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Familiensache gegen graue Haare: Der neue Coach und sein Stiefvater wollen Abstiegskampf vermeiden

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Neues Trainerduo: Tim Müller ist beim TSV Niederissigheim Sportlicher Leiter und Coach in Personalunion. Im Training und an der Seitenlinie wird er von seinem Stiefvater Kevin Moore (links) unterstützt.
Neues Trainerduo: Tim Müller ist beim TSV Niederissigheim Sportlicher Leiter und Coach in Personalunion. Im Training und an der Seitenlinie wird er von seinem Stiefvater Kevin Moore (links) unterstützt. © Scheiber

Familiär eng verbunden ist das neue Trainerduo beim TSV Niederissigheim. Kevin Moore arbeitet in der Saison 2022/23 mit seinem Stiefsohn Tim Müller zusammen. Müller, der auch Sportlicher Leiter ist, ersetzt Adrian Schmidt.

Bruchköbel – Nicht selten sprechen Fußballer von der „besonderen familiären Atmosphäre“, die den eigenen Verein auszeichne. In der Kreisoberliga Hanau ist das beim TSV Niederissigheim definitiv so. Zur neuen Saison hat der 26-jährige Tim Müller den Trainerposten von Adrian Schmidt übernommen und steht als Teil des Trainerduos gemeinsam mit Kevin Moore an der Seitenlinie. Seit über 20 Jahren ist Moore Tim Müllers Stiefvater.

Die Herausforderung, die mit ihrer Rolle als doppelte Übungsleiter einhergeht, sehen beide klar im sportlichen und nicht im privaten Bereich. „Ab und an sind wir beim Fußball schon unterschiedlicher Meinung“, betont Müller. Aber Streit um die Mannschaftsaufstellung sei bei einem Trainerduo normal, wie Moore erklärt. „Es wird offen diskutiert und wer die besseren Argumente bringt, setzt sich durch“, so der 52-Jährige, der bereits vergangene Saison die erste Mannschaft des TSV trainierte. „Es ist definitiv nicht verkehrt und ich fand es immer gut, wenn man jemanden hat, mit dem man diskutieren kann“, meint der mit der C-Lizenz ausgestattete Müller rückblickend auf seine bisherige Trainererfahrung bei der zweiten Mannschaft der Niederissigheimer und im Jugendbereich der SG Bruchköbel.

Völlig einer Meinung sind beide, wenn es um die Erwartungen an die kommende Kreisoberliga-Saison geht: „Abstiegskampf brauchen wir nicht!“ Erst am letzten Spieltag der vergangenen Runde war klar, dass der TSV nach einer starken Hin- und einer schwächeren Rückrunde definitiv die Klasse halten würde.

„Das Spiel der letzten Jahre war sehr auf die Offensive ausgelegt“, analysiert Müller, der gemeinsam mit Moore zukünftig gerne einen größeren Fokus auf defensive Stabilität legen möchte. Moore sieht dafür auch ganz pragmatische Gründe, denkt er beispielsweise an die spektakuläre 4:5-Niederlage in Niederrodenbach an besagtem letztem Spieltag: „Da kriegst du sonst graue Haare als Trainer draußen.“

Im Training arbeitet das neue Duo daraufhin, „vielleicht auch mal zuschauer-unfreundlicheren Fußball spielen zu lassen“, wie es Müller formuliert. Der Vorteil beim Coaching zu zweit: Die Mannschaft kann aufgeteilt werden und so spezifischer trainieren. „Tim macht meist die Spielform und ich dann die Fitness“, erklärt Moore. „Wir ergänzen uns ganz gut“, bestätigt Müller.

Der als Metzger im familieneigenen Betrieb arbeitende neue Trainer, der zudem noch das Amt des Sportlichen Leiters beim Kreisoberligisten bekleidet, freut sich auch über das gestiegene Trainingsniveau im Vergleich zu seiner bisherigen Arbeit als Trainer der Kreisliga-B-Mannschaft: „Alles ist ein bisschen technisch sauberer, Abschlusstraining und Spielform sind schon bisschen cooler“, zeigt er sich angetan von der Arbeit mit Spielern wie Kapitän Felix Linzbach, Spielmacher Daniel Ebell oder Stürmer-Ass Dominic Bernard.

Die anvisierte neue Spielweise kann ab dem kommenden Wochenende umgesetzt werden, dann startet die Kreisoberliga in die neue Runde. Für den TSV geht es dann nach der 1:5-Niederlage am Dienstagabend in der ersten Runde des Kreispokals gegen den Gruppenligisten SG Bruchköbel zum Auftakt ins Duell mit dem nicht viel weiter weg beheimateten FSV Neuberg. Die defensivere taktische Marschroute im ersten Saisonspiel ist klar, allerdings betont Müller: „Kompakt stehen heißt nicht, tief hinten drin zu stehen.“ Dann müssen die Niederissigheimer Defensivakteure die Neuberger Angreifer besser im Auge haben als den Bruchköbeler Offensivspieler Ronny Barthelmie, der am Dienstag in einem kartenreichen Pokalspiel (je fünf Gelbe Karten) mit einem Viererpack zum Mann des Abends avancierte.

Von Lennart Nickel

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