkommen. Dafür stimmten weder Zeitpunkt noch Anlass. „Die Spieler und Offiziellen mussten sich zwischen Tür und Angel verabschieden“, berichtet Geschäftsführer Sebastian Lübeck. Wenige Stunden zuvor hatten die 41 Zweit- und Drittligisten entschieden, den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Hanau auf Platz sechs im Ranking der Nachrücker

Die 2. Basketball Bundesliga (ProA) hat ihre Saison wegen des Coronavirus beendet. Die Niners Chemnitz und die Eisbären Bremerhaven erhalten anhand der aktuellen Tabelle als Erster und Zweiter das sportliche Aufstiegsrecht in die Bundesliga. Absteiger gibt es nicht. Das gleiche gilt für die ProB. Das sportliche Aufstiegsrecht steht den Erstplatzierten der ProB Nord (Itzehoe Eagles) und ProB Süd (Baskets Elchingen) zu.

Möglich ist ein Nachrückerverfahren. Im staffelübergreifenden Ranking werden die Hanau White Wings mit 26 Punkten auf Platz sechs geführt. „Natürlich ist es schade, weil wir sportlich gerade einen Lauf hatten und in den Playoffs eine gute Rolle gespielt hätten“, meint Lübeck, der aber voll hinter der Entscheidung steht. „Mit gesundem Menschenverstand macht alles andere keinen Sinn. Einen Spielbetrieb krampfhaft aufrechtzuerhalten wäre zwecklos gewesen.“

Finanzielle Folgen von Corona: Antrag auf Kurzarbeitergeld

Dabei hat der Geschäftsführer auch die wirtschaftliche Seite im Blick. Denn schon so sind die Folgen des Coronavirus spürbar, rufen Arbeitsrechtler und Finanzexperten auf den Plan. Die meisten Basketballer verfügen über Standardverträge, die wenige Tage nach dem letzten Spiel auslaufen. Bei anderen endet der Kontrakt erst Ende April, also nach den möglichen Playoffs.

„Durch das vorzeitige Saisonende fehlt jetzt die Geschäftsgrundlage. Wir müssen prüfen, inwieweit es Sonderkündigungsmöglichkeiten gibt“, erzählt Lübeck, der selbst aus der Finanzbranche kommt. Während gewisse Ausgaben bleiben, reduzieren sich die Erträge durch fehlende Zuschauereinnahmen und möglicherweise geringere Sponsorenleistungen. Der Klub hat bereits einen Antrag auf Kurzarbeitergeld gestellt, hofft so, die Verluste etwas ausgleichen zu können.

Turbulente Saison endet dramatisch

Für Lübeck ist es der vorläufige Schlusspunkt einer verrückten Saison: neuformierte Mannschaft, neues Team in der Geschäftsstelle, drei Trainer, Negativserien, ein starker Schlussspurt mit sieben Siegen aus neun Spielen und dann die Pandemie. „So etwas erlebt man sonst vielleicht in zehn Jahren“, sagt der Geschäftsführer: „Wir haben das Beste daraus gemacht und mit den Playoffs unser Ziel erreicht. Jetzt hätte nur gefehlt, dass wir weitergespielt und noch aufgestiegen wären.“

Aufstieg? So ganz haben sich die Hanauer von diesem Szenario nicht verabschiedet. Zwar fehlt ihnen als Gesamtsechster aus Nord- und Südstaffel bei zwei Aufstiegsplätzen die sportliche Qualifikation, aber nachrücken wäre möglich. „Man muss mal abwarten, ob die Mannschaften vor uns wirklich hoch wollen“, sagt Lübeck.

Sponsorengelder entscheiden über Zukunft

Diese Frage werden und müssen sich auch die White Wings stellen. Alles steht und fällt mit dem Etat und damit auch den Sponsorengeldern. Verhandlungsgeschick und Geduld sind gefragt. Aktuell hat Lübeck eine Zurückhaltung auf dem Markt bemerkt. Für die kommende Spielzeit besitzt nur das Aufbau-Duo Till-Joscha Jönke und Felix Hecker noch gültige Verträge.

Bereits am Dienstagvormittag ging es für die ausländischen Profis Preston Beverly (USA), Ryan Beisty (Australien) und Miquel Servera (Spanien) zurück in die Heimat. Rückkehr: offen. Gerade der stark auftrumpfende Servera dürfte schwer zu halten sein. „Das hängt auch davon ab, was der Trainer sich so vorstellt“, sagt Lübeck. Ob der in der neuen Saison weiter Stephan Völkel heißen wird, ist noch nicht entschieden. „Die Bereitschaft von beiden Seiten ist aber da.“

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