Onur Bulut von der Germania Niederrodenbach (links) im Zweikampf mit Oberrodenbachs Kapitän Ronny Barthelmie. Foto: TAP

Rodenbach

Germania gewinnt Rodenbacher Fußballfest

Fußball. Bei strahlendem Sonnenschein hat Germania Niederrodenbach vor rund 400 Zuschauern einen verdienten 3:0-Heimsieg gegen Eintracht Oberrodenbach in der Kreisoberliga Hanau gefeiert. Damit ziehen die Germanen am Ortsrivalen vorbei und stehen nun auf dem einzigen direkten Aufstiegsplatz der zur Gruppenliga.

Von Philipp Swierzy

Selten weckte eine Kreisoberliga-Partie bereits vor Spielbeginn ein derartiges Zuschauer- und Medieninteresse. Das Derby Ober- gegen Niederrodenbach war ein Duell der Superlative. Erster gegen Zweiter. Offensivpower gegen Defensivbollwerk. Aufstiegsfavoriten unter sich. „Ein würdiger Rahmen, eine tolle Kulisse, eine tolle Woche, geil für die Jungs hier zu spielen“, befand Oberrodenbachs Coach Andreas Jäger.

Die Anspannung war beiden Teams vom Start weg anzumerken. Den ersten Eckball des Spiels nutzte der Gastgeber jedoch sofort, um in Führung zu gehen. Die scharfe Hereingabe von Dejan Gesch verwertete Germania-Torjäger Marcel Fuchs eiskalt zum 1:0 per Kopf (4.). Durch die Führung gewann die Germania Sicherheit im eigenen Spiel und brachte zusehends Struktur in die zu Beginn eher zerfahrene Partie.

Unruhestifter im StrafraumDie Niederrodenbacher liefen die Defensivspieler der Eintracht bereits früh in der eigenen Hälfte an. Dadurch kamen die Oberrodenbacher zu keinem klaren Spielaufbau und suchten ihre starken Offensivspieler meist mit langen Bällen. Der einzige Unruhestifter im Strafraum der Niederrodenbacher war Top-Torjäger Rodney Kurz. Der beste Goalgetter der Liga konnte seine beiden Ausgleichschancen Mitte der ersten Halbzeit jedoch nicht nutzen.

Im Gegensatz zum dürftigen Spielaufbau der Eintracht gewann die Germania mehr und mehr Kontrolle über das Spiel und suchte spielerische Lösungen. „Wach werden“, rief Eintracht-Torwart Leon Philipp seinen Vorderleuten zu. Doch seine Appelle verpufften. Die Germania nahm das Zepter in die Hand. Der Schlüssel laut Germania-Spielgestalter Thomas Goldmann: „Wir standen defensiv kompakt und haben wenig zugelassen. Und dann haben wir das Spiel von hinten raus relativ gut organisiert bekommen.“

Ruppiges, hart geführtes DerbyOberrodenbach versuchte mit giftigen Zweikämpfen dagegenzuhalten. Teil des Matchplans der Eintracht war es „über Zweikämpfe ins Spiel zu kommen“, verriet Coach Andreas Jäger. Dadurch entwickelte sich ein ruppiges, hart geführtes Derby, was den Spielfluss der Germanen störte. Germania-Kapitän Emre Akcay forderte mehr Ruhe und klarere Aktionen von seinen Mitspielern.

Und seine Kollegen zeigten eine Reaktion. Fuchs nutzte einen zunächst abgewehrten Torschuss von Goldmann, um zum 2:0 für die Hausherren einzunetzen (31.). Eintracht-Schlussmann Philipp konnte die Chance von Mittelfeldstratege Goldmann zwar noch vereiteln, aber gegen den platzierten Nachschuss war er machtlos. Oberrodenbach kam vor der Halbzeit noch zu Chancen, doch selbst der gelungene Fallrückzieher von Kapitän Ronny Barthelmie verfehlte sein Ziel (38.).

Torchancen auf beiden SeitenIn der ersten Halbzeit ein „zerfahrenes Spiel, dafür aber mit erstaunlich vielen Torchancen auf beiden Seiten“, befand Germania-Pressewart Detlef Knoll zur Halbzeit. „Aber die Führung war schon verdient, denn wir hatten insgesamt die besseren Chancen und mehr Spielanteile“, so Knoll. Eintracht-Coach Andreas Jäger fand deutliche Worte. „Das war eine schwache Leistung in der ersten Halbzeit. Wir haben uns viel vorgenommen. Wir bereiten uns ja auch vor auf solche Spiele, gerade vor so vielen Zuschauern, und dann spielen wir so eine desaströse erste Halbzeit. Ich bin enttäuscht von meinen Spielern, dass muss ich einfach so sagen“, so Andreas Jäger.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs war der Eintracht anzumerken, dass sie sich noch nicht aufgeben wollte. Mit viel Tempo und Zug zum Tor drängten sie die Gastgeber tief in die eigene Hälfte. Die Niederrodenbacher zeigten sich nur noch selten gefährlich im gegnerischen Strafraum. „Der Plan war eigentlich, dass wir nach der Halbzeit direkt das nächste Ding machen“, verriet Alexander Krämer, Flügelspieler der Germania. Stattdessen spielte sich die Begegnung nun größtenteils in der Hälfte von Niederrodenbach ab.

Elfmeterpfiff blieb ausDass die Eintracht trotzdem nicht zum Ausgleich kam, lag auch daran, dass Dominik Buss ein klarer Elfmeter verwehrt blieb. Außerdem vergaben die Oberrodenbacher zahlreiche gute Möglichkeiten. Eintracht-Kapitän Barthelmie hatte nach Zuspiel von Dominik Loetschert eine hundertprozentige Torchance, doch Tobias Kirchner im Kasten der Blau-Weißen parierte glänzend.

„Wir hatten im Zentrum wenig Zugriff. Dort wo wir in der ersten Halbzeit viel Platz hatten, hatte Oberrodenbach ihn in der zweiten. Wir sind einfach nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen, aber wir haben das zum Glück zu Null über die Bühne gebracht bekommen“, erklärte Niederrodenbachs Goldmann.

Licht und SchattenKurz vor Schluss markierte Goldmann ein wenig unfreiwillig das entscheidende 3:0 (87.). Nach einem Pfostentreffer stand er glücklich und besiegelte die unangenehme Niederlage für den Ex-Tabellenführer und Ortsrivalen. „Gefühlt waren wir heute eigentlich die bessere von zwei schlechten Mannschaften“, ärgerte sich Eintracht-Coach Thomas Jäger. „Wir sind nach der Halbzeit früh drauf gegangen, aber wenn das 2:1 nicht fällt, dann lässt irgendwann die Kraft nach“, so Thomas Jäger.

Barthelmie, Kapitän der Eintracht, sah Licht und Schatten bei seinem Team: „In der ersten Halbzeit haben wir total schlecht gespielt, da waren wir gar nicht an den Gegenspielern dran. In der zweiten Halbzeit waren wir dann extrem stark, haben dominiert und hatten unsere Chancen.“ Eintracht-Trainer Andreas Jäger sah im frühen Gegentreffer den Hauptgrund für die Niederlage. „Durch das frühe Gegentor waren wir vollkommen neben der Spur“.

Schlüssel zum SiegAuf Seiten der Germania war man froh über die Big Points im Aufstiegskampf. „Heute hat das relativ wenig mit dem Fußball zu tun gehabt, den wir sonst spielen“, befand Alexander Krämer, Flügelspieler der Germania. „Trotzdem haben wir als Mannschaft heute funktioniert“, so Krämer. „Im Endeffekt haben wir drei Tore mehr geschossen als der Gegner. Wir sind Tabellenführer. Es gibt nichts zu meckern heute.“

Der Schlüssel zum Sieg lag laut Germania-Trainer Jochen Breideband in der Defensive. „Das ist das erste Spiel von Oberrodenbach in dieser Saison, in der sie kein Tor schießen“, so Breideband. „Eine kompakte Mannschaftsleistung und unsere Innenverteidiger waren bärenstark. Und vorne hat Marcel Fuchs heute bei allem Hype um die drei Top-Torjäger der Liga gezeigt, dass er auch nicht der schlechteste ist.“

AusblickEine Vorentscheidung für die Saison wird das Spiel wohl noch nicht gewesen sein. Dafür sind noch zu viele Spiele zu spielen. „Niederrodenbach patzt bestimmt nochmal und dann sind wir wieder dran“, hofft Barthelmie. Der Niederrodenbacher Goldmann sieht das ähnlich. „Ich glaube nicht, dass das heute das entscheidende Spiel war, weil wir im April und im Mai noch viele Spiele in kurzer Zeit haben.“

Und auch der zunächst niedergeschlagene Eintracht-Coach Andreas Jäger gab abschließend noch lächelnd zu Protokoll: „Die Saison ist noch nicht vorbei, ich glaube das wird noch spannend“.

Niederrodenbach: Kirchner – Krämer, Goldmann, Gesch, S. Bekirov, Klimas, Fleischer, Fuchs (89. Krück), A. Bekirov, Akcay (85. Kröhl), Bulut (76. Derse)

Oberrodenbach: Philipp, Müller (75. Steier), Robok, Husic (36. Buss), Knopp (13. Stegmann), Natale, Kurz, Loetschert, Barthelmie, Blocher, Eckhardt

Tore: 1:0 und 2:0 Fuchs (4., 31.), Goldmann (87.) – Zuschauer:400 – Schiedsrichter:Christian Stübing (Gründau) – Beste Spieler:Fuchs/Barthelmie

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