Trainer Slavisa Dacic hat noch Hoffnung auf den Aufstieg in die Hessenliga. Drei Punkte gegen die SG Bruchköbel sind fest eingeplant, Ausrutscher dürfen sich die Hanauer nicht mehr leisten. Archivfoto: TAP

Hanau

Hanau 93-Trainer Dacic: "Sportlicher Niedergang gehört dazu"

Fußball. Slavisa Dacic kennt sich beim FC Hanau 93 und bei der SG Bruchköbel bestens aus. Seit 2016 leitet er gemeinsam mit Spielertrainer Christoph Prümm die Übungsstunden bei den 93ern. Bei der SGB kümmerte er sich zwei Jahre (2011 bis 2013) um die zweite Mannschaft und führte sie in die Relegationsrunde zur Gruppenliga Ost.

Von Gert Bechert

Dacic stammt aus Bosnien-Herzegowina. 1992 floh er wegen der Kriegswirren nach Deutschland, er war damals 24 Jahre alt. Seine fußballerischen Erfahrungen bei seinem Heimatverein Celik Zenica (heute 1. Bosnische Liga) öffneten ihm die Türen bei höherklassigen hessischen Amateurvereinen. Die letzte Station als Spieler war der KSV Klein-Karben, für den er fünf Jahre von 1998 bis 2003 in der Hessenliga am Ball war.

Mit 35 Jahren startete er anschließend seine (Spieler)-Trainerkarriere bei der Spvgg. Roßdorf. Die acht Jahre bei den Grün-Weißen bezeichnet er als eine schöne Zeit. Es folgten weitere Trainerstationen in Bruchköbel, bei den Sportfreunden Ostheim und jetzt bei den 93ern. Der in Roßdorf wohnende sympathische Bosnier ist verheiratet und hat zwei Kinder. Vom Fußball kam der mittlerweile 50-Jährige nie los, in Ostheim schnürte er noch mit 47 Jahren die Kickstiefel. Vor dem Kreisderby gegen die SG Bruchköbel unterhielt sich HA-Mitarbeiter Gert Bechert mit Dacic.

Herr Dacic, was verbindet Sie noch mit der SG Bruchköbel?

„Vieles. Wenn es die Zeit erlaubt, schaue ich mir gerne Spiele der SGB an. An die zwei Jahre mit der zweiten Mannschaft habe ich gute Erinnerungen. Im ersten Jahr qualifizierten wir uns für die Relegationsrunde zur Gruppenliga, scheiterten aber an der Spvgg. Seligenstadt.“

Warum haben Sie die SGB nach zwei Spielzeiten wieder verlassen?

„Man erklärte mir, dass die zweite Mannschaft zukünftig von einem Spielertrainer betreut wird. Der langjährige Erstmannschaftsspieler Uwe Schnobl stand schon in den Startlöchern.“

Wie erklären Sie sich den sportlichen Niedergang der Bruchköbeler?

„Zunächst bekunde ich meinen Respekt vor den handelnden Personen in Bruchköbel, die über ein Jahrzehnt lang hervorragende Arbeit geleistet haben. Einen Amateurverein solange an der Spitze des Fußballkreises Hanau zu halten, genießt meine Hochachtung. Ein sportlicher Niedergang gehört einfach dazu. Es gibt doch genügend andere Beispiele wie die SG Egelsbach oder Klein-Karben, wo ich selbst gespielt habe. Es ist eben nicht einfach, diese Konstanz über viele Jahre zu halten. Leute, die sich jahrelang engagiert haben, sind nicht mehr dabei, diese Lücken können nicht immer geschlossen werden. Ein Abstieg ist nicht schlimm, er bietet vielmehr die Chance, neu anzugreifen.“

Nun zum FC Hanau 93. Der HA titelte nach der 0:5-Pleite beim Tabellenführer FV Bad Vilbel ‚Aufstiegszug ist abgefahren‘. Sehen Sie es genauso?

„Anfangs war ich auch niedergeschlagen. Doch nach der überraschenden 1:2-Heimniederlage von Türk Gücü Friedberg gegen die Usinger TSG habe ich wieder Hoffnung geschöpft. Friedberg hat zwar neun Punkte Vorsprung aber auch ein Spiel mehr absolviert. Wenn wir am Gründonnerstag gegen Türk Gücü gewinnen, sind wir im Kampf um Platz zwei wieder voll dabei. Leicht wird es aber nicht, Türk Gücü ist sehr gut besetzt und hat einige erfahrene Leute in seinen Reihen.“

Sie teilen sich seit 2016 mit Christoph Prümm das Traineramt bei den 93ern. Wie klappt die Zusammenarbeit mit ihm?

„Christoph hat im ersten Jahr die Arbeit noch alleine gestemmt. Da er aber zugleich noch spielte, kam im Verein der Ruf nach einem zweiten Trainer auf, der von der Seitenlinie dirigieren sollte. Sicher haben bei meiner Verpflichtung Spieler wie Burim Gashi und Kahraman Damar, die ich gut kenne, eine Rolle gespielt."

Läuft es wirklich immer reibungslos?

„Wissen Sie, ich bin ein ruhiger Typ, mit dem man gut zusammen arbeiten kann. Egoismus kann ich überhaupt nicht leiden. Ich führe mit Christoph immer offene Gespräche, das funktioniert. Wir ergänzen uns sehr gut.“

Und wer hat bei Auswechslungen das letzte Wort?

„Wenn Christoph spielt, treffe ich die Entscheidung. Von außen sieht man es besser. Das setzt gegenseitiges Vertrauen voraus.“

Ihr Tipp für das Derby?

„Ich tippe nicht gerne. Wir sind in der Favoritenrolle und wollen selbstverständlich gewinnen."

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