In Diensten der Eintracht: Uwe Bindewald ist einer von vielen ehemaligen Profis, die heute ihr Wissen und Können in der Eintracht-Frankfurt-Fußballschule weitergeben. Foto: Thorsten Jung

Fußball

Eintracht-Legende Uwe Bindewald wird von Fans noch immer geliebt

Fußball. Der Papa wird noch heute von den Eintracht-Fans vergöttert, der Nachwuchs lernt beim FC Erlensee das Kicken. 437 Pflichtspiele bestritt Uwe Bindewald für seine SGE. Nie kehrte der Abwehrspieler den Frankfurtern den Rücken.

Von Thorsten Jung

Bindewald schwelgt im Gespräch mit dem HANAUER in Erinnerungen früherer Tage, lobt die Jugendabteilung des FC Erlensee und verrät, wie er sich am liebsten Spiele seiner Söhne ansieht.

Niklas Bindewald ist Stürmer in der U16 des FC Erlensee. „Er ist fußballbesessen, will immer weiter und höher kommen und hat eine richtig gute Einstellung“, beschreibt Papa Uwe seinen jüngeren Sohn. „Ich war zuerst etwas skeptisch, aber er macht das vorne wirklich gut“, blickt das einstige Defensiv-Ass auf die Position des Jüngsten im Offensivbereich.

Älterer Sohn ist "pfeilschnell"

Auch Uwe Bindewalds älterer Sohn ist nicht in die Fußstapfen seines Papas als Abwehrspieler getreten. „Marius ist ein Elfer oder Siebener, kommt über außen, weil er pfeilschnell ist“, so der Papa. Neben Marius’ Schnelligkeit imponiert seinem Vater auch dessen starker linker Fuß. „Den hat er schon mal nicht von mir“, meint Uwe Bindewald und schmunzelt. „Auch die gute Technik hat er nicht von mir“, ergänzt er. „Er ist aber auch bissig und gallig.“ Das hat Marius schon eher von seinem Vater, der zwischen 1988 und 2004 für die Eintracht auflief und sich als eisenharter Verteidiger einen Namen machte.

Der ältere der Bindewald-Söhne hat sich nach der A-Jugend eine Auszeit genommen. „Er hat sein Abi gemacht und fängt jetzt eine Ausbildung an. Mal sehen, wohin sein Weg geht. Ich glaube schon, dass er wieder anfangen wird zu kicken“, so Uwe Bindewald, der verrät: „Marius hatte auch ein Angebot von der ersten Mannschaft aus Erlensee.“

Uwe Bindewald selbst liebt die Eintracht, verließ den Klub nie und hielt ihm auch im Anschluss an seine Profikarriere die Treue. „Natürlich hat man in 15 Profijahren viele Trainer erlebt und es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen. Aber ich bin ein heimatverbundener Mensch, brauche mein Umfeld, die Familie. Daher konnte ich mir nie vorstellen, woanders hin zu gehen“, sagt der inzwischen 50-Jährige rückblickend und ergänzt: „Wenn ich noch mal beginnen würde, würde ich alles wieder so machen.“

Weiterhin für die Eintracht aktiv

Uwe Bindewald stammt aus dem Friedberger Stadtteil Dorheim, wo er heute noch immer lebt und mit der Soma trainiert. Außerdem schnürt er seine Fußballschuhe weiter für die Eintracht. Ob bei Spielen der Traditionsmannschaft oder als Trainer der Eintracht-Frankfurt-Fußballschule. „Das macht viel Spaß. Man spricht über alte Zeiten, philosophiert, verfolgt die Eintracht. Es tut gut, mit den Jungs auf dem Platz zu stehen“, sagt Uwe Bindewald strahlend über die gemeinsame Zeit mit Manni Binz, Rudi Bommer oder Charly Körbel. „Auch zu Oka Nikolov habe ich noch immer einen Draht.“

Eine besondere Beziehung hatte Uwe Bindewald schon immer zu den Fans der Eintracht. Die verpassten ihm einst den Spitznamen „Zico“ und vergöttern ihn noch heute. Noch immer schallen Uwe-Bindewald-Schlachtrufe durch die Commerzbank-Arena. „Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt die Eintracht-Ikone und nimmt immer wieder das Wort Gänsehaut in den Mund. „Vor 50 000 Zuschauern einzulaufen, ist Gänsehaut pur. Das kann man nicht mit Geld kaufen – wenn alle deinen Namen singen oder einen Schlachtruf für dich haben.“

Auch seinen Jungs erzählt er ab und zu von der eigenen Profikarriere. „Natürlich fragen sie mal nach oder reden mal von Spielen gegen Superstars, die ich gemacht habe. Das ist aber schon lange her, wobei sich Marius schon noch ein wenig an die damalige Zeit und den ein oder anderen Profi bei uns zu Hause erinnern kann“, so Papa Bindewald, der manchmal auch einstecken muss: „Ich bekomme schon mal Sprüche über meinen damaligen Schnauzbart, die höher gezogene Hose oder die weiteren Trikots unter die Nase gerieben.“

Weiterentwicklung beim FCE

Uwe Bindewalds Söhne haben ihre fußballerischen Fähigkeiten in den vergangenen Jahren beim FC Erlensee weiterentwickelt. „Marius hat davor beim Karbener SV gespielt und eine Anfrage aus Erlensee bekommen. Der Kleine hat in Wölfersheim/Dorheim gespielt und wollte dann nachziehen. Er hatte den Biss, hat sich selbst angeboten, ein Probetraining absolviert und es dann auch geschafft“, beschreibt der Ex-Profi den Weg an den Erlenseer Fliegerhorst.

Er selbst steht bei Spielen seiner Kids am liebsten alleine am Spielfeldrand. „Meistens schaue ich mir die Spiele alleine an, um sie auch in Ruhe analysieren zu können. In Gesellschaft wird doch mal ein bisschen gebabbelt und man wird abgelenkt“, sagt Uwe Bindewald, der bei den Jugendspielern seiner Söhne häufig auf die eigene Fußball-Vergangenheit angesprochen wird.

Der Weg der Erlenseer Jugendabteilung führte in den vergangenen Jahren steil nach oben, kommende Saison treten drei Nachwuchsmannschaften in der jeweiligen Hessenliga an. „Erlensee hat ein tolles Gelände. Gute Trainingsbedingungen und engagierte Trainer zu haben, ist sehr wichtig. Es passt“, lobt Uwe Bindewald. Der 50-Jährige, der nach seiner Karriere in der Jugendabteilung der Eintracht als Trainer arbeitete, wagt auch einen Blick in die Zukunft. „Man muss immer schauen, was man erreichen will. Will man ein Nachwuchsleistungszentrum werden? Wenn der FC Erlensee das Level halten kann, das der Verein aktuell hat, wäre das wunderbar für die Region.

Deutlich höherer finanzieller Aufwand

Der nächstgrößere Schritt mit der U15 in der Regionalliga oder in der Junioren-Bundesliga zu spielen, ist eine andere Hausnummer. Der finanzielle Aufwand ist beispielsweise deutlich höher. Klar wäre es sportlich interessant, aber man müsste auch Spieler bekommen, um diese Klasse halten zu können“, mahnt Uwe Bindewald, der dem Klub seiner Söhne viel abgewinnen kann: „Der FC Erlensee ist ein toller Verein. Wenn mich Eltern fragen, kann ich diesen weiter empfehlen. Die Trainer machen einen guten Job.“

Wie der FCE hat auch die Eintracht zuletzt eine sehr positive Entwicklung genommen, was Uwe Bindewald hautnah miterlebt. „Ich bin bei der Eintracht angestellt. Wir haben unser Büro an der Commerzbank-Arena, daher sind wir nah an den Profis dran, schauen auch mal im Training vorbei. Man kennt das Trainerteam, die Spieler, wechselt ein paar Worte“, berichtet Uwe Bindewald, der die „großartige Entwicklung“ lobt und es sehr bemerkenswert findet, „was Fredi Bobic mit seinem Team in den letzten Monaten erreicht hat“.

Den Weg seiner Eintracht wird er ganz genau beobachten, wie auch den seiner Söhne – ob beim FC Erlensee oder vielleicht ja auch mal in einem Bundesligastadion.

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