„Knallharter Sport“: Mia Kühn geht für den Hanauer Roll- und Eissportclub bei den deutschen Meisterschaften an den Start. Die talentierte Elfjährige ist eine der Hoffnungsträgerinnen des Vereins.
+
„Knallharter Sport“: Mia Kühn geht für den Hanauer Roll- und Eissportclub bei den deutschen Meisterschaften an den Start. Die talentierte Elfjährige ist eine der Hoffnungsträgerinnen des Vereins.

ROLLKUNSTLAUF

Blaue Flecken vorprogrammiert: Hanauer REC boomt - Viele Starter bei deutschen Meisterschaften

  • vonOliver Kraus
    schließen

Diese Woche steht Hessen im Zeichen von Anmut, Grazie und Athletik. Nachdem Freiburg recht kurzfristig aufgrund der Pandemie-Vorgaben als Ausrichter zurückgezogen hat, ist mit Darmstadt ein hessischer Vertreter als Organisator für die deutsche Meisterschaft Kür der Rollkunstläufer in die Bresche gesprungen.

Hanau – Während vom heutigen Dienstag bis zum Samstag, 17. Oktober, die Kreativität Einzug im Landesleistungszentrum für Rollsport hält, steht es aber noch in den Sternen, inwiefern auch die DM Pflicht, bei der auf dem Boden aufgemalte Kreise möglichst exakt und fließend nachgelaufen werden müssen, zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden kann.

Dennoch ist Nathalie Wiedmann-Heinz, die mit ihrer Mutter Renate als Hessen-Kadertrainerinnen sowie mit Beatrice Wachter und Markus Bauer die Übungseinheiten beim 1924 gegründeten Hanauer Roll- und Eissportclub betreut, guter Dinge. Denn Rollkunstlauf erfährt nach langer Durststrecke derzeit wieder einen Boom. Zum einen, weil im organisatorischen Bereich auf Verbandsebene versucht wird, sich bei der Bewertung der Darbietungen verstärkt am Eiskunstlauf zu orientieren und mehr Wert auf die saubere Ausführung zu legen als auf ein eher weniger ansehnliches Pushen der Limits – beispielsweise bei den Sprüngen.

Zum anderen bemerken Vereine wie der Hanauer REC im Unterbau einen deutlichen Zuwachs, auch wenn Verhältnisse wie in Italien oder Spanien, wo Top-Athletinnen und -athleten einen hohen Bekanntheitsgrad genießen, noch weit entfernt sind.

Mitgliederzahlen sind in den letzten Jahren wieder gestiegen

Wiedmann-Heinz, selbst viermalige deutsche Meisterin in der Pflicht sowie einmal in der Kombination aus Kür und Pflicht, erinnert sich noch gut an die Hochphase Ende der 90er- und Anfang der 2000er-Jahre, in der sie selbst aktiv war: „Es gab damals einige gute Läuferinnen und Läufer, die sehr erfolgreich waren.“ Doch nachdem das Gros zumeist altersbedingt die Schuhe an den Nagel gehängt hatte, ging es mit der Mitgliederzahl nach unten, was sich mittlerweile aber wieder ändert.

Sehr zur Freude der 39-Jährigen: „Seit letztem Jahr erfahren wir einen regelrechten Boom. Es sind einige Geschwisterkinder dazugekommen, aber auch Mädels, die sich die Leistungsschiene bewusst zutrauen und bei den denen die Eltern bereit sind, ihre Kinder zeitlich und finanziell zu fördern.“ So belasten vor allem die Schuhe, die meist knapp ein, zwei Jahre halten, mit 300 bis 500 Euro pro Paar den Geldbeutel. Aber auch Kostüme, Roll- und Schutzmaterial haben ihren Preis.

Da aber Hanau mit einem Außenfeld und einer eigenen Halle hervorragende Trainingsmöglichkeiten bietet, die landesweit ihresgleichen suchen, werden ab heute elf Mädchen – und damit deutlich mehr als in den letzten Jahren – in den verschiedenen Altersklassen der DM probieren, an die guten Leistungen der hessischen Meisterschaften anzuknüpfen, bei denen es letzten Monat mehrere Treppchenresultate zu feiern gab.

Rollkunstlauf sei, so Wiedmann-Heinz, ein knallharter Sport

Eine von den Hoffnungsträgerinnen ist Mia Kühn. Die Elfjährige aus Hammersbach hat ihre Liebe zum Sport vor fünf Jahren – und damit im besten Startalter – bei einer Veranstaltung des Hanauer REC entdeckt. „Ich habe damals die Märchenvorführung Dornröschen gesehen. Ich fand es toll und wollte das dann auch machen.“ Da auch die Mutter der Sechstklässlerin, die an der Karl-Rehbein-Schule die Schulbank drückt, bereits früher im Verein Rollschuh gelaufen ist, fiel der Schritt zum Mitmachen leicht. Weil die Schülerin aber noch parallel turnte, musste sie sich irgendwann für eine Sportart entscheiden. „Es wurde einfach zu anstrengend, beides neben der Schule zu machen.“

Denn für Mia, die bei den hessischen Meisterschaften Vierte in der Pflicht und Neunte in der Kür geworden ist, sind Wochen mit vier Trainingstagen keine Seltenheit. Einige ihrer Vereinskolleginnen feilen in der Hanauer Talentschmiede sogar sechs Mal die Woche eisern an ihrer Technik, Athletik, an Sprüngen, Drehungen und Pirouetten sowie Ausdruckstanz. Aus eigenem Antrieb und mit viel Hingabe, denn Rollkunstlauf ist laut Wiedmann-Heinz „ein knallharter Sport, bei dem die blauen Flecke eigentlich nie weggehen. Wir fallen auf Beton. Aber man gewöhnt sich dran.“ Dass sich der Aufwand lohnt, wurde bei der letzten Sichtung bestätigt. So bescheinigte der Fachwart des hessischen Verbands der gesamten Trainingsgruppe einen deutlichen Leistungsschub.

Dementsprechend optimistisch blickt die zweimalige Weltmeisterin Wiedmann-Heinz den Titelkämpfen in der Kür entgegen: „Alle, die bei den hessischen Meisterschaften dabei waren, sind startberechtigt. Damit habe ich nicht gerechnet. Es ist super, dass wir mit so vielen zur deutschen Meisterschaft fahren dürfen. Wir sind happy, wenn alle zeigen, was sie können und trainiert haben.“ Und auch Hessenkader-Athletin Mia freut sich auf ihre Teilnahme in der Klasse Schüler C: „Ich werde mein Bestes geben und hoffe, dass es Spaß macht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema