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Gold für Hassia-Ruderer: Julian Bothe wird in Tschechien U23-Weltmeister

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Von: Thorsten Jung

Die Anspannung fällt ab: Julian Bothe (rechts) vom Hanauer RC Hassia hat mit dem leichten Doppelvierer bei der U23-Weltmeisterschaft Gold gewonnen.
Die Anspannung fällt ab: Julian Bothe (rechts) vom Hanauer RC Hassia hat mit dem leichten Doppelvierer bei der U23-Weltmeisterschaft Gold gewonnen. © DRV/Seyb

Tränen bei der Nationalhymne und ein Abend in Prag. So feierte Julian Bothe den bisher größten Erfolg seiner Karriere. Der Leichtgewichst-Doppelvierer, in dem der 19-Jährige ruderte, hat am Samstag bei den U23-Weltmeisterschaften im tschechischen Racice die Goldmedaille gewonnen. Am Tag danach freute sich Bothe zudem über die Bronzemedaille, die seine Teamkollegin des Hanauer RC Hassia, Lisa Holbrook, gewann.

Racice/Hanau – „Es war mit Sicherheit das anstrengendste Rennen der Saison und trotzdem war es das Rennen, das am meisten Spaß gemacht hat“, erzählte Bothe überglücklich. Mit Finn Wolter (Ruder-Club Witten), Paul Leerkamp (Osnabrücker Ruder-Verein) und Aaron Wenk (Berliner Ruder-Club) hatte der Dörnigheimer nach 1000 Metern knapp zwei Sekunden auf die Verfolger aus Frankreich und Italien rausgerudert. Am Ende siegten sie mit etwas mehr als einer halben Länge Vorsprung.

„200 Meter vor dem Ziel wurde mir das erste Mal klar, dass unseren Gegnern das Wasser zum Aufholen ausgeht“, so Bothe, der nach 05:56.23 Minuten die Arme in die Höhe reißen durfte. Der Schulterblick zeigte: Die Franzosen (05:57.68) und die Italiener (05:59.12) waren in der Tat nicht nah genug rangekommen.

Tränen bei der Nationalhymne

„Im Ziel und auf dem Siegersteg fallen die ganze Anspannung und die Ungewissheit ab, die man vor dem Rennen hatte“, gibt er einen Einblick in seine Gefühlswelt. Und Bothe verrät, dass Tränen geflossen sind: „Wenn der Sprecher deine Mannschaft als Champions of the World ankündigt und die Nationalhymne gespielt wird, rollt auch die eine oder andere Träne.“ Zum Feiern ging es am Abend in die Innenstadt von Prag.

Währen es sich Bothe in Tschechiens Hauptstadt gut gehen ließ, lag Lisa Holbrook in ihrem Hotelbett. Ihr Finale mit dem Frauen-Achter stand erst am Sonntagmittag an. Und auch die 20-Jährige wurde für die Strapazen in den vergangenen Trainingslager-Wochen mit einer Medaille belohnt.

„Gegen die USA ist kein Kraut gewachsen“

„Wir sind stark losgefahren, haben stark nachgelassen, aber es hat gereicht“, fasste sie das Rennen, in dem ihr deutsches Boot zwischenzeitlich mit einer halben Bootslänge in Führung gelegen hatte, zusammen. Nach 06:26.45 Minuten stoppte die deutsche Uhr. Rang drei, denn die US-Amerikanerinnen (06:16.69) und die Niederländerinnen (06:20.43) waren zu stark. „Die Niederlande hatten wir auf dem Schirm und die Amerikanerinnen dominieren seit Jahren“, analysierte Holbrook. Bronze war kaum gefährdet, die Polinnen kamen rund vier Sekunden später ins Ziel. „Gegen die USA ist kein Kraut gewachsen“, meinte auch Holbrooks Hassia-Trainer Volker Lechtenberg.

„Eine Medaille im Frauen-Achter ist ganz viel Wert. Der Frauen-Riemenbereich ist in Deutschland nicht immer für Medaillen bekannt“, ordnete er die Leistung der Europameisterin von 2020 hoch ein.

„So richtig realisiert, habe ich es noch nicht“

Während Holbrook sich nun in Großauheim und danach an ihrem Studienstandort Hannover ein paar ruderfreie Tage gönnen wird („Ich muss erst mal in Richtung Uni ein bisschen etwas nachholen“), kündigte Bothe an, das Training „nicht ganz baumeln“ zu lassen. Aber auch er habe nachzuholen, was „was ich in den letzten fünf Wochen bei der Sportfördergruppe der hessischen Polizei verpasst habe“. Doch erst muss der Dörnigheimer seine Gedanken ordnen. „So richtig realisiert, was wir da geschafft haben, habe ich es noch nicht.“

Kein Wunder, findet Lechtenberg: „Julian ist der Hammer, seine erste WM-Teilnahme und dann gleich die Goldmedaille. Unglaublich“, schwärmte der Hanauer Coach. „Das war technisches Rudern auf allerhöchstem Niveau – ganz saubere Wasserarbeit.“

Eine Medaille nahm auch Henry Hopmann (21) mit nach Hause. Der ehemalige Ruderer der Hanauer RG und des RC Hassia, der inzwischen für Hansa Dortmund startet, gewann im Männer-Achter Bronze. „Die Mannschaft hat sehr gut zusammen gearbeitet. Ich freue mich, dass ich in meinem letzten U23-Jahr mit einer Bronzemedaille nach Hause fahren darf. Die ersten drei Boote waren extrem dicht zusammen“, sagte Hopmann.

Von Franca Richter und Thorsten Jung

Strahlende Bronzegewinnerinnen: Die Großauheimerin Lisa Holbrook (Zweite von links) mit ihrem DRV-Team.
Strahlende Bronzegewinnerinnen: Die Großauheimerin Lisa Holbrook (Zweite von links) mit ihrem DRV-Team. © DRV/Seyb

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