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Umfunktionierter Speerwurf: Ein dünner Stock und ein Ziel genügen, um die Disziplin nachzustellen.

Familien-Zehnkampf im eigenen Garten

Sportlicher Spaß für die ganze Familie, inspiriert von den „Königen der Leichtathleten“

Bis sich die Zehnkämpfer, gemeinhin „Könige der Leichtathleten“ genannt, wieder ihrer multidisziplinären Herausforderung stellen können, wird es angesichts der nationalen und internationalen Wettkampfabsagen wohl noch Wochen dauern.

Es muss aber nicht die große Bühne der Stadien sein, um einen Zehnkampf zu absolvieren, schon gar nicht für Leichathletikfans und deren Nachwuchs. Und so haben wir bei den Mehrkampf-Assen um den amtierenden deutschen Weltmeister Niklaus Kaul nur Anleihe genommen, um ein familientaugliches Sportfest auf die Beine zu stellen.

 Prinzipiell möglich ist dabei alles, was gefällt. Seilspringen, Himmel und Hölle, Hampelmänner, Eierlaufen, Sackhüpfen, Tennisballwurf – ruck, zuck sind da zehn spielerische Übungen gesammelt, die miteinander oder in gegenseitiger Konkurrenz der Fitness förderlich und der Langeweile abträglich sind. Um aber den leichtathletischen Grundgedanken vom „Laufen, Werfen und Springen“ im Fokus zu behalten, bietet sich eine Zusammenstellung im direkten Vergleich zu den einzelnen Wettkampfdisziplinen an. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle. Die Punkteverteilung sollte individuell variabel geregelt werden: Natürlich erhält der jeweilige Disziplinsieger einen Punkt. 

In Abhängigkeit vom Alter darf die Zählweise aber so geändert werden, dass es Punkte auch dann geben kann, wenn der Nachwuchs die Übung einfach „packt“, auch wenn Vater oder Mutter doch mal das bessere Ende für sich hatten. Stellt sich noch die Frage, wo es nun zur Sache geht. Spielplätze und Sportstätten sind gesperrt, also muss der Garten, eine Wiese, ein breiter Weg, eine freie Asphaltfläche oder Ähnliches herhalten. Spaß macht der Zehnkampf überall.

Der Speerwurf 

Zum Glück hat nicht jeder einen eigenen Speer im Privatbesitz, denn sonst würde es nicht nur in Richtung der Weltrekordweiten von 98,48 Metern bei den Männern (Jan Zelezny/1996) und 72,28 Metern bei den Frauen (Barbora Spotakova/2008) gefährlich zugehen. Für den Hausgebrauch reicht ein Stab oder ein dünner Ast, der hier zum Ziel-Speerwurf bestens geeignet ist. Für jeden Treffer der Zielscheibe oder eines anderen Objekts außerhalb der Reichweite von Autos, Fensterscheiben und Lebewesen wird sofort ein Bonuspunkt fällig. Wie beim Diskuswurf und Kugelstoß können wir uns an drei Versuchen orientieren oder einfach so oft wiederholen, wie es Spaß macht.

Der Diskuswurf 

Die Athleten müssen sich schnell drehen und weit werfen, um in die Nähe des Rekordes von 74,08 Metern bei den Männern oder 76,80 Meter bei den Frauen zu gelangen. Hoppla, die Frauen haben weiter geworfen als die Männer? Ja, das gibt es tatsächlich – und nicht nur wegen Dopings: Der Männerdiskus wiegt zwei Kilogramm, die Frauen schleudern lediglich ein Kilogramm von sich. Wir machen es uns noch leichter und nehmen entweder ein Frisbee, eine ähnliche Wurfscheibe oder einen Gummiring. Aus einem Drehwurf lassen sich zwar kaum 70 Meter und mehr erreichen, aber hier bekommt jeder Nachwuchssportler für schönes Gleiten auf dem Luftpolster mit Sicherheit einen Bonuspunkt.

Der Stabhochsprung 

Hierbei ist der 20-jährige Schwede Armand Duplantis mit 6,18 Meter der Überflieger der 2020er-Hallensaison. Während der junge Weltrekordler bereits im Alter von vier Jahren mit einem kleinen Stab im Wohnzimmer aufs Sofa sprang, verlagern wir die Szenerie nach draußen auf den Rasen und erproben uns im Stab-Weitsprung aus dem Anlauf, indem wir unseren Sprung mit beidhändig eingesetztem Stab verlängern. Möglich ist auch der Einsatz eines kompletten Straßenbesens, der durch die größere Auflage mehr Halt bietet und mit großzügiger Unterstützung in Form eines erhöhten Absprungs schon von den Kleinsten benutzt werden kann.

Der Kugelstoß 

Randy Barnes (USA) stieß 1990 die 7,26-Kilogramm-Kugel auf 23,12 Meter. So weit wirft manch einer nicht mit dem Ball. Wir nehmen uns aber ebendiesen vor, halten den Fußball oder Basketball mit beiden Händen vor der Brust und stoßen ihn dann aus dem Stand möglichst weit nach vorne, vielleicht sogar über ein aufgestelltes Hindernis. Einen Bonuspunkt ergattert, wer seine eigene Körpergröße, in die dreifache Weite umgerechnet, übertrifft.

Der 110-Meter-Hürdenlauf 

Der Weltrekord steht seit 2012 durch Aries Merritt (USA) bei 12,80 Sekunden, und diese Zeit kann unser Ziel sein. Auf unserer Zehn-Meter-Strecke stehen nun drei kleine Hindernisse, Kartons oder Hütchen, die wir überlaufen müssen. Zweimal hin und zurück unter Weltrekordzeit gibt direkt einen Bonuspunkt.

Der Hochsprung 

Der Männer-Weltrekordler Javier Sotomayor (Kuba) übersprang 1993 die Höhe von 2,45 Metern. Ein normaler Türrahmen ist etwa 2,15 Meter hoch, der Frauenrekord von Stefka Kostadinova (Bulgarien) steht bei 2,09 Meter. Schwierig, aber für die Größeren unter den Kindern machbar. Einfach Anlauf nehmen, abspringen und mit der Fingerspitze den Türrahmen berühren. Der Hochsprung ist freilich auch individuell einstellbar, wenn zwischen Pfosten oder Helfern ein Seil gespannt wird, das nach jedem erfolgreichen Durchgang höher gehängt wird. Bonuspunkte für die Eltern gibt es ab 2,45 Meter aufwärts, für Basketballspieler erst ab 3,05 Meter. So hoch hängt nämlich deren Korb.

Der 1500-Meter-Lauf 

Wir laufen aber keine 1500 Meter, sondern 15-mal ums Haus. Das dauert ziemlich lange und muss gut gezählt werden. Ohne Gehpause gibt es natürlich gleich einen Ausdauer-Bonuspunkt, und zumindest der sportliche Nachwuchs hat hier beim Wettrennen beste Chancen gegen alle Mamas und Papas, die noch nie in ihrem Leben 15-mal ums eigene Haus gerannt sind.

Der 100-Meter-Lauf 

Hier hält Usain Bolt (Jamaika) seit der WM 2009 in Berlin mit 9,58 Sekunden den Weltrekord bei den Männern. Wir schaffen das auch, aber anders. Ein ‧Zehn-Meter-Abschnitt reicht. Auf die Plätze, fertig, los – mit Zeitnahme. Das Ganze dreimal und die ‧Zeiten addieren. Schneller als 9,58 Sekunden gibt sogar noch einen Bonus-Punkt.

Der 400-Meter-Lauf 

Für die Zehnkämpfer die Abschlussdisziplin des ersten Wettkampftages mit Wayde von Niekerk (Südafrika/43,03 Sekunden) und Marita Koch (DDR/47,60 Sekunden) als Weltrekordlern. Wir nehmen unsere Zehn-Meter-Sprintstrecke und funktionieren sie zum Liniensprint um: jeden Meter eine Linie oder andere Markierung, die als Wendepunkt zurück zum Start fungiert. So lange, bis die zehn Meter der letzte Wendepunkt sind. Vorsicht, Drehwurm-Gefahr! Wer das ohne Schwindel schafft, hat sich einen Bonuspunkt verdient.

Der Weitsprung 

Der berühmte Bob Beamon (USA) sprang 1968 in Mexico City mit 8,90 Meter zum Olympiasieg. Mike Powell (USA) schaffte dann 1991 als Weltmeister den bis heute gültigen Rekord von 8,95 Meter, während bei den Frauen 7,52 Meter der Russin Tschistjakowa zu Buche stehen. Wir setzen auf den Standweitsprung: Dazu reicht uns ein Zollstock, neben dem wir aus dem Stehen leicht in die Hocke gehen, dann mit geschlossenen Füßen so weit wie möglich beidbeinig nach vorne springen und direkt die Weite ablesen.

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