So ganz aufhören kann sie dann doch nicht: Christa Seibel hört im Jahr ihres 50-jährigen Trainerjubiläums zwar als Übungsleiterin der TG Hanau auf, bleibt „ihrem“ Verein aber in anderer Funktion noch erhalten.
+
So ganz aufhören kann sie dann doch nicht: Christa Seibel hört im Jahr ihres 50-jährigen Trainerjubiläums zwar als Übungsleiterin der TG Hanau auf, bleibt „ihrem“ Verein aber in anderer Funktion noch erhalten.

Turnen

Eine Vereinsikone der TG Hanau hört auf: Christa Seibel tritt kürzer

  • VonGert Bechert
    schließen

50 Jahre Turntrainerin bei der TG Hanau: Christa Seibel blickt auf eine ereignisreiche Reise als Übungsleiterin zurück, die sie nun mit ihrem 50-jährigen Jubiläum beendet.

Hanau – Der vergangene Freitag war ein sehr emotionaler Tag für Christa Seibel. Kurz vor 16 Uhr betrat sie die altehrwürdige Jahnhalle zum letzten Mal als Übungsleiterin. Vor 50 Jahren startete die mittlerweile 68-Jährige ihre beispielhafte Übungsleitertätigkeit in der Turnabteilung der TG Hanau. Heirat und Geburt zweier Töchter unterbrachen ihre ehrenamtliche Tätigkeit nur kurz. Vier Altersgruppen betreute sie in den vielen Jahren: von den Kleinkindern bis zu den 19-Jährigen. Am Freitag demonstrierten - mit Ausnahme der Jüngsten - nochmals ihre Schützlinge ihr Können. Auch kleine Geschenke gab es für die beliebte Übungsleiterin.

Es folgte im Olympiaraum der Jahn-Gaststätte die offizielle Verabschiedung durch den Verein und den Turngau Offenbach/Hanau. Abteilungsleiterin Monika Sönning ließ nochmals den Werdegang Christa Seibels Revue passieren und dankte ihr für die vielen Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit. Rüdiger Arlt würdigte ebenfalls die vorbildliche Tätigkeit Seibels. „Das ist schon eine außergewöhnliche Leistung, besonders für die Kinder hat Christa extrem viel getan“, sagte der TGH-Präsident. Dabei sei ihre Art, wie sie auch die Eltern mit einband, vorbildhaft gewesen.

Familie Seibel hat Rope Skipping nach Hanau gebracht

Auch in puncto Integration habe sie viel bewirkt. Arlt erinnerte daran, dass Christa Seibel auch in der damals neuen Sparte Rope Skipping gemeinsam mit ihrem Mann Reiner und den beiden Töchtern Ina und Anja viel Pionierarbeit geleistet hat. „Christa Seibel hinterlässt eine große Lücke. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass ihre Nachfolgerin, die sie selbst noch ausgebildet hat, schnell in ihre Fußstapfen treten wird“, blickte Arlt auch noch nach vorne. Für ihre außergewöhnliche ehrenamtliche Tätigkeit war die gebürtige Hanauerin, die seit ihrer Heirat in Maintal wohnt, neben vielen weiteren Ehrungen 2012 mit dem August-Schärttner-Preis und ein Jahr später mit der Sportplakette der Stadt Hanau ausgezeichnet worden.

Christa Seibel entstammt einer Ur-TGH-Familie, bereits mit drei Jahren meldeten ihre Eltern sie bei der TGH an. Beide Elternteile engagierten sich im Verein, Mutter Else Löwer wurde aufgrund ihrer großen Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt. Die mütterlichen Gene gingen auf die Tochter über, auch für Christa Seibel wurde die TGH zur zweiten Familie. Ehemann Reiner bestätigt dies: „Wenn man eine Löwer-Tochter heiratet, weiß man, dass man den Verein mitheiratet“, meint der Wachenbuchener lachend. Auch der Umzug nach der Heirat in den kleinsten Maintaler Stadtteil änderte nichts am Engagement Christa Seibels für „ihren“ Verein.

Prägend für sie war Jula Hof, eine TGH-Ikone, nach der auch die Sportanlage am Philipp-August-Schleißner-Weg benannt ist. „Unter ihr begann ich meine sportliche Laufbahn im Gerätturnen. Auf ihr Drängen hin erwarb ich 1971 die Übungsleiterlizenz für den Bereich Turnen“, erinnert sich Christa Seibel im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. Sie begann mit einer Mädchengruppe ab acht Jahren, im Laufe der folgenden 30 Jahre kamen weitere Gruppen dazu: Kleinkinder von drei bis fünf Jahre, Mädchen von sechs bis zehn Jahre, Mädchen ab zehn Jahre und eine Mädchen-Wettkampfgruppe ab sechs Jahre. Insgesamt waren es rund 100 Sportlerinnen, die sie in der Woche an drei Tagen betreute. Wozu noch an einigen Wochenenden die vom Turngau Offenbach/Hanau ausgeschriebenen Wettkämpfe dazu kamen. Ein mehr als ausfüllendes Programm, was ohne das Verständnis der Familie nicht möglich gewesen wäre.

Und dann gesellte sich noch Anfang der 2000er Jahre die Trendsportart Rope Skipping dazu, die sie bei einem Seminar des Hessischen Turnverbandes kennengelernt hatte. „Die Sache begeisterte mich. Gemeinsam mit Monika Sönning und meinen beiden Töchtern Ina und Anja starteten wir 2000 das Projekt Rope Skipping.“ Eine Tätigkeit, in die auch Ehemann Reiner als Zeugwart mit eingebunden war. Beide erinnern sich gerne an diese Zeit zurück. „Wir waren immer mit von der Partie, auch zu Wettkämpfen im Ausland“, sagen beide unisono, wobei Reiner Seibel besonders der Trip nach Hongkong im Gedächtnis haften geblieben ist. Mit dem Ausscheiden der beiden Töchter war das Thema Rope Skipping im Jahr 2019 nach 19 Jahren für Familie Seibel beendet.

Zwei Jahre später folgte jetzt das Ende ihrer Übungsleitertätigkeit bei der TGH. Von der Fitness her hätte sie ohne Weiteres noch ein paar Jahre dranhängen können. „In puncto Liegestütze machte mir keines meiner Mädchen etwas vor“, berichtet Christa Seibel mit einem verschmitzten Lächeln. Aber irgendwann muss einmal Schluss sein. „Was bietet sich da besser an, als das 50-jährige Jubiläum als Trainerin“, begründet sie ihren Entschluss, aufzuhören. Langweilig wird es im Hause Seibel nicht werden, dafür sorgen schon die beiden Enkel, die direkt neben den Großeltern wohnen. Und ganz verabschiedet hat sich Christa Seibel von der TGH (noch) nicht. Seit März 2012 ist sie Vorstandsmitglied und für die Seniorenarbeit zuständig. „Dieses Amt sowie meine Tätigkeit als Pressewartin für die Turnabteilung werde ich weiter ausüben“, betont sie. Da blitzen wieder die Gene ihrer unvergessenen Mutter Else Löwer durch. (Von Gert Bechert)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema