Hanau

Eintracht Frankfurt: "Fuzzy" schenkte Inter zwei Tore ein

Fußball. Tore im Dress von Eintracht Frankfurt gegen Inter Mailand schießen? Das geht, weiß Karl-Heinrich „Fuzzy“ Schleiter aus eigener Erfahrung.

Von Julia Meiss

Dem ehemaligen Zweitliga-Spieler des FC Hanau 93 wurde 1971 eine besondere Ehre zu Teil, denn der Stürmer durfte mit den Adlerträgern vom Main an einem prestigeträchtigen Turnier in Italien teilnehmen und schenkte Inter Mailand in Hin- und Rückspiel jeweils ein Tor ein.

Als eine der wenigen ausländischen Mannschaften wurde Eintracht Frankfurt in der Saison 1970/71 zu dem Turnier für U19- und U21-Mannschaften eingeladen, das seit Jahrzehnten in der nordwestlichen Toskana, in der Stadt Viareggio, ausgetragen wird. So auch heute noch, aktuell läuft das „Torneo Mondiale di Calcio Coppa Carnevale“, der internationale Karnevalpokal für Italiens Nachwuchsmannschaften.

Zwei Tore von Schleiter reichten nicht

„Fuzzy“ Schleiter war ebenfalls dabei, denn er spielte ab 1969 in der Jugend der SGE und war einer von sechs A-Jugendlichen, die den Trip in die Toskana mit antreten durften. Nach Mailand schickte der hessische Traditionsverein eine gemischte Mannschaft aus U21-Spielern, Amateuren und Profis. Trainer Udo Klug und Assistent Andy Nusser setzten auf die Torhüter Dieter Rudolf und Peter Schmidt und auf die Profis Friedhelm Aust sowie Walter Wagner. Von den Amateuren waren etwa Hartwig Droste (später SV Darmstadt 98), Kurt Todt und Gerrit Stengel mit dabei. Auch Youngster Helmut Müller, der 1980 mit der Eintracht den Uefa-Cup gewann, gehörte dazu.

Im Achtelfinale des Turniers kam es zu einem der bis heute rar gesäten Aufeinandertreffen der beiden europäischen Traditionsklubs. „Es ist ungewöhnlich, dass zwei so große Vereine so selten gegeneinander gespielt haben“, wundert sich der Florstädter Schleiter über die wenigen Duelle. Die zwei Spiele, die Schleiter gegen Inter Mailand bestritt, hatten aber kein gutes Ende für die Frankfurter. In Ponsacco setzte sich 1971 Inter Mailand mit 2:1 gegen die Frankfurter durch. Das Tor für die Hessen schoss Schleiter. Auch bei der 2:4-Niederlage im Rückspiel in Viareggio hatte der Stürmer den Kickern aus der Modestadt ein Tor eingeschenkt.

Mitglied bei Inter Mailand

Besonderes Highlight für die Gäste aus Frankfurt war damals ihr „Pate“. Die ausländischen Teams hatten während des Turniers einen Paten zur Seite gestellt bekommen und im Fall der Frankfurter war das Alessando „Sandro“ Mazzola, Star von Inter Mailand. Er nahm sich Zeit für eine Trainingseinheit mit den Gästen und verweilte noch bis nach dem Abendessen bei den Hessen. Die Begegnung mit Mazzola hat Schleiter besonders imponiert, der seitdem selbst ein „großer Anhänger“ der Kicker aus der Lombardei ist. Außer am heutigen Donnerstagabend.

Für das heutige Rückspiel im Achtelfinale der Europa League drückt „Fuzzy“ Schleiter nämlich der Eintracht die Daumen: „Ich glaube, es ist ein 50:50-Spiel. Ich sehe aber auch eine Chance für die Eintracht und drücke den Frankfurtern mehr die Daumen. So weit geht die Liebe für Inter Mailand dann doch nicht“, sagt der 66-Jährige. Immerhin ist Schleiter Mitglied bei Inter Mailand. Und zwar seit dem WM-Jahr 1990. Damals arbeitete er bei einer italienischen Bank, schaute sich zahlreiche WM-Spiele live an und die Mitgliedschaft bei Inter Mailand „hat sich dann irgendwann so ergeben“.

Stürmer bei FC Hanau 1893

Die Eintracht hat „Fuzzy“ Schleiter 1972 in Richtung seines Heimatvereins FC 1920 Florstadt verlassen, mit dem er in der folgenden Saison den Hessenpokal gewann. Das Intermezzo bei seinem Heimatklub währte nicht lange, denn die nächste Station des heute 66-Jährigen hieß Böllenfalltor. Mit dem SV Darmstadt 98 spielte der Florstädter in der 2. Bundesliga.

Weiter führte ihn sein Weg dann im Sommer 1978 nach Hanau, wo der Stürmer beim FC Hanau 93 die glorreichen Zeiten im deutschen Unterhaus miterlebte und prägte. Zum großen Vereinsjubiläum im vergangenen Jahr war Schleiter dann nicht nur bei der Podiumsdiskussion mit Hanaus Ehrenbürger und Weltmeister Rudi Völler ein gern gesehener Gast, sondern auch im Sturm der Traditionsmannschaft.

Der frühere Fußballprofi, der auch seine Spuren in Hanau hinterlassen hat, kann sich heute Abend zurücklehnen, das Europa-League-Spiel genießen und an seine eigenen Tore gegen Inter Mailand zurückdenken.

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