Schiedsrichterin Julia Boike vor Golfplatz im Hintergrund
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Zeigt auf dem Fußballplatz auch Männern, wo es lang geht: Julia Boike pfeift Verbandsligaspiele bei den Herren und künftig in der 2. Frauen-Bundesliga.

Ab Saison 2020/21

Die Bundesliga ruft: Steiler Aufstieg von Schiedsrichterin aus Altenstadt geht weiter

  • Michael Bellack
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Julia Boike hat in den vergangenen Jahren mit guten Leistungen und ihrem freundlich souveränen Auftreten ihren Weg gemacht und ist in der Fußball-Verbandsliga Süd als Schiedsrichterin eine feste Größte. Mitten in der aufgrund der Corona-Pandemie spielfreien Zeit erreichte sie die freudige Kunde des nächsten sportlichen Aufstiegs.

Von Frank Schneider

Ab der Saison 2020/21 darf Boike im Frauenbereich Punktspiele der 2. Bundesliga leiten und darüber hinaus eine Etage höher an der Seitenlinie assistieren. Bislang war die 25-Jährige in der 2. Liga als Assistentin im Einsatz.

Das Ende der Fahnenstange ist für die für Eintracht Frankfurt pfeifende Schiedsrichterin noch nicht erreicht. „Der Aufstieg in die Bundesliga wäre ein Traum“, sagt Julia Boike.

Junge Schiedsrichterin weiß sich auf dem Platz durchzusetzen

Im Schiedsrichterwesen stehen in den höchsten Klassen die Neulinge immer besonders unter Beobachtung. Boike kann damit umgehen, genauso wie sie auf dem Platz beim Leiten von Spielen der Männer keinerlei Durchsetzungsprobleme hat.

Körperliche Fitness ist für die auf Leistungsebene eingesetzten Schiedsrichter obligatorisch und so absolviert die ranghöchste Büdinger Schiedsrichterin konsequent ein individuelles Fitnessprogramm.

Voraussetzungen für Schiedsrichter: Keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Bei den Leistungstests werden von den weiblichen Spielleiterinnen übrigens die gleichen Ergebnisse erwartet wie von Männern. In vielen anderen Sportarten kämen Quervergleiche zwischen Männern und Frauen suspekt daher, doch das Schiedsrichterwesen macht keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern „Ich will in den gleichen Ligen pfeifen, also muss ich auch die gleichen Laufleistungen einbringen.“

Boike, die zuletzt für den 1. FFC Frankfurt als Schiedsrichterin aktiv war und nun nach der Eingliederung des 1. FFC bei der Eintracht für den ranghöchsten hessischen Fußballverein pfeift, gilt als heimatverbunden und ist auch gerne auf den Sportplätzen der Region unterwegs.

Schiedsrichterin aus Altenstadt kam nur durch Zufall zum Pfeifen

Liebe auf den ersten Blick war ihr derzeit größtes Hobby jedoch nicht. „Claus Pfeffer hat mich einfach zum Schiedsrichterkurs angemeldet und mich gar nicht richtig gefragt“, schmunzelt die Master-Studentin in General Management und erinnert sich noch genau, wie durch die Idee des Oberauer Schiedsrichters und langjährigen Machers der Frauen- und Mädchenabteilung der Sportfreunde Oberau alles seinen Anfang nahm.

Neun Jahre ist das jetzt her, in Deutschland lief die Frauenfußball-Weltmeisterschaft und Fußball war auch für junge weibliche Teenager ein angesagtes Thema. Nach Anfängen mit der Leitung von Jugendspielen und ersten Einsätzen im Männerbereich merkte Boike, dass ihr die Pfeiferei noch mehr Spaß machte als das aktive Fußballspielen.

Nur noch Schiri: Zum Fußballspielen bleibt keine Zeit mehr

Zwar trainierte die Altenstädterin hin und wieder noch bei den damals in der Hessenliga spielenden Frauen des SV Phönix Düdelsheim mit, doch mehr um sich fit zu halten und fußballspezifisch auf Ballhöhe zu sein. „Selbst gespielt zu haben, kommt einem als Schiedsrichter entgegen“, sagt die 25-Jährige.

Lehrgänge bei den Schiedsrichtern, nun verstärkt auf der DFB-Ebene, stehen aber längst im Mittelpunkt, da bleibt zum Selbstspielen keine Zeit mehr.

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