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Derby-Frust trifft auf Derby-Lust: Björn Pape (links und der TV Gelnhausen sind in Hanau leer ausgegangen. Yaron Pillmann und die HSG Hanau bejubeln einen knappen Sieg gegen Gelnhausen.

Rote Karten und heiße Schlussphase

Dramatische Schlussphase: HSG Hanau gewinnt Mindderby gegen TV Gelnhausen 31:30

Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Drittliga-Derby zwischen der HSG Hanau und dem TV Gelnhausen abgesagt werden. Kurzerhand wurde das Duell zum virtuellen Mindderby umfunktioniert,die Fans waren aufgerufen, den virtuellen Spielbericht zu schreiben. Das ist der Gewinner-Text.

Von Sandro Mader

Die Partie zwischen der HSG Hanau und dem TV Gelnhausen begann mit einem holprigen Start beider Mannschaften. Das Positionsspiel fand zunächst bei beiden Teams nicht statt. Man versuchte stattdessen, über Tempospiel zu einfachen Toren zu gelangen. Von Anfang an zeigte sich, dass dieses Spiel ein Derby war – viele Fouls und daraus resultierende Siebenmeter prägten die ersten Minuten. Hierbei konnten sich auf beiden Seiten die Torhüter auszeichnen.

Doppelrot schon nach zehn Minuten

Wie hitzig es in diesem Spiel zuging, zeigte sich bereits nach den ersten zehn Minuten. Bei einer Abwehraktion erwischte der Gelnhäuser Dennis Weit den Hanauer Rückraumspieler Yaron Pillmann im Gesicht. Als sich Weit bei Pillmann entschuldigte, schlug ihm dieser die Hand weg – es entfachte ein lautstarkes Wortgefecht, das die Schiedsrichter schließlich mit einer Roten Karte für beide Spieler konsequent bestraften.

Nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, besannen sich beide Mannschaften wieder auf das Spiel. Die Partie nahm Fahrt auf, auch das Positionsspiel wurde besser. Nach 18 Minuten nahm HSG-Trainer Oliver Lücke seine erste Auszeit, nachdem die HSG mit 5:9 in Rückstand lag.

HSG dreht nach Auszeit richtig auf

Diese Auszeit sollte die Partie komplett auf den Kopf stellen. Mit Jonas Schneider und Dominik Klein kamen zwei frische Spieler, während Lücke weiterhin auf Spielmacher Michael Hemmer und Kreisläufer Lucas Lorenz setzte. Die HSG ließ den Ball schneller in den eigenen Reihen laufen und Jonas Schneider fand schnell ins Spiel. Mit drei Toren war er direkt erfolgreich und verkürzte den Rückstand

 Auch die Hanauer Abwehr stand nun stabiler und hatte mit Fabian Tomm einen starken Rückhalt. Nach 23 Minuten stand es 15:13 für die HSG Hanau. Zu diesem Zeitpunkt schickte das Schiedsrichtergespann Fabian Tomm wegen Meckerns für zwei Minuten auf die Bank, so dass nun der eigentlich an der Hand verletzte Sebastian Schermuly ins Tor musste. Dies sollte sich für Trainer Lücke als Trumpf herausstellen, einen weiteren zauberte er nach einer Auszeit des TV Gelnhausen hervor.

Trotz der Führung im Rücken stellte Lücke in der 26. Minute noch einmal um. Im Angriff nahm man nun den Torwart von der Platte und agierte mit einem Mann mehr. In der Abwehr stellte man von einer defensiven 6:0-Abwehr auf eine offensive 3:2:1-Deckung um und verhinderte so die leichten Tore des Gelnhäuser Rückraums. So erarbeitete man sich eine Vier-Tore-Führung und ging mit einem 21:17 Halbzeitstand in die Pause.

Weltmeister Dominik Klein überzeugt beim HSG-Debüt

In der zweiten Halbzeit spielte Hanau weiterhin mit einer 3:2:1-Deckung, jedoch verzichtete man im Angriff auf den siebten Feldspieler. Es zeigte sich, dass Jonas Schneider einen Sahnetag erwischt hatte und im Rückraum der HSG wie entfesselt aufspielte. In der 35. Minute erzielte er bereits sein siebtes Tor. Auch Dominik Klein konnte bei seinem Debüt überzeugen und hatte bereits sieben Tore erzielt.

Der TVG hatte Schwierigkeiten in der Abwehr. Die Mannschaft von Matthias Geiger agierte teilweise zu langsam und stand nicht richtig zum Gegner. Trotz der Verbesserung im Angriffsspiel, welches deutlich effizienter wurde, liefen die Gelnhäuser weiter einem Rückstand hinterher. Nach 40 Minuten (25:20) nahm der TVG-Coach die Auszeit und stellte auf eine andere Deckungsvariante um. Jonas Schneider und Michael Hemmer wurden in Manndeckung genommen.

Gelnhausen kommt nach taktischem Kniff wieder ran

Dass diese Maßnahme von Erfolg gekrönt sein sollte, zeigte sich durch die Verunsicherung der HSG. Plötzlich war das Spiel wieder offen und der TV Gelnhausen konnte nach 45 Minuten zum 26:26 ausgleichen. Nach dem Ausgleichstreffer nahm Lücke ebenfalls eine Auszeit, um seine Mannschaft nochmal zu motivieren und neu einzustellen.

Sebastian Schermuly kehrte erneut ins Tor zurück. Trotz der Verletzung an der Hand sollte der Schlussmann nochmal zeigen, weshalb er so wichtig für sein Team ist. Im Angriff griff Trainer Lücke wieder zum siebten Feldspieler und spielte mit zwei Kreisläufern. Der TVG musste nun seine Abwehr defensiver halten, so dass Spielmacher Hemmer die Hanauer Angriffe wieder besser organisieren konnte.

29:29 und nur noch fünf Minuten zu spielen

Es entwickelte sich eine spannende Partie, welche nun in die Crunchtime ging. Nach 50 Minuten beim Stand von 29:29 konnte noch kein Sieger der Partie ausgemacht werden. Es begann eine heiße Schlussphase mit vielen Zeitstrafen, verworfenen Bällen und starken Torhütern, nach 55 Minuten stand es weiterhin 29:29.

In der 58. Minute spielte der TVG einen weiteren guten Angriff, welchen Sebastian Schemuly spitzenmäßig entschärfte. „Schermu“ schickte sogleich Dominik Klein zum Tempogegenstoß, doch dieser wurde vom herausstürzenden Marius Sulzbach gefoult. Folgerichtig gab es die Rote Karte für den TVG-Torwart und Siebenmeter für Hanau. Björn Christoffel trat zum Siebenmeter an und verwandelte sicher zum 30:29.

Kempa-Trick bringt den Derbysieg

Der TVG nahm nun seinerseits den Torwart heraus, um mit dem siebten Feldspieler zu ergänzen. Ein erneut hervorragend gespielter Angriff der Gelnhäuser konnte nur durch den im Kreis stehenden Lucas Lorenz gestoppt werden, so dass es diesmal Siebenmeter für den TV Gelnhausen gab. Da der etatmäßige Siebenmeterschütze Dennis Weit bereits disqualifiziert war, trat Kapitän Björn Pape zum Siebenmeter an und verwandelte sicher. Es stand wieder Unentschieden, doch die Hanauer hatten noch eine Chance auf den Derbysieg. Oliver Lücke nahm eine weitere Auszeit.

Auf der Uhr wurden noch 25 Sekunden angezeigt. Mit Wiederanpfiff zeigte sich die Abwehr des TVG allerdings offensiv, so dass es nicht möglich war, den angesetzten Spielzug umzusetzen. In dieser Phase gab Spielmacher Michael Hemmer seinem Linksaußen ein Zeichen und Hemmer spielte einen Pass zu Dominik Klein den dieser, wie bei der Weltmeisterschaft 2007 gegen Frankreich, in der letzten Minute per Kempa vollendete. Mit der Schlusssirene gewann die HSG das Derby gegen Gelnhausen mit 31:30.

Das Mindderby

Treibende Kraft hinter der Idee war Thomas Müller, dessen Unternehmen Terramag einer der HSG-Sponsoren ist. Für jedes verkaufte virtuelle Ticket hat die Terramag GmbH noch einmal einen Euro oben drauf gelegt; der gesamte Ticketerlös soll den Familien der Opfer des Anschlags vom 19. Februar zugutekommen. Pro im Mindderby-Siegerbericht erzielten Treffer wird das Unternehmen noch einmal fünf Euro spenden. Gewonnen hat Sandro Mader, dessen Bericht hier veröffentlicht wird. Die Plätze zwei und drei (Gutscheine von Sport Jung) gehen an Linnea Kremer und Christian Schulz.

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