Rührende Momente: Patrick Beer ist von seiner HSG Hanau unter anderem mit einem Video und noch anderen Überraschungen verabschiedet worden. Der Coach hat die bisher erfolgreichste Ära der HSG geprägt. Archivfoto: Tap

Hanau

HSG Hanau verabschiedet Patrick Beer mit Gänsehautmomenten

Handball. Die Wege von Patrick Beer und der HSG Hanau trennen sich. Dass in den fünfeinhalb Jahren, die der Trainer in Hanau wirkte, zwischen Coach, Mannschaft und Verein ein ganz besonderes Band entstanden ist, wurde bei Beers emotionalem Abschied noch einmal deutlich, bei dem mehr als eine Träne floss.

Von Robert Giese

Dass Beer die HSG nach Abschluss der aktuellen Drittliga-Saison verlässt, war seit rund einem halben Jahr bekannt, die Partie gegen die SG Leipzig II war seine letzte als Trainer der HSG.

Zuvor hatte sich sein Team bereits sportlich standesgemäß verabschiedet: Beim Heimsieg über die Leipziger hatte die HSG zwischenzeitlich komfortabel geführt, ihren Coach nach einer Schwächephase dann aber noch einmal ziemlich leiden lassen. Am Ende fuhren HSG-Kapitän Sebastian Schermuly und seine Mitstreiter aber nicht nur den Sieg ein, sondern beschenkten ihren langjährigen Trainer zum Abschied auch noch mit dem besten Drittliga-Ergebnis der Vereinsgeschichte.

Diese Vereinsgeschichte hat Beer maßgeblich mitgeprägt: Durch die Integration und Weiterentwicklung von Hanauer Eigengewächsen, die inzwischen längst Leistungsträger sind, durch den Aufstieg in die 3. Liga Ost – und dadurch, dass Beer die Mannschaft im Eiltempo im oberen Tabellendrittel etabliert hat.

„Danke Paddy und seine Beerenbande“

Dass es zwischen der HSG und Beer nicht nur sportlich, sondern auch menschlich stimmte, zeigte sich beim letzten Saisonspiel bereits vor dem Anpfiff, als der Coach schon bei der Teamvorstellung mit Sonderapplaus gefeiert wurde. Die Zuschauer entrollten außerdem ein Banner, auf dem „Danke Paddy und seine Beerenbande“ zu lesen war, und diese Dankbarkeit für die von Beer geleistete Arbeit sprengte nach dem Abpfiff alle Grenzen.

Skandierte der „Blaue Block“ sonst „HSG“-Schlachtrufe, so erschallte von den Rängen der Main-Kinzig-Halle nach Spielende nun „Paddy Beer“. Immer wieder, minutenlang. Seine Mannschaft nahm ihn derweil erst in die Mitte, dann auf die Schultern und setzte den Trainer-Überflieger nach einer waghalsigen Flugeinlage wohl behalten wieder auf dem Hallenboden ab.

In einem emotionalen Film erinnerten die Hanauer schließlich nicht nur an die Höhepunkte aus Beers erfolgreicher Zeit bei der HSG, sondern ließen auch viele aktuelle und ehemalige Mitstreiter zu Wort kommen. Der HSG-Vorsitzende Uwe Just sprach von „einem Glücksgriff“, Geschäftsstellenleiter Hannes Geist betonte, dass Beer „eine erfolgreiche Ära geprägt hat“ und Kapitän Sebastian Schermuly dankte seinem langjährigen Weggefährten für „eine mega Zeit“.

Mehr Zeit für die Familie

Zwiegespalten waren Beers Töchter, mit denen er künftig mehr Zeit verbringen kann. Einerseits seien sie, so verriet Beers Frau, traurig, dass er nicht mehr Trainer sei, das habe allerdings auch Vorteile. „Jetzt kann er uns jeden Abend ins Bett bringen“, freuten sich die beiden auf mehr gemeinsame Zeit mit ihrem Vater.

Beer selbst fiel der Abschied sichtlich schwer: „Was hier entstanden ist, ist mehr als Freundschaft, das war eine unvergessliche Zeit. Wir haben in fünf Jahren viel erreicht, und das geht nur mit der HSG-Familie.“ In eben jener Familie verdrückte spätestens zu diesem Zeitpunkt der ein oder andere ein Tränchen, während immer wieder Sprechchöre aufbrandeten, die den Erfolgstrainer feierten.

„Diesen Abgang hast du dir verdient“, meinte Schermuly, der abschließend noch einmal das Wort ergriff, „denn alle hier, die ganze Halle hat dir so viele Gänsehaut-Momente zu verdanken. Wir ziehen den Hut vor dir.“ Einige Fans brachten es in Beers Abschiedsfilm auf eine kurze und prägnante Aussage herunter: „Er ist einfach ein geiler Typ!“

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