Jens Westenberger, Keeper des FC Hanau 93, hat sich nicht umsonst lang gemacht. Seine 93er haben das Stadtderby der Verbandsliga Süd gewonnen. Archovfoto: TAP

Hanau

Fußball: Großartige Stimmung beim Stadtderby

Fußball. Über 1000 Zuschauer bildeten im Herbert-Dröse-Stadion eine prächtige Kulisse für das Hanauer Stadtderby in der Verbandsliga Süd. Der große Andrang führte dazu, dass der sicher leitende Unparteiische Simon Heß (Bensheim) die Partie mit zehnminütiger Verspätung anpfiff.

Von Gert Bechert

Zumindest finanziell konnte Gastgeber SC 1960 Hanau zufrieden sein, ein kleines Trostpflaster für die 2:3-Niederlage in der Nachspielzeit gegen den FC Hanau 93.

Ob die 93er mit der Entthronung des HSC eine Zeitenwende eingeleitet haben, muss der weitere Saisonverlauf zeigen. Dass sie das Zeug dazu haben, unterstrichen sie am Sonntagabend nachhaltig. Michael Fink zeigte sich von der Stimmung im Stadion angenehm überrascht. „Das war besser als bei vielen Regionalligaspielen“, meinte der vom Regionalligisten SV Waldhof Mannheim an die Kastanienallee gewechselte ehemalige Profi.

Beide Fanlager sorgen für gute StimmungHSC-Stadionsprecher Christopher Bedikian tat alles, um die Stimmung anzuheizen. Im friedlichen Wettstreit zwischen den HSC-Ultras und den Supporters der 93er hatten die Gäste allerdings klar die Nase vorne. Bedikian räumte ein, dass der HSC hier noch Nachholbedarf habe. Was nicht auf eine Gruppe Wasserpfeifenrauchender Fans zutraf. Sie outeten sich als Freunde von HSC-Neuzugangs Güney Günel, der in Hanau die Crystal Shisha Lounge betreibt. Wenig zuschauerfreundlich waren die Trikots beider Vereine. Während man beim HSC die Nummern nur mit einem Feldstecher erkennen konnte – ein Problem, das nicht neu ist – reflektierten bei den 93ern die Nummern die milde Abendsonne, was ebenfalls zu Verwechslungen führte.

HSC ohne Braus, Hanau 93 ohne SkelaDie Trainer beider Teams konnten fast aus dem Vollen schöpfen. Während beim HSC einzig Rückkehrer Benjamin Braus fehlte – er ist noch wegen einer Roten Karte aus der letzten Saison bis Ende August gesperrt – mussten die 93er auf Ervin Skela verzichten, der bei Eintracht Frankfurt anderweitig verpflichtet war. Somit war Fink mit 35 Jahren ältester Akteur auf dem Platz. Das Kücken war der in der 53. Minute eingewechselte Engin Arslan mit 18 Lenzen. Der HSC-Youngster wurde in der 80. Minute zur tragischen Figur, als er sich nach einem Sturz an der Schulter verletzte und nur unter Schmerzen weiterspielen konnte.

Zur Pause war noch alles offenIn der Halbzeit zeigte sich Okan Sari noch zuversichtlich. „Wir müssen noch einen drauflegen“, forderte der sportliche Leiter des HSC. Kosuke Komiya vergab dann in der 50. Minute das mögliche 3:1, alle waren sich einig, dass dies spielentscheidend war. Giovanni Fallacara sprach von einem rassigen Spiel, das sehr von der Taktik geprägt sei. Trotz eines 1:2-Pausenrückstands war der Sportchef der 93er fest von einem Sieg seiner Mannschaft überzeugt. Er sollte Recht behalten.

Freude bei Dieter PockrandtGanz anders hörte es sich aus dem Munde von 93er Torjägerlegende Dieter Pockrandt an. Der 74-Jährige war nach 45 Minuten mit dem Auftritt seiner Mannschaft überhaupt nicht zufrieden. „Da ist zu wenig Tempo drin, aus dem Mittelfeld kommt zu wenig, wir haben uns kaum Chancen rausgespielt.“ Nach Spielschluss strahlte er über das ganze Gesicht. Mit einer beeindruckenden Schlussoffensive hatten die Gäste das Spiel noch aus dem Feuer gerissen.

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