Bei der WM 1986 begeisterte Diego Maradona viele. Auch Frank Eisenzehr aus Bruchköbel ist seitdem riesiger Fan des am Mittwoch verstorbenen Weltklasse-Fußballers. „Vielleicht einer der größten in Deutschland“, meint er.
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Bei der WM 1986 begeisterte Diego Maradona viele. Auch Frank Eisenzehr aus Bruchköbel ist seitdem riesiger Fan des am Mittwoch verstorbenen Weltklasse-Fußballers. „Vielleicht einer der größten in Deutschland“, meint er.

Bruchköbeler benannte seinen Sohn nach dem verstorbenen Fußballstar

Er ist einer der größten Maradona-Fans Deutschlands

  • vonDavid Lindenfeld
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Die Fußballwelt trauert. Nach dem Tod von Diego Maradona erweisen ihm in seinem Heimatland Zehntausende Menschen die letzte Ehre. Maradona, der Nationalheld. Einer der größten deutschen Verehrer des Weltmeisters von 1986 ist der Bruchköbeler Frank Eisenzehr.

Bruchköbel – Aus seiner großen Leidenschaft macht Frank Eisenzehr keinen Hehl: „Ich laufe eigentlich täglich im Trainingsanzug vom Verein rum. Und wenn nicht: Dann meistens in Argentinien- oder Maradona-Klamotten“, sagt der Trainer der Eintracht-Sportfreunde Windecken. Im Kreis Hanau ist er unter den Kickern eine bekannte Persönlichkeit – und das nicht nur, weil er schon an vielen Standorten als Spieler oder Trainer aktiv war.

Viele wissen, dass Eisenzehr großer Fan des am Mittwoch im Alter von nur 60 Jahren verstorbenen Diego Armando Maradona ist. „Vielleicht einer der größten in Deutschland“, fügt der 41-Jährige hinzu. Er verweist bei diesen Worten auf seinen Sohn, dem er wegen seines Idols den Namen Larry Maradona gab. Und auch sein mittlerweile verstorbener Rottweiler hörte auf den Namen Maradona. Seine große Sammlung mit Trikots, T-Shirts und Postern, von dem eines sogar von Maradona signiert worden sein soll.

Wie bei vielen Anhängern des exzentrischen Spielmachers begann alles mit der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko, mit der „Hand Gottes“ und dem Tor des Jahrhunderts. Eisenzehr war sieben Jahre alt, schaute mit der Familie die WM und war begeistert von der Spielweise des Superstars: der Leichtigkeit, mit der Maradona die Bälle streichelte, den genialen Pässen, den Dribblings, den Toren und den Tricks.

Bruchköbeler wollte Maradona nach WM-Sieg Kuchen backen

Als Argentinien das Finale mit 3:2 gegen die Bundesrepublik gewann, war Eisenzehr einer der wenigen in Deutschland, die sich freuten. Der Siebenjährige schlug seinen Eltern vor, einen Kuchen zu backen und ihn Maradona an den Flughafen zu bringen, erinnert er sich heute. Wie weit Argentinien von Deutschland entfernt ist – dafür hatte Eisenzehr noch kein Gespür. Wohl aber für den Zauber, den Maradona auf dem Platz versprühte. Es war der Moment, in dem der Argentinier in seiner Heimat unsterblich wurde. Und in dem in Bruchköbel ein Siebenjähriger über den Bildschirm die große Anziehungskraft des damals weltbesten Fußballers verspürte.

Mit seiner Leidenschaft war Eisenzehr auf den Bolzplätzen der Region ziemlich allein. Andere fanden Lothar Matthäus gut. Er Maradona. Sein erstes Trikot von seinem Vorbild bekam schenkte ihm ein Fußballkamerad, weil diesem das Argentinien-Leibchen nicht mehr passte. Eisenzehr trug es fortan bei jedem Jugendspiel unter dem eigenen Trikot.

Sammlung an Maradona-Shirts immer größer

Am Balaton in Ungarn kaufte er im Urlaub einem Einheimischen ein DIN-A4-Poster ab, das er durch Zufall sah. „Ich bin durch Maradona Argentinien-Fan geworden“, sagt Eisenzehr. Beim WM-Finale 1990, das die Deutschen für sich entschieden, hielt er zu Weiß-Blau. „Wir waren damals in den Alpen im Urlaub. Ich weiß noch, dass ich der einzige war, der beim Tor nicht aufgesprungen ist.“ Über die Jahre ist die Sammlung von Eisenzehr gewachsen: Zahlreiche Shirts mit Argentinien- oder Maradona-Bezug befinden sich in seinem Besitz. Darunter auch ein Maradona-Trikot, das für den Auftritt des argentinischen Stars beim Matthäus-Abschiedsspiel hergestellt wurde. Eisenzehr hat es für 200 Euro ersteigert.

Und der 41-Jährige besitzt auch ein Poster, das von Maradona persönlich unterschrieben worden sein soll. Es hing in Kindheitstagen bei Freunden im Zimmer, deren Eltern Verbindungen nach Italien hatten, wo Maradona für Neapel spielte. „Das Poster war schon halb zerrissen. Ich habe gefragt, ob ich es mitnehmen kann“, erzählt Eisenzehr. Er durfte und flickte das 1,20 auf 1,10 Meter große Bild wieder zusammen, das bald einen angemessenen Platz in einem Rahmen erhalten soll.

Todesnachricht war für den Bruchköbeler ein kleiner Schock

Der Niedergang des einstigen Weltstars, seine viele Drogen-Eskapaden, seine Skandale und die Nähe zu autoritären Führern und Regimen sind Dinge, die einem Fan wie Eisenzehr „wehgetan haben“. Von seinem Tod zu erfahren, sei ein kleiner Schock gewesen: „Es war aber nicht so, dass ich bei der Nachricht weinend auf die Knie gefallen bin.“

Der vielleicht größte „Zehner“ aller Zeiten erlebte einen rasanten Aufstieg. Er war einer, der es aus den Slums von Buenos Aires von ganz unten nach ganz oben geschafft hatte. Seit dem WM-Sieg 1986 ist er ein Volksheld, ein Heiliger in seiner Heimat, wo sie ihn „El Pibe de Oro“ (Goldjunge) nennen und nun eine dreitägige Staatstrauer angeordnet wurde. Maradona kam wohl mit dem Ruhm nicht zurecht, driftete in Neapel in die falschen Kreise ab. „Es war auch keine einfache Situation für ihn. Das können die Stars von heute gar nicht nachvollziehen“, sagt Eisenzehr: „Wenn Bilder von Jesus in Kapellen abgehängt und von ihm aufgehängt werden.“

Als Maradona Thomas Müller einen Balljungen nannte

Die Diskussion, wer der Größte war, ist müßig: „Maradona ist einer der Besten gewesen. Den Besten gibt es nicht“, sagt Eisenzehr. Schließlich kann man Spieler aus verschiedenen Epochen nur schwer miteinander vergleichen. Der Bruchköbeler erinnert sich auch an die Situation bei der WM 2010, als der Argentinier Thomas Müller für einen Balljungen hielt. „Er hat gerne gezeigt, dass er der Größte ist“, sagt der 41-Jährige.

Für Eisenzehr wird er das auch bleiben.

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