Fussball, Training mit Hygienevorschriften Corona Covid-19
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Das geplante Sichtungstraining der Spvgg. Langenselbold sorgt weiter für Ärger.

Streit geht weiter

Ärger um Sichtungstraining trotz Corona: Fußballverein wehrt sich

  • vonDavid Lindenfeld
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Ein Fußballverein aus dem Fußballkreis Hanau ist wegen eines trotz Corona geplanten Sichtungstrainings in die Kritik geraten. Nun bezieht der Verein Stellung.

  • Ärger um geplantes Jugendtraining trotz Corona
  • Fußballverein kontert Kritik der Offiziellen
  • Imageschaden für Verein

Die Spvgg. 1910 Langenselbold hat sich „mehr als verärgert“ über die Reaktion des Kreisjugendwartes Manfred Kühne auf die Ankündigung eines Sichtungstrainings in Langenselbold gezeigt.

Fußballverein sieht enormen Imageschaden

„Wir sind entsetzt und enttäuscht, dass Herr Kühne dem Verein mit seiner Vorgehensweise einen immensenImageschaden zugefügt hat. Wir hätten es sehr begrüßt, wenn er seine Unzufriedenheit und seinen Ärger mit uns in einem gemeinsamen Dialog geklärt hätte“, erklärte Vorstandssprecher Stefan Vogel in einer Stellungnahme.

Kühne war zuvor mit seiner Kritik an einem für Sonntag (14. Juni) geplanten Sichtungstraining der Zehner an dieÖffentlichkeit gegangen und hatte das Vorhaben des Langenselbolder Klubs in einem Brief an alle Vereine aus dem Kreis Hanau und den HANAUER ANZEIGER infrage gestellt: „Niemand will euch das Recht auf Sichtungs- oder Probetrainings nehmen, wir fordern euch lediglich dazu auf, zu überlegen, ob das heute in die politische und sportliche Landschaft passt“, schrieb Kühne.

Fußball: Verein verärgert über Gang an die Öffentlichkeit

Vor allem die Art und Weise von Kühnes Vorgehen ist den Selboldern ein Dorn im Auge: „Wir empfinden es als sehr befremdlich, aber auch enttäuschend, dass der Kreisjugendwart sein Entsetzen über die Öffentlichkeit austrägt, den gesamten Fußballkreis Hanau in den Mailverteiler gesetzt hat und dabei versucht, unseren Verein in ein negatives Licht zu stellen. […] Es kann und darf nicht die Aufgabe des Kreisjugendwartes sein, öffentlich an einen Verein zu appellieren, ab wann und in welcher Form er mit seiner Planung und Saisonvorbereitung zu beginnen hat.“

Streit um Fußballtraining während Corona-Pandemie geht weiter 

Des Weiteren echauffiert sich der Klub darüber, dass Kühne interne Daten preisgegeben hat: „Kühne behauptet, dass wir keinen Spielermangel haben und bezieht sich auf Online-Spielerpässe. Er gibt so systemrelevante Informationen preis, die er aus Gründen des Datenschutzes nicht hätte öffentlich machen dürfen“, moniert Vogel.

Ein weiterer Streitpunkt ist die noch nicht endgültig feststehende Klassenzugehörigkeit der U17 und der U19: Die Selbolder warben in ihrer Ankündigung mit der Gruppenliga. Kühne betonte in seiner Antwort, dass die Mannschaften erst das Aufstiegsrecht haben, wenn nach dem Verbandstag Mitte Juni die Entscheidung entsprechend fällt, dass es in der Jugend einen Saisonabbruch, eine Quotientenregelung und einen Aufsteiger gibt.

Streit um Sichtungstraining: Fußballverein mit Stellungnahme

Die Spvgg. Langenselbold berichtet in ihrer Stellungnahme hingegen von einem „Glückwunschschreiben des Kreisjugendwartes und dessen Stellvertreter“, das die Worte „kein Entscheidungsspiel, die Meister verzichten oder dürfen nicht und der lachende Dritte heißt 1910 Langenselbold. Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg“ beinhaltet haben soll.

„Wir waren selbst überrascht, nahmen den direkten Aufstieg aber als gegeben an und beschlossen daraufhin entsprechend zu werben und ein Sichtungstraining zu planen“, so Vogel. 

Verein verweist auf Training bei anderen Fußballvereinen 

Die Zehner ärgern sich zudem über die von Kühne erwähnte Absage eines Sichtungstrainings des FC Erlensee: „Uns ist von anderen Spielern mittlerweile bekannt, dass anstelle von Sichtungstraining nun Probetraining durchgeführt wurde. Warum wird dies gestattet beziehungsweise nicht erwähnt?“, fragt Vogel.

„Hier kommen wir nun zum Fairplay-Gedanken und zur beschriebenen ‘fairen Geste’. Ist es eine faire Geste, wenn ausgewählte Spieler direkt angesprochen und zu einem Probetraining eingeladen werden? Wenn Vereine den direkten Kontakt zu Spielern durch Telefonate oder WhatsApp wählen, so wie es mittlerweile Usus geworden ist? Verstößt ein Sichtungstraining, das auf freiwillige Basis und nicht auf direktem Wege erfolgt, gegen die faire Geste?“, schreiben die Zehner

Fußballvereine im Kreis Hanau trainieren nach Corona-Lockerungen

Sie betonen in diesem Zusammenhang, dass der Klub - im Gegensatz zu anderen Vereinen im Kreis Hanau - seinen Trainingsbetrieb im Senioren- und im Jugendbereich bisher nicht wieder aufgenommen hat. Das geplante Sichtungstraining  soll weiterhin stattfinden.

„Wir sind einer von wenigen Vereinen im Kreis, der alle Altersgruppen im Jugendbereich besetzt hat. Um die notwendige Anzahl an Jugendlichen in unseren Reihen zu bekommen, führen wir in jedem Jahr ein Sichtungstraining und diverse Fußballcamps durch“, erklärt Vogel, der versichert, dass man an alle Vorgaben „peinlich genau“ umsetzen werde: „Dank unserer qualifizierten Trainer sind wir in der Lage, Talente zu sichten, auch wenn keine Zweikämpfe stattfinden.“

Weiterer Fußballverein für Fußballcamp kritisiert

Auch Eintracht Oberrodenbach muss für ein im Juli angedachtes Fußballcamp Kritik vom Kreisfußballwart einstecken. In den Sommerferien soll vom 6. bis 16. Juli und vom 3. bis 14. August an der Hainmühle stattfinden.

„Trotz der aufgrund der Corona-Pandemie bestehenden Einschränkungen ist der Trainingsinhalt so gestaltet, dass Fußball auch ohne Zweikämpfe gespielt werden kann. Der Spaß steht im Vordergrund, um den Jungs die Freude am Fußball weiter zu vermitteln. Stupides Training war gestern“, teilt die Eintracht mit.

Offizielle raten Fußballverein zur Absage von Training

„Wir empfehlen auch euch, eure Planung unter den heute geltenden Voraussetzungen nicht weiter zu verfolgen. Derartige Trainingscamps passen politisch und sportlich nicht in die Zeit“, schrieb Manfred Kühne an die Eintracht und machte gleichzeitig auf Widersprüche zwischen dem Konzept und den aktuellen Empfehlungen des Hessischen Fußball-Verbands aufmerksam – beispielsweise bei der Teilnehmergröße oder dem Witterungsschutz.

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