Kristin "Bambi" Amos (Zweite von rechts) freut sich mit ihren Mitspielerinnen der deutschen Polizeinationalmannschaft über die Goldmedaille bei der Europameisterschaft. Foto: Privat

Bruchköbel

Europameistertitel mit Polizeinationalmannschaft für Kristin Amos

Handball. Kristin Amos, Noch-Torjägerin in Diensten von Oberligist SG Bruchköbel, darf sich seit dem Wochenende Europameisterin nennen: Die Rückraumspielerin holte mit der deutschen Polizeinationalmannschaft der Frauen am Sonntag in Göppingen den EM-Titel.

Von Robert Giese

Die torgefährlichste SGB-Spielerin der vergangenen Jahre hat indes ihren Abschied aus der Dreispitzhalle verkündet. Die 19-Jährige zieht es zur HSG Gedern/Nidda, die in der 3. Liga Ost aktuell an der Tabellenspitze steht – Amos könnte nächste Saison somit möglicherweise in der 2. Bundesliga spielen.

Mit der deutschen Polizeinationalmannschaft bewahrte sie in den fünf Turnierspielen eine weiße Weste und setzte sich im Finale deutlich mit 33:25 (17:8) gegen Frankreich durch. „Für mich war es ein tolles Erlebnis und eine große Ehre“, gab die 19-Jährige nach dem Titelgewinn zu Protokoll.

Nationalmannschaft statt OberligaAmos, die angehende Polizeikommissarin ist, hatte bei zwei Sichtungslehrgängen der Polizeinationalmannschaft Anfang des Jahres auf sich aufmerksam gemacht und war schließlich in den Kader der in Göppingen stattfindenden Europameisterschaft berufen worden. Dass sie für ihre EM-Teilnahme auf die Partie ihrer SG Bruchköbel gegen den Oberliga-Tabellenführer HSG Weiterstadt/Braunshardt/Worfelden verzichten musste, nahm Amos zähneknirschend in Kauf: „So eine Chance hat man nicht so oft, die Europameisterschaft findet schließlich nur alle vier Jahre statt.“

Die Rückraumspielerin und ihre Teamkolleginnen starteten gut ins Turnier, feierten in der Vorrunde einen knappen Sieg gegen Frankreich sowie deutliche Siege gegen die Teams aus der Schweiz und Ungarn und zogen als Gruppensieger ins Halbfinale ein, wo die norwegische Mannschaft auf Amos und Co. warteten. Deutschland erreichte nach einem 28:19 (15:11)-Sieg über Norwegen das Endspiel.

Musste sich erst an andere Schiedsrichterlinie gewöhnenDort kam es dann zur Neuauflage des ersten Gruppenspiels gegen Frankreich. „Vor 2000 Zuschauern das Finale zu bestreiten, war schon ein einmaliges Erlebnis“, zeigte sich Amos beeindruckt. Von dieser besonderen Atmosphäre wurde die deutsche Nationalmannschaft offensichtlich beflügelt, denn das deutsche Team führte schon zur Pause mit 17:8 und setzte sich am Ende mit 33:25 durch. „Den Titel haben wir anschließend selbstverständlich ordentlich gefeiert“, so Amos, die spielerisch viel mitgenommen hat. „Auf internationaler Bühne lassen die Schiedsrichter viel laufen, daran musste ich mich erst gewöhnen. Aber ich denke“, so die 19-Jährige, „dass mir diese Erfahrung in meiner weiteren Karriere sehr helfen wird.“

Diese Erfahrung wird sie allerdings nicht mehr im gelb-Schwarzen Trikot der SG Bruchköbel einbringen. Dass der Weg der Torjägerin sie irgendwann aus Bruchköbel fortführen würde, war auch ihrem jetzigen Trainer Stefan Wagner klar: „Sie ist eine der besten Schützinnen in der Oberliga, da gab es immer wieder Anfragen anderer Vereine. Für sie ist es richtig, jetzt diesen nächsten Schritt zu gehen, damit sie sich weiterentwickeln kann.“ Daraus, dass „Bambi“, auf deren Konto in dieser Saison bereits 180 Treffer gehen, seinem Team fehlen werde, machte der SGB-Coach keinen Hehl: „Für uns ist das sportlich ein herber Verlust.“

„Ich möchte meine Zeit hier gerne mit dem Klassenerhalt als Abschiedsgeschenk beenden.“Amos, die bereits vor vier Jahren bei der HSG Gedern/Nidda im Probetraining war und seitdem immer wieder mit dem Drittligisten in losem Kontakt stand, betonte ebenfalls, dass sie höherklassig spielen wolle – in Gedern habe sie dazu nun die Möglichkeit. Bis dahin würde sie sich allerdings völlig darauf konzentrieren, mit der SG Bruchköbel den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen. „Wir werden im Saisonendspurt alles reinwerfen, um den Abstieg zu verhindern“, verspricht die Rückraumschützin, „ich möchte meine Zeit hier gerne mit dem Klassenerhalt als Abschiedsgeschenk beenden.“

Um dann vielleicht sogar in Liga zwei auf Torejagd zu gehen? „Das wäre natürlich eine super Erfahrung“, meint sie mit Blick auf den möglichen Zweitliga-Aufstieg ihres zukünftigen Teams. Dieser ist allerdings noch lange nicht in trockenen Tüchern, denn bei vier noch ausstehenden Partien beträgt der Vorsprung von Gedern auf den schärfsten Verfolger, die HSG Kleenheim, lediglich einen Zähler; Mitte April treffen die beiden Kontrahenten im Kampf um den Aufstieg zudem noch im direkten Duell aufeinander. Amos drückt ihrem neuen Verein im Aufstiegskampf selbstverständlich kräftig die Daumen.

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