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Die Laufbahn gekrönt: Sportschütze Ralf Ruth aus Erlensee holt Deutschen Meistertitel

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Von: Michael Bellack

Traf präziser als alle anderen: Der Erlenseer Ralf Ruth. Die Goldmedaille bei der Deutschen Meisterschaft holte er für seinen Zweitverein SV Eidengesäß.
Traf präziser als alle anderen: Der Erlenseer Ralf Ruth. Die Goldmedaille bei der Deutschen Meisterschaft holte er für seinen Zweitverein SV Eidengesäß. © MICHAEL BELLACK

Erst mal war für Ralf Ruth warten angesagt. Und zwar langes Warten. Rund sechs Stunden nachdem der Sportschütze seinen letzten Schuss ins Ziel gesetzt hatte, stand es dann endlich fest. Im Alter von 70 Jahren konnte der Erlenseer den größten Erfolg seiner über 50-jährigen Laufbahn feiern: Die Deutsche Meisterschaft in der Disziplin Luftgewehr Auflage 10 Meter bei den Senioren IV.

Erlensee – „Wir sind zu dritt mit zwei weiteren Schützen vom SV Eidengesäß früh morgens nach Dortmund angereist. Um elf war ich als letzter von uns mit dem Schießen durch“, erzählt Ruth. Da bei seinem Stammverein, dem SV Tell Rückingen kein Luftgewehrschießen mit Auflage angeboten wird, geht er in dieser Disziplin für seinen Zweitverein Eidengesäß an den Start. In der Altersklasse Senioren IV ab 70 Jahren war er früh dran, 160 Schützen waren gemeldet. Seine Platzierung an der Spitze, so dachte Ruth, würde nicht von langer Dauer sein. „Wir haben gesagt, wenn ich auf Rang vier gelandet bin, dann fahren wir heim“, erzählt Ruth.

Doch die Zeit verging. Ein Teilnehmer nach dem anderen schoss, Ruth blieb an der Spitze. Gegen 17 Uhr stand dann fest: Er ist zum ersten Mal in seiner Laufbahn Deutscher Meister. „Das Warten hat sich gelohnt“, so Ruth, der stolz Goldmedaille und Urkunde präsentiert. 0,1 Ringe Vorsprung hatte er vor dem Zweiten, knapper geht es nicht. Hessenmeister wurde er schon, Siebter bei der DM 2010. Nun hat er seine jahrzehntelange Laufbahn gekrönt.

Über 1900 Wettkämpfe hat Ralf Ruth absolviert

Ob sich sein 20-jähriges Ich das erträumen lassen hätte, als er 1972 den Rückinger Schützen beitritt? Wohl kaum. „Ich bin durch einen Bekannten zum Verein gekommen und dann einfach dabei geblieben“, sagt Ruth. Über 1900 Wettkämpfe hat der 70-Jährige seitdem absolviert. Waren es früher bis zu 60 im Jahr, sind es heute noch rund die Hälfte. Aufregung vor dem Wettkampf ist Ruth daher mittlerweile fremd. „Nach 50 Jahren hat man das abgelegt.“

Für ihn ist der Schützensport ideal, weil man ihn auch bis ins hohe Alter betreiben kann. „Solange man das Gewehr nach vorne halten kann, kann man mitmachen“, schmunzelt er. Manche Teilnehmer seien schon über 90 und bei Wettkämpfen noch vorne dabei. Das klappt auch, weil sich im Schützensport viel verändert hat. „Bis auf das Sportgerät, aus dem vorne was rauskommt, hat sich alles geändert“, sagt Ruth. Als er mit dem Schießen anfing, reichte eine robuste Lederjacke als Ausrüstung. Heute gibt es spezielle Anzüge mit Hosen, die über die Lenden gehen und den Rücken stärken. „Das stützt und stabilisiert. Man steht ja bis zu einer Stunde ununterbrochen am Schießstand, ohne Pause“, erklärt Ruth.

Digitalisierung hat im Schießsport längst Einzug gehalten

Auch das Schießen mit Auflage, bei dem das Gewehr auf einem Ständer abgelegt wird, ist vergleichsweise neu bei den Schützen. „Das kommt den Älteren entgegen, die das Gewehr nicht die ganze Zeit halten müssen“, sagt Ruth. Die Mitglieder der Vereine werden älter, „da steigt die Kreativität bei den Ausrüstern“, schmunzelt Ruth. „Alles wird ein bisschen bequemer.“

Dafür hat auch die Digitalisierung gesorgt. Während zu Ruths Anfangszeiten die Schießscheiben aus Papier nach jedem Schuss noch mit einer Leier nach vorne gezogen werden mussten, werden die Treffer heute in sekundenschnelle auf einem Bildschirm angezeigt. Weniger anspruchsvoll ist der Sport dadurch aber nicht. „In dem Moment, in dem ich durch das Visier gucke und einen Punkt sehe, ist das egal. Ob auf Papier oder digital - ich schieße auf den gleichen schwarzen Punkt.“ Und das nach 50 Jahren erfolgreicher als je zuvor. (Von Michael Bellack)

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