Auch auf dem Main darf wieder dem Sonnenaufgang entgegen gerudert werden.
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Auch auf dem Main darf wieder dem Sonnenaufgang entgegen gerudert werden.

Corona-Pandemie

Erlaubt, verboten, erlaubt: Chaotische Tage für die Ruderer

  • vonDavid Lindenfeld
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Wer in der vergangenen Woche den Überblick behalten wollte, hatte es nicht leicht. Rudern, Tennis und Golf waren in Hessen als Sportarten, die überwiegend allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand betrieben werden können, erst erlaubt, dann nicht mehr gestattet und dann wieder erlaubt.

Hanau – In der Corona-Verordnung von Bund und Ländern, die am 3. November in Kraft trat, waren Einzelsportarten zunächst nicht verboten worden. In den Auslegungshinweisen der hessischen Landesregierung, die im Anschluss veröffentlicht wurden, hieß es dann allerdings, dass alle Sportstätten geschlossen bleiben müssen – ein Widerspruch unter anderem für die Ruderer, die ihre Boote im Vereinsheim lagern. „Es war wirklich ein Riesen-Wirr-Warr“, sagt Berthold Ocker, Sportvorstand bei der Hanauer Rudergesellschaft.

Corona-Verordnungen das „Chaotischste, was ich je gesehen habe“

Die Verordnung wurde geändert, die angeordnete- Sportstättenschließung in ihr aufgenommen – in den Auslegungshinweisen wurde den Ruderern aber eine Sonderposition zu Teil, die besagte, dass diese ihren Sport weiterhin ausüben dürfen. „Das war das Chaotischste, was ich je gesehen habe“, sagt Ocker zu dem Hin und Her.

Der Sportvorsitzende des Ruderclubs Hassia pflichtet ihm bei. „Wir müssen ständig total schnell reagieren. Das ist wirklich sehr anstrengend“, sagt Stefan Buschbeck. Er hat die eine oder andere Datei auf seinem Computer aus dem ersten Lockdown mit Verhaltenshinweisen gespeichert, die er nun wieder hervorkramen, aktualisieren und im Anschluss wieder veröffentlichen kann.

Ruderklubs stehen vor komplizierten Herausforderungen

Nichtsdestotrotz muss mit jeder neuen Verordnung jedes Konzept der Klubs wieder auf den Prüfstand. Beachtet werden müssen dabei stets die unterschiedlichen Vorgaben von Bund, Land, Kreis und Stadt, die nicht selten voneinander abweichen. „Es wird alles immer komplizierter“, sagt deshalb Buschbeck, dem aber vor allem die häufigen Änderungen zu schaffen machen.

Die Hassia organisiert die Abläufe aktuell so, dass möglichst alle im Verein etwas davon haben: Die Breitensportler, die im Einer oder im Zweier auf das Wasser wollen und die Spitzensportler. Hierbei ist vieles zu beachten, da sich auf der Anlage nur so wenige Sportler – wenn möglich sogar gar keine – begegnen sollen.

Hanauer Rudergesellschaft erstellt Trainingspläne für Mitglieder

Auch bei der HRG fahren die Boote weiter über den Main. Zudem wurden von den Trainern nun wieder Trainingspläne erstellt, die von den Mitgliedern zu Hause abgearbeitet werden können. Die Flexibilität, die die Vereine in diesen Zeiten mitbringen müssen, um die Maßnahmen der Politik umsetzen zu können, ist groß. Und sie ist notwendig, um zu bestehen. Schließlich muss jeder Klub seinen Mitgliedern auch in Zeiten einer Pandemie etwas bieten. Zumindest das, was möglich ist.

Angenommen werden die Angebote aber nicht immer. Normalerweise, sagt Ocker, habe die HRG in der Woche rund 60 bis 70 Ruderer auf dem Wasser. Im Einer oder im Zweier über den Main zu schippern, ist aber nicht jedermanns Sache. Die Nachfrage ist deshalb nicht sonderlich groß: „Wenn bei uns aktuell in der Woche zehn Personen auf das Wasser gehen, ist das viel.“

Ruderer glauben nicht an hohes Infektionsrisiko an der frischen Luft

Verständnis haben beide Vereinsvertreter für die Maßnahmen: „Man muss ja irgendwie erreichen, dass die Zahlen wieder sinken. Das geht nur mit der Einschränkung von Kontakten“, sagt Buschbeck. Ocker glaubt zwar nicht, dass das Infektionsrisiko beim Rudern sonderlich groß ist, da der Sport an der frischen Luft betrieben wird. Und weil die Athleten im Boot einen stetigen Abstand von 1,30 Meter zueinander haben.

Dennoch kann Ocker nachvollziehen, dass die Politik auch den Rudersport einschränkt und das Fahren auf dem Wasser in Viererbooten zum Beispiel nicht erlaubt. „Wir müssen etwas tun, wenn man sich die Corona-Zahlen anschaut.“

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