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Deutschlands ältester Torwart (71) spielt wieder in Oberrodenbach

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Druckfrisch und noch nie getragen: Bernd Fucker (rechts) und der FCE-Vorsitzende Helmut Reinert präsentieren stolz das künftige Trikot des ältesten Torwarts Deutschlands. Foto: Bormann
Druckfrisch und noch nie getragen: Bernd Fucker (rechts) und der FCE-Vorsitzende Helmut Reinert präsentieren stolz das künftige Trikot des ältesten Torwarts Deutschlands. Foto: Bormann

Fußball. Wenn Bernd Fucker ab kommender Saison den Kasten der zweiten Garde von Oberrodenbach hütet, sind die meisten seiner Mit- und Gegenspieler wohl zwischen 40 und 50 Jahre jünger als er. Fucker kennt dieses Gefühl. Mit seinen 71 Jahren ist er der älteste aktive Torwart Deutschlands.

Von Jonas Bormann

Als Bernd Fucker vor vier Jahren die Seniorenmannschaft seines Heimatvereins Oberrodenbach verließ, um bei den Altherren des SV Neuses anzudocken, hätte er wohl selbst nicht damit gerechnet, mit 71 Jahren noch immer auf dem Feld zu stehen. Eigentlich wollte Fucker damals lediglich ein wenig Freizeitfußball spielen, doch dass daraus nichts werden würde, war schnell klar. „Eines Tages hat mich der Trainer der dritten Mannschaft von Neuses gefragt, ob ich nicht einmal bei ihnen aushelfen könnte.“

Fucker zögerte nicht lange, sagte zu und hielt in seinem ersten Spiel prompt einen Elfmeter – mit 67 Jahren. „Wenn man so will, fing damit alles an“, sagt Fucker heute. Es folgten 17 weitere Einsätze für die dritte Mannschaft, die letztlich im Aufstieg seines Teams mündeten. „Rückblickend waren die beiden Relegationsspiele gegen Geislitz das Highlight meiner Karriere. 150 Zuschauer bei beiden Spielen – das war schon beeindruckend.“ Der damals schon älteste Torwart der Nation blieb dem SV Neuses treu und etablierte sich als unangefochtene Nummer eins der dritten Garde. Gelegentlich kamen sogar Spiele in der zweiten Mannschaft dazu.

Vertrag bei Heimatverein Oberrodenbach Als es im vergangenen Jahr nicht zum Klassenerhalt reichte und Fucker mit seiner Mannschaft den Weg zurück in die D-Klasse antreten musste, sagte der damals 70-Jährige noch am Spielfeldrand: „Das war heute definitiv mein letztes Spiel.“ Es sollte jedoch nur wenige Tage dauern, bis sich der Oberrodenbacher selbst Lügen strafen sollte. Die deutschlandweit einzigartige Inklusionsmannschaft der SG Bad Soden war auf der Suche nach einem erfahrenen Torhüter und wieder einmal sagte Fucker zu.

Weil es Probleme mit den Transfermodalitäten gab, trainierte Fucker zwar mit, ein Punktspiel absolvierte er für die Bad Sodener jedoch nie. Ende März dieses Jahres kehrte er schließlich zum SV Neuses zurück, um sich dort fit zu halten. Für die meisten Menschen wäre nun wohl endgültig der Zeitpunkt gekommen, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Nicht aber für Bernd Fucker. Für die kommende Saison hat der 71-Jährige einen Vertrag bei seinem Heimatverein Oberrodenbach unterschrieben. „Bernd besucht regelmäßig unsere Heimspiele und wir hatten das Problem, dass wir für unsere ersten beiden Mannschaften zwar drei Torhüter, aber keinen Torwarttrainer hatten“, erklärt der Vorsitzende des Vereins, Helmut Reinert.

Mehr als TorwarttrainerKlar ist schon jetzt, dass Fucker nicht als reiner Torwarttrainer agieren soll. „Es muss nur mal jemand in den Urlaub fahren oder verletzt sein und schon brauchen wir Bernd. Für zwei Mannschaften sind vier Torhüter absolut vonnöten“, so Reinert. Fucker selbst geht fest davon aus, dass er im Laufe der Saison auf seine Einsatzzeiten kommen wird.

Dass er selbst mit 71 Jahren noch fit genug für die Aufgabe ist, beweist allein sein Tatendrang: Die bevorstehende Vorbereitung mit drei Trainingseinheiten pro Woche will er vollständig absolvieren. Die zwei Einheiten während des Spielbetriebs sowieso. „Von der Sicherheit, der Reaktionsfähigkeit und der Fitness würde ich mir immer noch die Kreisoberliga zutrauen“, sagt ein selbstbewusster Fucker, der laut eigener Aussage von seinen Teamkollegen stets als Nummer eins akzeptiert wurde. Kein einziges Mal habe es in seiner Karriere nach der Karriere einen flapsigen Spruch über sein Alter gegeben. Durch seine Leistung hätte er seinen Vorderleuten allerdings auch nie die Möglichkeit dazu gegeben, schmunzelt der Oberrodenbacher.

Nur die Laufeinheiten lässt er sausenWie es überhaupt möglich ist, in einem Alter aktiv Fußball zu spielen, in dem manche Menschen bereits Probleme mit dem Gehen haben? Fucker kann es sich selbst nicht erklären, vermutet allerdings eine Operation als Grund, die ihn vor zehn Jahren fast das Leben gekostet hat.

Infolge eines Darmverschlusses lag Fucker mit 61 Jahren für zwei Wochen im Koma. Währenddessen erhielt er insgesamt 19 Bluttransfusionen. Seitdem sei er fitter denn je. „Wenn ich früher drei Mal nach dem Ball gesprungen bin, hatte ich danach immer wieder meine Probleme“, erzählt Fucker. „Heute kann ich mich 30 mal schmeißen und spüre keinerlei Nachwirkungen.“ Ob aus dem Tor zu spurten oder nach dem Ball zu hechten – für Bernd Fucker kein Problem. Nur die Laufeinheiten lässt er inzwischen sausen.

Karriereende?Die Frage aller Fragen muss dann allerdings doch noch erlaubt sein: Ist das Karriereende denn schon ein Thema? Fucker scheint aus seinen voreiligen Statements gelernt zu haben: „Ich werde meine Laufbahn definitiv in Oberrodenbach beenden. Ob in einer oder zwei Saisons wird sich zeigen. Fest steht jedenfalls, dass ich mich immer noch fit genug fühle.“

Ambitionierte Ziele hat der älteste Torwart Deutschlands, der im Februar des kommenden Jahres seinen 72. Geburtstag feiert, selbstverständlich auch noch. Mit der zweiten Mannschaft von Oberrodenbach möchte er den zehnten Tabellenplatz aus der Vorsaison toppen. Doch damit noch nicht genug: Einmal möchte Fucker nämlich auch noch mit Rudi Völler auf die Torwand des aktuellen Sportstudios schießen. Als Kind hatten er und Völlers Bruder Dieter gemeinsam auf dem heimischen Bolzplatz Fußball gespielt, während Rudi im Kinderwagen danebenstand.

Ältester Torwart der NationOb Fuckers Traum tatsächlich in Erfüllung geht, steht noch in den Sternen. Die Weichen hat der 71-jährige Oberrodenbacher allerdings schon lange gestellt: „Vor zwei Jahren habe ich mich beim ZDF für die Aktion beworben. Mein Interesse wurde hinterlegt.“ Teil der Bewerbung war damals selbstverständlich ein Fernsehbericht über Fucker. Ein Fernsehbericht über den ältesten Torwart der Nation, der nun das Tor in Oberrodenbach hütet.

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