Physiotherapie, Osteopathie und Training: In Gründau-Lieblos betreibt Thomas Stubner (rechts) die eigene Praxis mit zwei Partnern. Außerdem ist der 32-Jährige Physiotherapeut beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Damit hat er sich einen Herzenswunsch erfüllt. Foto: Adrian

Gründau

Gründauer Physiotherapeut hält die Eintracht-Stars fit

Fußball/Handball. Es ist sein Wunschberuf seit der vierten Klasse: Damals schaute Thomas Stubner mit seinem Papa zusammen ein Fußballspiel im Fernsehen an und fragte dann, wer der Mann sei, der bei Verletzungen immer auf den Platz laufe.

Von Julia Meiss

Mit der Antwort des Vaters, dass das der Physiotherapeut sei, hatte Thomas Stubner seinen Traumberuf entdeckt. Und diesen Traum lebt der heute 32-Jährige, denn er ist derjenige, der beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt bei Verletzungen auf den Platz läuft.

Außerdem betreibt der passionierte Handballer seit März 2018 mit Florian Völker und Johannes Erk die eigene Praxis MainKörper 360 in Gründau-Lieblos, womit er sich einen weiteren Traum erfüllt hat.

Ganz klar, Thomas Stubner ist ein Workaholic, der seine Arbeit in vollen Zügen genießt – auch wenn sich sein Arbeitspensum auf etwa 80 bis 90 Stunden pro Woche beläuft. Dass das anstrengend ist, versucht der Physiotherapeut und Osteopath gar nicht zu leugnen.

Aus Berufung Beruf gemacht

Wenn er aber über seine vielen Tätigkeiten in seiner Praxis mit „normalen Patienten“, bei Eintracht Frankfurt mit Profis wie Sébastien Haller oder Luka Jovic, beim Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar oder beim Handball-Drittligisten TV Gelnhausen spricht, wird sofort klar, warum der Familienvater diesen Aufwand gerne betreibt: Thomas Stubner hat aus seiner Berufung seinen Beruf gemacht. Das verraten nicht nur das Leuchten in seinen Augen und das sympathische Grinsen, sondern auch die Leidenschaft, mit der er über seine Berufung spricht.

Dennoch hatte der Handballer zunächst Respekt vor dem Beruf, den er sich als kleiner Junge in den Kopf gesetzt hatte: „Ich dachte mir damals, als Physiotherapeut mit behinderten Menschen arbeiten, das kann ich nicht. Denn vor dem Umgang mit Behinderten hatte ich immer großen Respekt.“

Durch ein Praktikum in der siebten Klasse in einer Praxis für Physiotherapie und ein freiwilliges Praktikum in einem Behindertenheim lernte Thomas Stubner den richtigen Umgang mit pflegebedürftigen Menschen kennen, womit die Hemmschwelle überschritten war.

Auch im Handballbereich tätig

Heute gibt es zwar kaum noch Berührungspunkte mit diesem Bereich, aber dennoch gehört das Verständnis für den Eintracht-Physio dazu: „Das gehört zu meiner Ideologie. Ich weiß, wie ich ein Kind behandeln muss, wie ich einen Erwachsenen behandeln muss, wie ich einen behinderten Menschen behandeln muss und wie ich den Hochleistungssportler behandeln muss.“

Der Berufseinstieg ging rasant los, denn Thomas Stubner wurde mit 17 Jahren Deutschlands jüngster Masseur. „Weil ich das Abi nicht gemacht hatte, konnte ich damals die Physiotherapeuten-Ausbildung noch nicht machen und habe erst die Massageschule in Frankfurt-Höchst besucht. Anschließend habe ich dann die Physiotherapeuten-Ausbildung absolviert“, erklärt der 32-Jährige, der von Beginn an im sportlichen Sektor beim TV Gelnhausen tätig gewesen ist.

Leitender Physio beim FSV Frankfurt

„Ich bin ein TVG-Kind durch und durch. Ich war mehr in der Halle als zu Hause“, erzählt Stubner, der dann 2005 Torwart Nicolai Weber zur HSG Wetzlar in die 1. Bundesliga folgte und die Mannschaft mitbetreute. Damit aber nicht genug, denn parallel arbeitete der ambitionierte Physiotherapeut im Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Frankfurt, womit ein Bezug zu dem Fußball-Top-Klub hergestellt war. Alles zusätzlich zu seiner Arbeit in der Praxis. Dieser Einsatz zahlte sich für den akribisch arbeitenden Physiotherapeuten aus, denn vier Jahre später trat Thomas Stubner bei Eintracht Frankfurt seine erste Profistelle an.

Auf die gute Arbeit von Thomas Stubner wurde der Frankfurter Konkurrent FSV aufmerksam und holte den Physiotherapeuten 2010 in sein Team, wo er fünf Jahre leitender Physiotherapeut war. „Dann dachte ich mir: Okay, jetzt wirst du ruhiger. Immerhin hatte ich damals meine erste eigene Praxis in Gelnhausen.“ Daraus wurde aber nichts, denn dann kam ein Anruf aus Darmstadt. Der frischgebackene Erstligist verpflichtete den Physiotherapeuten aus Rothenbergen. Zwei Jahre arbeitete und lernte Thomas Stubner in der Bundesliga mit dem SV Darmstadt 98, ehe er wieder ruhigere Fahrwasser anstrebte.

Aber wieder kam ein Anruf, der alles auf den Kopf stellte. Am anderen Ende der Leitung war diesmal Bruno Hübner, Sportdirektor von Eintracht Frankfurt. „Das war immer mein Traum, mal bei Eintracht Frankfurt im Profibereich zu arbeiten“, musste Thomas Stubner eigentlich nicht lange überlegen. Dennoch hat er die Entscheidung nicht alleine getroffen, denn Ehefrau Melanie wird immer mit einbezogen und ist ein wichtiger Rückhalt für den 32-Jährigen.

Stubner behandelt auch Normalsterbliche

Obwohl Thomas Stubner im Physiotherapeuten-Team der Eintracht mit den ganz großen Profis wie Vizeweltmeister Ante Rebic arbeitet, ist es ihm eine Herzensangelegenheit, „immer wieder die Regionalität zu finden.“ Nicht nur zu den Sportvereinen in Gelnhausen, Gründau und Linsengericht, sondern auch zu den „normalen Patienten“.

Dass in seiner Praxis der Profi genauso behandelt wird wie der Rentner, der noch nie Sport gemacht hat, ist Thomas Stubner und seinen beiden Partnern wichtig. Daher vergisst er auch den TV Gelnhausen nicht, für den er immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Im Notfall auch nach einem langen Tag abends um 22 Uhr, wenn seine physiotherapeutische Expertise gefragt ist. Gleiches gilt für die HSG Wetzlar, bei der er am Sonntag beim Auswärtsspiel beim VfL Gummersbach auf der Bank saß. Eine Verschnaufpause gibt es für Thomas Stubner nicht, aber die will er auch gar nicht. „Ich werde nie 40 Stunden pro Woche in einer Praxis arbeiten“, kennt sich Thomas Stubner.

Und ganz nach dieser Philosophie ging es Anfang der Woche mit Eintracht Frankfurt nach Zypern, denn am Donnerstag steht das Euro-League-Spiel gegen Apollon Limassol an (18.55 Uhr). Das ist wieder ein Ziel, das Thomas Stubner erreicht hat: mit der Eintracht den DFB-Pokal gewinnen und in der Euro League spielen. Damit ist Thomas Stubner aktuell vollauf zufrieden, aber dennoch reifen so langsam Gedanken über neue Ziele heran.

„Mit Eintracht Frankfurt Champions League spielen, warum nicht?“, fragt Thomas Stubner und kann ein Grinsen voller Vorfreude nicht verbergen. Und dann gerät der Physiotherapeut aus Leidenschaft ins Träumen: Für den Fußball- oder Handball-Nationalverband zu arbeiten, ist für Thomas Stubner auch ein Ziel, von den Olympischen Spielen ganz zu schweigen.

Das sind erst mal nur Gedankenspiele, denn im Moment lebt Thomas Stubner seinen Traum: Er hat seine eigene Praxis und ist bei Eintracht Frankfurt derjenige, der auf das Spielfeld läuft, wenn sich ein Fußballprofi verletzt hat.

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