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Das neue Gesicht der 93er: Der Sportliche Leiter Alexander Hagikian rückt nach dem Fallacara-Abschied in den Mittelpunkt. Sein Konzept, das den Klub in die Regionalliga führen soll, heißt „Bedingungslos bis 2023“.

Hessenliga

FC Hanau 93: Sportlicher Leiter im Interview über Ziele, Perspektiven und die Sportanlage in Hanau

  • vonFrank Schneider
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Alexander Hagikian, Sportlicher Leiter von Hessenligist FC Hanau 93, spricht im Interview über die abgebrochene Saison, die Ziele der Hanauer und die Probleme mit der Sportanlage.

  • Alexander Hagikian will mit dem FC Hanau 93 viel erreichen
  • Der Verein hat einen Drei-Jahres-Plan für die Entwicklung erstellt
  • Größte Baustelle der Hanauer ist der Sportplatz an der Kastanienallee

Hanau – Der FC Hanau 93 hat sich im Aufstiegsjahr in der Hessenliga wacker geschlagen und freut sich auf das Ende der langen durch die Corona-Pandemie nötig gewordenen Spielpause.

Hanau 93 will in Hessenliga gute Rolle spielen

Mit den bisherigen Leistungsträgern und gezielten Verstärkungen will der Traditionsverein in der kommenden Runde in Hessens höchster Spielkasse eine noch bessere Rolle spielen mittelfristig höherklassigen Fußball in Hanau etablieren. Dazu muss der frühere Zweitligist weiter an strukturellen Dingen arbeiten.

Auf diesem Gebiet hat der HFC im Vergleich zu jüngsten den sportlichen Erfolgen nicht immer Schritt halten können. Viel Arbeit wartet auf die Verantwortlichen um den Sportlichen Leiter Alexander Hagikian, der mit dem Ausscheiden des langjährigen „Machers“ Giovanni Fallacara nun noch mehr in den Fokus rückt. Im Radeaktionsgespräch mit dem Hanauer Anzeiger erläutert der 30-jährige Jurist seine Ziele.

Nach dem Rückzug von Giovanni Fallacara sind Sie ja nun, mal abgesehen von Trainer Michael Fink, das sportliche Gesicht des HFC. Dabei scheinen Sie von ihrem Naturell ein ziemlicher Gegenentwurf zu ihrem Vorgänger zu sein.

"Ich würde mich in erster Linie als den besseren Fußballer bezeichnen. Davon abgesehen, Ich bin ich etwas zurückhaltender und ein sehr analytischer Mensch. Das hat wohl auch etwas mit meinem Beruf als Rechtsanwalt zu tun. Giovanni verkörpert einen anderen Typen und wir werden ihn sehr vermissen.“

"Ohne Fallacara stünden wir noch in der Kreisoberliga"

Was zeichnet Giovanni Fallacara aus?

„Ein unglaubliches großes Herz. Er ist zudem ein eloquenter Gesprächspartner und kann andere mit seiner Begeisterung anstecken. Durch seine langjährige Erfahrung verfügt er zudem im Fußballgeschäft über ein unglaubliches gutes Netzwerk. Er hat immer mehr als 100 Prozent für Hanau 93 gegeben und ohne ihn stünden wir wahrscheinlich noch in der Kreisoberliga.“

Sie wurden ja von Giovanni Fallacara an ihre künftige Arbeit herangeführt, agierten bereits seit dieser Saison als Sportlicher Leiter an seiner Seite, während er den Fußball-Abteilungsleiter oftmals öffentlichkeitswirksam verkörperte.

„Dafür bin ich Giovanni sehr dankbar. Ich finde es wirklich sehr traurig, dass er aufhört, doch es freut mich auch, weil es für ihn eine Art Befreiung sein wird, die ihm gut tun wird. Die Belastung war für ihn schon sehr groß und in der Öffentlichkeit war man nicht immer fair zu ihm.“

Wie kann die Lücke, die er durch sein Ausscheiden reißt, geschlossen werden?

„Das geht nur im Team, eine einzelne Person kann das nicht. Wir werden uns künftig auch breiter aufstellen, werden Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. Im Spielausschuss, aber auch auf anderen wichtigen Gebieten wie zum Beispiel dem Marketing und der Sponsorenakquise. Für den Förderkreis konnten ebenfalls neue verantwortliche Personen gewonnen werden. Wir werden das Team in Kürze der Öffentlichkeit vorstellen. Aber klar ist, dass wir Giovanni nicht ersetzen können.“

Hanau 93: Einstelliger Tabellenplatz ist das Ziel

Welche sportliche Zielvorgabe geben Sie ihrem Team für die kommende Runde aus?

„Uns erwartet wohl eine außergewöhnliche Saison mit vielen Spielen, sofern 20 Vereine in der Hessenliga spielen werden. Wir möchten gerne eine noch bessere Rolle als in unserem ersten Hessenligajahr spielen und streben einen einstelligen Tabellenplatz an. Die Saison 2019/20 wurde zwar nur zu knapp zwei Drittel gespielt, doch unser Team hat im absolvierten Saisonverlauf reichlich Erfahrung sammeln können und wir konnten die richtigen Lehren ziehen.“

Sie haben bei einigen Vertragsverlängerungen und auch bei Neuverpflichtungen wie von Cem Kara und Semih Sentürk unter dem Slogan „Bedingungslos bis 2023“ lange Vertragslaufzeiten gewählt. Eine im Amateurfußball nicht alltägliche Herangehensweise. Was sind die Gründe?

„Wir wollen mit einer Kerngruppe über einen längeren Zeitraum erfolgreich sein und sehen das als Projekt an. Wir verstehen diese langfristigen Verträge als Signal, dass sich bei uns nicht jedes Jahr alles verändert. Wir wollen gemeinsam den nächsten Schritt machen und möchten dafür nachhaltig arbeiten. Die Vorwürfe, dass wir Spieler mit Geld zuschütten, kann ich nur müde belächeln, da ich die Zahlen kenne. Wenn wir den Spielern eine berufliche Perspektive bieten können, sehe ich darin nichts Verwerfliches, sondern eine Win-Win-Situation für alle Parteien.“

Hanau 93 mit ehrgeizigem Ziel: In drei Jahren Regionalliga

Jedes Projekt hat auch ein Ziel. Wie lautet das von Hanau 93?

„Wir wollen uns sportlich in der Hessenliga etablieren und am Ende dieser drei Jahre in der Lage sein, uns sportlich für die Regionalliga zu qualifizieren. Das hat auch nichts mit Größenwahn zu tun, da wir wissen, dass sich dafür strukturell noch viel verbessern muss. Aber wer keine Ziele hat, wird auch nicht erfolgreich sein.“

Ihr langjähriger Kapitän Kahraman Damar wollte die Schritte nicht mehr mitgehen und sucht beim Gruppenligisten SVG Steinheim eine neue Herausforderung.

„Wir bedauern das und hätten sehr gerne mit Kahraman Damar verlängert. Seine Verdienste und der sportliche Stellenwert für das Team sind unbestritten, daher sind wir traurig, dass er geht. Wir wünschen ihm für seine neue Aufgabe alles Gute.“

Zweite Mannschaft steigt nach Saisonabbruch in Gruppenliga auf

Die zweite Mannschaft, in der sie als Kapitän mitwirkten, profitiert vom Saisonabbruch und steigt aufgrund des besseren Quotienten gegenüber dem VfR Kesselstadt in die Gruppenliga Frankfurt Ost auf.

„Es tut mir leid für Kesselstadt, da eine Entscheidung am grünen Tisch niemals gerecht sein wird. Ich würde unseren Aufstieg dennoch als nicht unverdient bezeichnen, da wir eine starke Saison gespielt haben und auch aus den beiden Spielen gegen den VfR vier Punkte geholt haben. Wäre die Saison fortgesetzt worden, hätten wir aus meiner Sicht gute Chancen auf die Meisterschaft gehabt. Man muss Trainer Burim Gashi da ein großes Kompliment machen, er macht mit der Zweiten einen tollen Job und ist ein absoluter Glücksfall für den Verein.“

Ist die Teilnahme mit dem B-Team an der Gruppenliga Frankfurt Ost für den Verein eher Belastung oder Chance?

„Ganz klar Letzteres. Für junge, talentierte Spieler aus der Region bietet unsere zweite Mannschaft eine tolle Plattform, selbst wenn wir nicht mit finanziellen Anreizen locken können. Erstmannschaftstrainer Michael Fink legt großen Wert auf den Unterbau und ist mit Burim Gashi im ständigen Austausch. Wir wollen auch künftig weiterhin junge Spieler aus der zweiten Mannschaft an den Hessenliga-Kader heranführen und mit Einsatzzeiten für gute Leistungen belohnen.“

FC Hanau 93 will Jugendarbeit stärken

In Sachen Jugendarbeit konnte der FC Hanau 93 zuletzt nur wenige Akzente setzen.

„Wir sind auch dort aktiv, werden zur neuen Saison auch wieder eine A-Jugend stellen. Unser zweiter Vorsitzender Adolfo Alonso ist dort Trainer. Jugendarbeit ist kein einfaches Feld, vor allem wenn ein Verein mit seiner Sportanlage bei Jugendlichen und deren Eltern nicht punkten kann. Ich würde mein Kind auch eher in Erlensee als bei uns anmelden, da dort ganz andere Bedingungen herrschen.“

Sie liefern ein Stichwort. Unlängst hat auch Spielertrainer Michael Fink die Bedingungen an der Kastanienallee kritisiert und betont, seinen Vertrag kein weiteres Mal zu verlängern, wenn sich baulich an der kaum hessenligatauglichen Heimstätte etwas tut. Wie ist der Stand der Dinge ?

„Es wurde im Hintergrund viel geleistet, der Verein hat die Gemeinnützigkeit zurückerlangt und befindet sich im ständigen Austausch mit den städtischen Gremien. Unser Wunsch ist es, dass in einem ersten Schritt der Nebenplatz in einen Kunstrasenplatz umgebaut wird und eine Flutlichtanlage errichtet wird. In der Vergangenheit wurden Fehler gemacht, aber dafür haben sich im Hintergrund einige Menschen gerade gemacht. Daher sehen wir uns gut aufgestellt in dieser Hinsicht. Wenn wir als Traditionsverein in Hanau höherklassigen Fußball anbieten sollen, dann muss sich endlich etwas tun. Ist das nicht gewünscht, dann wird der Verein wohl oder übel bald wieder auf Kreisebene spielen.“

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