+
Kicken mit Desinfektion: Es darf trainiert werden, allerdings müssen strenge Hygienerichtlinien eingehalten werden. Auf dem Hochstädter Sportplatz soll bald wieder trainiert werden.

Vereine haben Konzepte ausgearbeitet

In kleinen Schritten zurück zur Normalität: In Hochstadt, Dörnigheim und Erlensee kann unter erschwerten Bedingungen trainiert werden

  • schließen

Es darf wieder trainiert werden auf den hessischen Sportplätzen. Allerdings unter strengen Auflagen. Nicht jeder Verein wird diese Möglichkeit wahrnehmen. So haben der FSV Neuberg, Eintracht Oberissigheim und Kewa Wachenbuchen bereits verkündet: „Bei uns wird weiterhin nicht trainiert!“

Beim FC Mittelbuchen ist man noch am Überlegen. Der Verein fühlt sich aber alleine gelassen. In Hochstadt, Erlensee und Dörnigheim wird das Training hingegen dankbar wieder aufgenommen.

Sportbetrieb ruht seit Mitte März

Gut zwei Monate war der Sportbetrieb der Amateurfußballvereine wegen der Corona-Pandemie lahmgelegt. Nach dem Lockerungspaket der hessischen Landesregierung, das auch die Möglichkeit des Trainierens im Breitensport umfasst, rauchen bei vielen Vereinsverantwortlichen die Köpfe. Das Training ist nämlich nur unter Einhaltung von strikten Auflagen möglich, im Kern müssen Abstandsgebot und Hygienemaßnahmen beachtet werden.

Der Hessische Fußball-Verband hat über seinen Sportlichen Leiter Dirk Reimöller und den Ausschuss für Qualifizierung und Vereinsentwicklung einen Leitfaden erstellt, wie die behördlichen Vorgaben in der Praxis umgesetzt werden können.

Umsetzung stellt Vereine vor große Herausforderung

Sowohl im Jugend- als auch im Seniorenbereich wird nun diskutiert, wie praktikabel die Tipps des Verbandes überhaupt sind. „Die Krise ist mit den Lockerungen ja nicht vorbei, die Vereine stehen vor großen Herausforderungen“, sagt Manfred Maier, der langjährige Vorsitzende des 1. FC Hochstadt.

Der Bekanntgabe, dass ab sofort wieder mit Vorgaben beziehungsweise Einschränkungen trainiert werden kann, folgte der sofortige Austausch mit dem Vereinsvorstand. Kernfrage: Wie geht man mit der neuen Situation um?

FC Hochstadt hat Hygienevorgaben erweitert

Beim FC Hochstadt werden die Vorgaben der Regierung in Sachen Hygiene penibel eingehalten, die spezifischen Empfehlungen des Hessischen Fußball-Verbandes hat Maier an alle Übungsleiter weitergeleitet und sogar noch ergänzt. Maier betont, dass die Teilnahme am Training, sofern es denn angeboten wird, absolut freiwillig sei.

Die Trainingszeiten werden in Hochstadt von Vorstand und Jugendleitung neu geplant, um die Belegung der Spielfelder zu entzerren. Natürlich bleiben auch bei den Lila-Weißen Umkleideräume und Duschen geschlossen, ebenso das Vereinsheim. „Das Mitbringen von alkoholischen Getränken und Grillen ist verboten. Es gibt keine Party, nach dem Training geht es nach Hause“, nennt Maier rigorose vereinsinterne Regeln.

Willkommene Abwechslung vor allem für die Jugend

„Ich freue mich vor allem für die Kinder, dass sie wieder auf die Sportplätze können und ihre Freunde sehen können. Die vergangenen Wochen waren für sie hart und nicht jeder hat ja zu Hause einen Garten zum Spielen vor der Haustür.“

In kleinen Schritten will der Maintaler Traditionsverein zur Normalität zurückkehren. „Die Vereine stehen alle vor großen Herausforderungen und ich hoffe sehr, dass die Fußballinteressierten nach dieser schweren Zeit verstärkt den Weg zum Heimatverein finden“, erklärt Maier abschließend.

FC Mittelbuchen äußerst starke Bedenken

Die Schriftführerin des 1. FC Mittelbuchen, Pia Burkhardt, hat hinsichtlich der strengen Hygienevorschriften arge Bedenken. „Wir fühlen uns hinsichtlich der Umsetzung ein bisschen alleingelassen. Wo kriegen wir ausreichend Desinfektionsmittel her, wer überwacht die Umsetzung, und wie sieht es mit Haftung aus?“, fragt sich Burkhardt. Ihr Verein nimmt sowohl im Männer- als auch im Frauenbereich am Spielbetrieb teil und stellt auch Jugendmannschaften.

Vieles müsse nun geregelt werden. Das Auf- und Zuschließen der Toiletten, oder die Einlassmöglichkeiten zum Sportgelände sind nur zwei Punkte. In dieser Woche will sich ihr Verein in einer virtuellen Sitzung beratschlagen, ob das Training wieder aufgenommen wird. Die jüngsten Fußballer müssen noch pausieren. „Wie vom Verband empfohlen, wird in Mittelbuchen unterhalb der U12-Junioren vorerst kein Training angeboten.

Konzept ausgearbeitet: Erlensee will zeitnah wieder auf den Platz

Verbandsligist 1. FC Erlensee, der die größte leistungsorientierteste Nachwuchsabteilung des Hanauer Fußballkreises unterhält, verfährt mit den jüngsten Altersklassen genauso. Der Vorsitzende Tobias Gebhardt lobt die fleißige Mitwirkung der Übungsleiter an einem akribisch aufgestellten vereinsinternen Konzept. Klarer Tenor: Beim 1. FC Erlensee wird zeitnah wieder trainiert.

„Wir gehen das Thema sehr sensibel an und bereiten verschiedene Dokumente vor“, erzählt Gebhardt. Dazu zählen Einverständniserklärungen von Eltern und Teilnehmerlisten. Auch das Hinbringen und Abholen der Jugendspieler müsse am Sportzentrum stringent ablaufen, Zuschauer sind bei den Übungseinheiten ohnehin laut der gültigen Corona-Verordnung des Landes nicht zugelassen.

Vorstand fordert Disziplin von den Spielern

Der FCE verfügt über ausreichend Kapazitäten, aber eben auch über viele aktive Fußballer. Der Belegungsplan der Plätze soll einen gewissen Puffer enthalten, ob den Wechsel der Mannschaften entspannt vonstattengehen zu lassen. Ohne Disziplin werden sich die Vorgaben nicht umsetzen lassen. „Es müssen alle mitziehen“, betont der Vorsitzende. Bei allen Schwierigkeiten verspürt Tobias Gebhardt in seinem Verein eine Aufbruchstimmung.

Die Freude ist groß, dass es wieder losgeht – „auf absolut freiwilliger Basis“, wie er unterstreicht. „Es hat sich in den vergangenen Wochen schon ein wenig Lagerkoller breitgemacht. Es wurden zwar teilweise Trainingseinheiten als Videosequenzen angeboten, doch so was ersetzt natürlich kein richtiges Training.“

"Mit Fußball hat das nichts zu tun"

Doch was taugen letztlich die aktuell möglichen Übungsformen? In den Augen von Jochen Kostiris, dem Sportlichen Leiter des Gruppenligisten FC Germania Dörnigheim, nicht viel. „Mit Fußball hat das nichts zu tun“, sagt Kostiris mit Blick auf den vom HFV erstellten Leitfaden. Ab der kommenden Woche soll an der Dicken Buche der Trainingsbetrieb dennoch wieder starten.

„Wir schaffen in dieser Woche die Voraussetzungen und werden uns im Seniorenbereich zwei Mal die Woche für eine Stunde treffen und ein bisschen was machen“, berichtet Kostiris. Dass das Angebotene eher Beschäftigungstherapie als eine Vorbereitung für den Gruppenliga-Alltag ist, steht für den Deutsch-Griechen völlig außer Frage.

Ein anderer Aspekt ist ihm viel wichtiger: Das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. „Wir haben uns acht, neun Wochen jetzt nicht gesehen, die persönlichen Kontakte haben einfach gefehlt.“ Das lockere Training wird als willkommene Abwechslung gesehen. Im Juniorenbereich möchte die Germania auch wieder starten, allerdings zunächst einmal nur mit den A- und B-Junioren.

Nicht alle Vereine lassen Training zu

Mit Kewa Wachenbuchen, Eintracht Oberissigheim und dem FSV Neuberg haben sich drei Teams klar gegen die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs positioniert. „Die Organisation und Kontrolle von Abstandsgeboten, die normenkonforme Zugangskontrolle der Sportplätze und Reinigung der Toilettenanlagen, die Anschaffung und Verteilung von ausreichend Desinfektionsmitteln sind für uns nicht leistbar“, schreibt der FSV Neuberg auf Facebook. 

Ähnlich äußert sich die Eintracht: „Die Auflagen sind für uns als Amateurverein schlichtweg nicht umsetzbar. Ob ein Training unter den vorgegebenen Maßnahmen überhaupt Sinn macht, sei dahingestellt.“ Die Kewa informierte: „Der Trainerstab hat mit dem Vorstand einstimmig entschieden, dass unter den weiter bestehenden behördlichen Einschränkungen und den Vorgaben und Empfehlungen des Hessischen Fußball-Verbandes ein sinnvolles und sicheres Fußballtraining nicht zu verantworten ist.“ 

Das müssen die Vereine beachten.

Das könnte Sie auch interessieren