Sorgenvoll: Noch bevor die neue Handball-Saison richtig begonnen hat, hat die Corona-Pandemie das Geschehen im Griff. Der Hessische Handball-Verband sieht sich für alle Möglichkeiten gut gerüstet.
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Sorgenvoll: Noch bevor die neue Handball-Saison richtig begonnen hat, hat die Corona-Pandemie das Geschehen im Griff. Der Hessische Handball-Verband sieht sich für alle Möglichkeiten gut gerüstet.

Handball

Handball-Verband trifft Bestimmungen für möglichen Saisonabbruch - Neue Regelung sorgt für Aufsehen

  • Julia Meiss
    vonJulia Meiss
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Die neue Handball-Saison hat noch nicht auf allen Ebenen begonnen und dennoch hat die Corona-Pandemie das Geschehen fest im Griff und schon für Spielausfälle in der 3. Liga, Rückzüge von Mannschaften und Verlegungswünsche gegen Teams aus Risikogebieten gesorgt.

Update, 16. Oktober 2020, 9.25 Uhr: Der Hessische Handball-Verband hat gestern noch einmal bekräftigt, am Saisonstart am Wochenende festzuhalten – mit einem großen Aber.

Denn „Vereine, die in der jetzigen Situation nicht in einem Risikogebiet spielen wollen oder aufgrund von Corona-Verdachtsfällen eine Partie absagen müssen, können dies kurzfristig, kostenfrei und unkompliziert (sogar ohne Zustimmung des Gegners) vornehmen“, lautet die neue Devise. „Wer nicht spielen möchte, muss dies auch nicht tun“, heißt es weiter. Die abgesagten Spiele sollen nach Möglichkeit nachgeholt werden. Ist dies nicht möglich, werden sie nicht gewertet. Aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen weist der Verband ausdrücklich daraufhin, dass sich die Gegebenheiten je nach Vorgabe der Landesregierung weiter ändern können.

Ursprungsmeldung, 14. Oktober 2020, 21:00 Uhr: Hanau – Nachdem in der 3. Liga Mitte wegen wahrscheinlicher Infektionen am ersten Spieltag mehrere Partien der folgenden Spieltage abgesagt – wovon auch die HSG Hanau betroffen ist – und Teams in Quarantäne geschickt werden mussten, hatte diese Woche die SG Rot-Weiss Babenhausen mit dem Rückzug aller vier Aktiventeams vom Spielgeschehen für Aufsehen gesorgt. Als Grund nannte der Verein, der mit der ersten Männermannschaft in der Oberliga Gegner der SG Bruchköbel und HSG Hanau II gewesen wäre, die Gesundheitsgefahr für Spieler und Trainer, aber auch für die Helfer in der Halle.

Dass die Ansteckungsgefahr bei einer Vollkörperkontaktsporart wie Handball, die noch dazu im geschlossenen Raum ausgeübt wird, ungleich größer ist als beispielsweise beim Freiluft-Fußball, hat das Geschehen in der 3. Liga Mitte gezeigt. Offenbar haben sich sieben Spieler und zwei weitere Kontaktpersonen aus dem Umfeld der HSG Bieberau/Modau in der Drittligapartie des ersten Spieltags gegen den Leichlinger TV mit dem Virus infiziert, wie die „Falken“ mitgeteilt haben.

Hessischer Handballverband hat FAQ zu Corona veröffentlicht

Bei immer mehr Vereinen stellt sich nun die Frage, ob bei dem steigenden Infektionsgeschehen der für dieses Wochenende angesetzte Rundenbeginn zu halten ist. Darauf hat nun Gunter Eckart, Präsident des Hessischen Handball-Verbandes (HHV), mit einem offenen Brief reagiert. „Gerade in der letzten Woche haben mich nun viele Anfragen erreicht, ob es denn sinnvoll sei, bei den steigenden Infektionszahlen den Termin für den Rundenbeginn beizubehalten. Diese Fragen habe ich alle mit einem klaren Ja beantwortet, da das Präsidium bereits im Vorfeld all dieser Diskussionen Rahmenbedingungen geschaffen hat, die es ermöglichen, sehr flexibel mit den Geschehnissen umzugehen“, heißt es einleitend in dem Schreiben. Heißt konkret: Die neue Saison wird auf der Ebene des HHV am Wochenende definitiv angepfiffen.

Mit den Rahmenbedingungen meint Eckart eine ganze Liste an Regelanpassungen, die der Verband in einem FAQ (Frequently Asked Questions – einer Zusammenstellung von Informationen zu besonders häufig gestellten Fragen) auf der Homepage veröffentlich hat. Diese FAQs regeln das Spielgeschehen während der Corona-Pandemie. Eine Liga oder Staffel wird beispielsweise erst dann gewertet, wenn jede Mannschaft mindestens einmal gegen jedes andere Team gespielt hat. Kommt es tatsächlich erneut zu einem Saisonabbruch, wird die Tabelle wieder per Quotientenregelung ermittelt. Aber nur, wenn alle Teams mindestens einmal gegeneinander gespielt haben. Wenn dies nicht der Fall ist, „wird die gesamte Runde für diese Staffel annulliert und weder Auf- noch Absteiger ermittelt“, wie es im FAQ Spieltechnik des HHV mit Stand vom 12. Oktober 2020 heißt.

Verband will Bezirke nicht zu Spielen zwingen

Sollten Spiele aufgrund einer Quarantäne-Anordnung für eine Mannschaft ausfallen, werden diese verlegt. Wenn eine Ansetzung vor dem 30. Juni 2021 nicht möglich ist, „werden diese Spiele nicht gewertet“, heißt es von Seiten des HHV. Verzichten Mannschaften vor dem Saisonbeginn auf eine Teilnahme, wie die vier Teams der SG Rot-Weiss Babenhausen, gelten sie als Absteiger. Ziehen Teams während der Saison zurück, werden deren Spiele aus der Wertung genommen. „Der HHV und seine Bezirke zwingen keine Mannschaften, Spiele auszutragen, wenn sie dies nicht können oder wollen“, appelliert Gunter Eckart explizit an die Eigenverantwortung der Vereine und Mannschaften.

Dass dies wiederum Probleme nach sich ziehen kann, zeigt das Beispiel der OFC Kickers in der Männer-Landesliga Süd: Dem Verein liegen bereits drei Verlegungswünsche vor, weil es sich bei dem OFC um einen Klub aus einem Risikogebiet handelt. Aufgrund des pickepacke vollen Spielplans sehe der Verein keine Kapazitäten für Spielverlegungen.

So blicken die Handballer auf eine Saison voller Fragezeichen, Sorgen und Ängste.

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