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Das war es wohl mit der Saison 2019/20: Die Bruchköbeler Tilman Sachs (links) und Jan Strüter (rechts) sowie Dörnigheims Felix Teicher werden wohl kein weiteres Pflichtspiel in der laufenden Spielzeit bestreiten – damit rechnen die Verantwortlichen der Spitzenteams der Gruppenliga Frankfurt Ost. 

Corona-Krise

Gruppenliga: Trainer und Verantwortliche der Top 3 befürchten Abbruch der Saison

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Spitzenreiter SV Pars Neu-Isenburg und in der Verfolgerrolle die beiden starken Aufsteiger Germania Dörnigheim und Sportfreunde Seligenstadt drückten im bisherigen Saisonverlauf der Gruppenliga Frankfurt Ost ihren Stempel auf.

Die Krönung einer starken Runde könnte den Teams durch die Corona-Krise jedoch verwehrt bleiben. Im schlimmsten Fall droht ein Saisonabbruch mit Annullierung der bisherigen Ergebnisse. So geschehen in dieser Woche in England. Dort hat die National Football League die Entscheidung getroffen, wie es nach der Zeit des Coronavirus im englischen Amateurfußball weitergehen soll. Das Ergebnis: Alle Spiele ab der siebten Liga und darunter werden für ungültig erklärt. Es gibt weder Auf- noch Absteiger. Hierzulande steht die Entscheidung, ob und wie es weitergeht, noch aus. 

Differenz bei der Betrachtungsweise

Die Betrachtungsweisen und Lösungsvorschläge innerhalb der bislang besten drei Vereine differenzieren. Hinsichtlich der Wertung einer womöglich dann abgebrochenen Saison reagiert Sasan Tabib, Trainer und Vorsitzender des SV Pars Neu-Isenburg gelassen. „Es kommt, wie es kommt“, sagt er lapidar. Seine Begründung: „Über Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe, habe ich mich noch nie verrückt gemacht.“ Er habe vollstes Vertrauen in die Verantwortlichen des Hessischen Fußball-Verbandes. 

„Die Entscheidung wird bestimmt nicht die Interessen aller Vereine erfüllen können, doch ich bin sicher, dass sie durchdacht sein wird“, so Tabib. Ein Zurücksetzen auf Null wäre für den SV Pars Neu-Isenburg sportlich gesehen schon bitter, da neben der ersten Mannschaft in der Gruppenliga Frankfurt Ost auch derzeit das B-Team in der Kreisliga B Offenbach den ersten Platz belegt. Um mögliche Aufstiege würde sich der Unternehmer aber keinesfalls betrogen fühlen. „Es gibt derzeit viel Wichtigeres als Fußball und eigentlich ist es auf dem Niveau, auf dem wir spielen, aktuell völlig deplatziert über Fußball zu reden.“ 

Training den Spielern selbst überlassen

Tabib überlässt es seinen Spielern, in welchem Umfang sie sich in der Trainingspause fithalten. „Ich sehe meine Aufgabe als Trainer im Moment weniger darin, sportliche Dinge einzufordern, sondern eher als Ansprechpartner für Spieler, die Probleme haben, da zu sein. Viele Menschen haben Existenzängste oder machen sich Sorgen um Eltern oder Großeltern.“ Jochen Kostiris, der Sportliche Leiter des Tabellenzweiten FC Germania Dörnigheim, spricht sich gegen eine Annullierung der bisherigen Tabelle aus. 

„Eine faire Lösung wird es nicht geben. Ich finde jedoch, der Tabellenerste sollte schon aufsteigen und ich vertrete auch nicht die Meinung, dass es keine Absteiger geben sollte. Was ist mit den in verschiedenen Ligen weit abgeschlagenen Teams? Oder aber den souveränen Spitzenreitern? Mein Ex-Verein Spvgg. Oberrad führt mit acht Punkten die Tabelle der Gruppenliga Frankfurt West an. Es sind fast zwei Drittel der Saison gespielt und ich könnte es nicht nachvollziehen, wenn dies unberücksichtigt bliebe.“ Kostiris rechnet ohnehin mit gravierenden finanziellen Einschnitten im Fußball und denkt, dass sich diese von den Profiligen bis hinab in die Amateurligen ziehen werden.

Laufende Saison abgehakt 

„Vielleicht wollen oder können Vereine gar nicht mehr in ihren bisherigen Ligen spielen, weil sie den Aufwand nicht mehr stemmen können“, so der Dörnigheimer. Die laufende Saison hat er indes abgehakt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass in den Amateurligen noch einmal gespielt wird. Die Spieler stehen doch auch überhaupt nicht im Saft, um direkt ein Mammutprogramm an Nachholspielen zu bewältigen. Derzeit wäre ich schon froh, wenn wir Gewissheit hätten, normal mit der Vorbereitung auf die neue Runde beginnen zu können.“ Sein Verein werde die Entscheidung des Verbandes über die Saisonfortsetzung beziehungsweise die Wertung bei einem Abbruch (Kostiris: „Ich möchte das nicht entscheiden“) mittragen. Für die Planungssicherheit der Klubs würde sich Kostiris eine zeitnahe Entscheidung wünschen. 

Der Germania-Sportchef tippt, dass es trotz Platz zwei in der kommenden Saison mit Gruppenliga-Fußball an der Dicken Buche weitergeht. Schon jetzt sei die Solidarität innerhalb des Vereins spürbar. Spieler wie Übungsleiter würden in der spiel- und trainingsfreien Zeit auf Aufwandsentschädigungen verzichten. Thomas Epp, der Trainer des Tabellendritten Sportfreunde Seligenstadt, hat zurzeit reichlich Zeit, sich Gedanken über die derzeitige Situation im Amateurfußball zu machen, denn auch in seiner Fußball-Schule in Langen steht der Betrieb wegen der Corona-Krise still. 

Saison im Schnellverfahren

„Ich bin mit 18 Jahren Fußball-Profi geworden und war seither immer mit Fußball beschäftigt“, macht der 51-jährige frühere Bundesligastürmer keinen Hehl daraus, wie sehr ihm das runde Leder fehlt. Sollte sich die Corona-Krise dem Ende nähern und keine Gesundheitsgefahr mehr bestehen, könnte Epp sich vorstellen, dass auch im Amateurbereich die Runde verlängert und im Schnellverfahren über die Bühne gebracht wird. „Dann gibt es eben nur noch englische Wochen. Das wäre eine einmalige Sache, die selbst in den unteren Klassen möglich wäre. Statt zu trainieren wird eben gespielt“, meint Epp. 

Dass es so kommt, bezweifelt der Sportfreunde-Coach jedoch. Zu sehr befindet sich sein geliebter Sport derzeit im Würgegriff des Coronavirus. „Ich merke das in internen Gesprächen. Die Jungs haben derzeit andere Gedanken als Fußball“, erzählt Epp. Den Auftrag, sich fit zu halten, erfüllen die Gruppenliga-Kicker aus Seligenstadt dennoch alle. Epp hat die Mindestanforderung mit drei Läufen die Woche á 45 Minuten bewusst niedrig gehalten. „Ich gebe zu, ich habe die Sache mit dem Virus auch anfangs völlig unterschätzt. Bei allen Überlegungen bleibt festzuhalten, dass die Gesundheit über allem steht“, betont der Ex-Profi. Auch einen Saisonabbruch schließt er nicht aus. Für seine Sportfreunde, die vor der Unterbrechung mit einem 8:0-Erfolg bei Schlusslicht Germania Klein-Krotzenburg ihre Aufstiegsambitionen eindrucksvoll unterstrichen hatten, wäre dies natürlich ärgerlich. 

Rechnerisch leicht im Vorteil

Die „Roten“ sahen sich als Verfolger von Spitzenreiter SV Pars Neu-Isenburg und waren auch gegenüber dem Tabellenzweiten FC Germania Dörnigheim aufgrund eines weniger ausgetragenen Spiels rechnerisch leicht im Vorteil. „Es wäre schon krass, wenn es für erfolgreiche Vereine kein Happy End geben würde. Manche Vereine haben große Investitionen betrieben und auch schon viele Prämien bezahlt“, so Epp. Dass es bisweilen organisatorisch schwierig wäre, Vereine aufsteigen zu lassen und auf Absteiger zu verzichten, sieht er ein. 

Spielklassen auf Verbandsebene, in die von mehreren untergeordneten Ligen Aufsteiger rücken würden, könnten so auf 20 Teams oder sogar mehr anwachsen. Die Spielplangestaltung wäre eine Mammutaufgabe, zumal ja auch noch nicht absehbar ist, ob die Corona-Krise bis August beendet ist und die Runde normal starten kann. „Vielleicht kann man ja auch ein Modell entwickeln, dass bei einem Neustart die Mannschaften, die zum Zeitpunkt des Abbruchs auf den vorderen Plätzen lagen, mit Bonuspunkten starten können und Teams, die auf den Abstiegsplätzen lagen, Minuspunkte bekämen. Das wäre dann wenigstens halbwegs gerecht“, bringt Epp eine weitere, dazu recht revolutionäre, Variante ins Spiel.

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