Ein spannendes Finale: Doreen Vennekamp zwischen der Chinesin Xiong Yaxuan und Anna Korakaki aus Griechenland in der tokioter Alaska Shooting Range.
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Ein spannendes Finale: Doreen Vennekamp zwischen der Chinesin Xiong Yaxuan und Anna Korakaki aus Griechenland in der tokioter Alaska Shooting Range.

Schlaflose Nächte in Ronneburg

Doreen Vennekamp wird Siebte: Mit Wahnsinnsleistung ins Olympia-Finale

  • Thorsten Jung
    VonThorsten Jung
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Nachdem Pistolenschützin Doreen Vennekamp am Donnerstagmorgen im ersten Teil der Qualifikation eine schwache Leistung gezeigt hatte, herrschten bei ihren Eltern unterschiedliche Meinungsbilder. Papa Bernhard glaubte nicht mehr ans Finale, Mama Sigrid hingegen sehr wohl. „Mein Mann hat gesagt, wenn sie es jetzt noch Mittelfeld schafft, ist es gut.

Ronneburg/Tokio – Aber ich kenne doch mein Kind und war optimistischer“, erzählte die Mama von der Stimmungslage im Hause Vennekamp. Nach einem mäßigen Präzisionsschießen am Donnerstag (287 Ringe) schob sich die 26-Jährige mit einer nahezu perfekten Leistung im Duellschießen (299) auf Rang vier vor.

„Schade, aber trotzdem Weltklasse“, schrieb Hans-Jürgen Zaade am Freitagmorgen nach Platz sieben im Finale in die WhatsApp-Gruppe des SV Hubertus Hüttengesäß. Darin herrschte schon früh am Tag reger Austausch. „Wir sind sehr stolz“, sagte Vennekamps früherer Jugendbetreuer.

„Ich bin froh, im Finale dabei gewesen zu sein“

Bei Doreen Vennekamp war das breite Grinsen selbst hinter dem Mund-Nasen-Schutz zu erkennen. Die Enttäuschung über eine verpasste Medaille schien nicht allzu groß. „Ich bin froh, im Finale dabei gewesen zu sein“, sagte die 26-Jährige, die kurz zuvor beim Ausscheidungsschießen mit der Sportpistole aus 25 Metern den siebten Platz belegt hatte. Gold ging an die Russin Witalina Bazaraschkina vor Kim Minjung aus Südkorea.

Die Olympia-Debütantin war „ziemlich nervös vor dem Finale“. Sie werde alles in Ruhe sacken lassen und bei den nächsten Sommerspielen in Paris versuchen, „eine Schippe drauf zu legen“. Verarbeiten wird die Hobby-Jägerin ihre olympisches Finale mit Sicherheit im Ronneburger Wald. Am Samstagabend holt ihr Freund sie am Flughafen ab. Dann erwartet sie ein dekoriertes Elternhaus, „wie immer, wenn sie von Wettkämpfen nach Hause kommt“, verrät Mama Sigrid und dann „wird sie sich sicher erst mal auf ihren Hochsitz setzen“.

Überragende Serie im Schnellfeuer mit 299 Ringen

Nach dem Präzisionsschießen am Donnerstag, dem ersten Teil der Qualifikation, hatten nur noch wenige mit einem Finaleinzug gerechnet. Doch dank einer überragenden Serie im Schnellfeuer mit 299 von 300 möglichen Ringen schoss sich Doreen Vennekamp in die Endrunde. „Das hatte ich gehofft“, sagte Zaade zum zweiten Teil der Qualifikation.

„Dass sie diese Leistung bringen kann, hat sie schon bei internationalen Wettkämpfen gezeigt. Aber dass sie so hinknallt und von Platz 32 auf 4 vor rutscht, war schon extrem gut.“ Vennekamps früherer Jugendbetreuer hatte die Liveergebnisse des Duellteils am Freitagmorgen zwischen zwei und vier Uhr in der Nacht im Internet verfolgt.

Auch Mutter Sigrid machte kein Auge zu. „Wir haben ständig am Computer gehangen, die Ergebnisse angeschaut und versucht, sie zu erwischen.“ Zwischendrin gab es Whats-App-Kontakt mit der Tochter. „Was sie Nerven hat, ist schon der Wahnsinn. Dann haut sie 299 raus.“ Das Strahlen ist der Mutter durch das Telefon anzumerken.

„Doreen, was kostest du mich Nerven“

Das Finale war dann im ZDF-Livestream zu sehen: Freunde und Familie konnten endlich auch Live-Bilder vom Wettkampf sehen. „Die haben sich alle den Wecker gestellt“, sagte Doreen Vennekamp und lachte. Schon vor der Endrunde mit den besten Acht habe ihr Handy die ganze Zeit gebrummt.

Kurz vor dem Beginn des Finals führte die Ronneburgerin eine kurze Diskussion mit einem Schiedsrichter. „Da haben wir gemerkt, dass sie heute Nerven gezeigt hat. Das hat sie meiner Meinung nach aus dem Konzept gebracht. Sie wirkte angespannt“, meinte Sigrid Vennekamp. „Doreen, was kostest du mich Nerven“, habe ihr Mann immer wieder von hinten gerufen.

Auszeit auf Jagdhütte und Fest in Hüttengesäß

Für die Zeit nach Olympia warten weitere besondere Erlebnisse: „Es geht ein paar Tage auf eine Jagdhütte, ohne Medien und ohne Schießen und danach fangen wir wieder von vorne an.“

Terminlich muss sich Doreen Vennekamp da aber mit ihrem Heimatverein abstimmen, denn der SV Hubertus Hüttengesäß plant ihr zu Ehren ein kleines Fest, wie Zaade verriet.

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