Zu wenige Leute, unwichtige Themen: Das sind Punkte, die Ralf Uhrig in seinem Verein ausgemacht hat. Der Vorsitzende des VfB Großauheim will sich mit seinen wenigen Mitstreitern um wichtigere Belange kümmern und erhofft sich mehr Manpower. Foto: Thorsten Jung

Hanau

Ehrenamt: Käsebrötchen statt Vereinskonzept beim VfB Großauheim

Fußball. Viel Arbeit, wenig Freiwillige. Das Problem vieler Fußball- und auch anderer Sportvereine, engagierte Helfer für die Tätigkeiten im Verein zu finden, ist allgegenwärtig. So auch beim VfB Großauheim, bei dem die Problematik bei der Jahreshauptversammlung einmal mehr offensichtlich wurde.

Von Michael Bellack

Inklusive Jugendspielern haben die Großauheimer rund 350 Mitglieder, 160 davon sind wahlberechtigt. 37 kamen zur Jahreshauptversammlung. Die Zahlen sprechen für sich. Die Bereitschaft, Ehrenämter zu übernehmen oder sich anderweitig in einem Verein zu engagieren, ist gering. „Das ist ein gesellschaftliches Problem. Die Leute scheuen davor, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Ralf Uhrig, Vorsitzender des VfB.

Zudem fehle oft die Identifikation mit den Vereinen, Umzüge und Vereinswechsel schon in jungen Jahren erschweren es, bei einem Verein heimisch zu werden. „Dass man, wie früher, hier aufgewachsen und groß geworden ist und dann auch bei den Senioren spielt, das gibt es kaum noch“, weiß Uhrig.

Alle Jugendteams besetzt

Der 53-Jährige ist ein Beispiel für das Gegenteil: von klein auf kickte er für den VfB, dann war er Jugendtrainer. Nach langjährigen Engagements im Spielausschuss ist er seit 2018 erster Vorsitzender. Allerdings erst im zweiten Anlauf: Bei der Jahreshauptversammlung hatte sich zuvor kein geschäftsführender Vorstand gefunden.

Eigentlich stehen die Großauheimer gut da. Die erste Mannschaft kämpft um den Aufstieg in die Kreisoberliga, die zweite hat alle Chancen, in der Kreisliga B die Klasse zu halten. Zudem funktioniert die Jugendarbeit. Der VfB hat – mittlerweile eine Seltenheit – alle Jugendteams besetzt. Doch wo es nicht an Spielern fehlt, da fehlt es an Betreuern und Trainern. „Es ist immer nur einer da, der sich um alles kümmert. Das ist gerade in der B- oder A-Jugend einfach zu wenig“, so Uhrig.

Wenige Helfer stoßen an Grenzen

Um alles kümmern muss sich auch der Vorstand. Und das kostet oft unnötig Zeit und Kraft. „Wir diskutieren in unseren Vorstandssitzungen, ob wir bei Veranstaltungen Käsebrötchen anbieten, statt uns um Konzepte und Projekte zu kümmern“, bringt Uhrig es auf den Punkt.

Das, so Uhrig weiter, sollte schlichtweg nicht die Aufgabe eines Vorstands sein. „Wir sind im Tagesgeschäft gefangen, es gibt kein Team außenrum. Man bräuchte 15 Mann, die sich um anderes kümmern“, sagt Uhrig. Die eigentliche Vorstandsarbeit, Jugendkonzepte erstellen und den Verein für die Zukunft aufstellen, bleibt da auf der Strecke. „Die wenigen Helfer sind alle total engagiert und leisten wunderbare Arbeit. Doch sie sind irgendwann an ihren Grenzen angelangt.“

Nachwuchs im Vorstand fehlt

Die Folge: Spielausschussvorsitzender Andreas Kurzschenkel verkündete zu Beginn des Jahres seinen Rücktritt. Auch Jugendleiter Christian Schramm stellte sich nicht mehr zur Wahl. „Sie waren allein auf weiter Flur“, zeigt Uhrig Verständnis für die Entscheidungen.

Ein weiteres Problem ist gerade die mangelnde Bereitschaft von jungen Menschen, im Vorstand mitzuarbeiten. Norbert Klauer (zweiter Vorsitzender), Peter Malz (Kassierer) und der kommissarische Jugendleiter Heinz Hofmann sind schon ewig dabei. „Heinz ist unser Dauerbrenner. Wir sind ja froh, dass wir solche Leute noch haben“, so Uhrig über Hofmann. Mit Dominik Schramm wurde zumindest der Posten des Spielausschussvorsitzenden verjüngt. Einen Schriftführer konnte der VfB nicht finden.

Künftig wollen die Großauheimer die Last auf mehr Schultern verteilen. Heißt: Viele Engagierte, die jeweils nur für bestimmte Teilaufgaben zuständig sind. So könnte man die Hemmschwelle senken, verantwortliche Aufgaben zu übernehmen. Als erstes will der VfB Mannschaften für die Jugend und den Spielausschuss bilden. Die sollen sich dann nicht mehr mit Käsebrötchen beschäftigen.

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