Judith Gebkea Strich und Dirk Leonhardt bei ihrer einzigen Trainingseinheit vor dem Treppenlauf-Weltrekordversuch an der Himmelsleiter in Gelnhausen-Haitz.
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Judith Gebkea Strich und Dirk Leonhardt bei ihrer einzigen Trainingseinheit vor dem Treppenlauf-Weltrekordversuch an der Himmelsleiter in Gelnhausen-Haitz.

Dirk Leonhardt und Judith Gebkea Strich

Der verrückte Treppenlauf-Weltrekord auf der Himmelsleiter

  • vonOliver Kraus
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So ganz ohne geht es doch nicht: Dirk Leonhardt, der vergangenen Sommer mit dem geglückten Ultra-Triathlon-Weltrekord für deutschlandweit großes Aufsehen gesorgt hat, plant das nächste Husarenstück. Gemeinsam mit Judith Gebkea Strich peilt der Ausdauerathlet den nächsten Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde an. Am 6. und 7. März will das Duo, das sich vergangenen Mittwoch erstmals gegenüberstand, den längsten Outdoor-Non-stop-Treppenlauf der Geschichte hinlegen.

Gelnhausen/Bruchköbel – Auf der sogenannten Himmelsleiter in Gelnhausen-Haitz, die mit ihren 86 Stufen und insgesamt zwölf Höhenmetern das perfekte Terrain bietet, will das frisch zusammengewürfelte Mixed den bisherigen Weltrekord von 26:02 Stunden knacken. Die Beiden wollen länger durchhalten.

„Nachdem ich die Rekordurkunde im Arbeitszimmer aufgehängt hatte, habe ich mir gedacht, dass vielleicht noch mehr gehen könnte“, erklärt der 39-Jährige den Grund für die erneute Jagd nach einer Bestmarke. Da der Bruchköbeler für kommenden Sommer bereits etwas mit dem Rennrad ins Visier genommen hat, lag es beim Hobby-Triathleten auf der Hand, dass es auch im Laufbereich Schallmauern geben könnte, die in Frage kommen. Zumal nach Rücksprache mit seiner Frau Ilsa alle Versuche, die weniger als eine Woche Zeit in Anspruch nehmen, laut dem zweifachen Familienvater „genehmigungsfähig“ sind.

Nach einiger Recherche stieß der umtriebige Beamte im Dienste der Deutschen Bundesbank auf den Treppenlauf. Und da Leonhardt, der bereits einmal den Skyrun im Frankfurter Messeturm absolviert hat, mitbekommen hatte, dass die letzte Ausgabe des Haitzer Treppenlaufs aufgrund der Covid-19-Pandemie abgesagt werden musste, sollen jetzt eben zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: „So kann ich die ganze Aktion mit dem Benefiz-Gedanken verbinden und Spendengelder generieren, damit die Kinderklinik in Gelnhausen keine Einbußen hat.“

Der Treppenlauf-Weltrekord eigne sich dafür perfekt: „Zum einen ist er eine nette Trainingseinheit, um mental ans Limit zu gehen. Zum anderen ist es eben auch eine Möglichkeit, in eineinhalb Tagen einen Weltrekord aufzustellen. Wann hat man das schon einmal?“

Eine Frage, mit der er seine Mitstreiterin Judith Gebkea Strich aus der Nordeifel für das Projekt schnell begeistern konnte. Denn die Zweckgemeinschaft entstand spontan, nachdem Leonhardt auf Facebook in einer Ultrarunner-Gruppe eine Partnerin gesucht hatte. „Es war Zufall, dass ich die Nachricht gelesen habe“, erinnert sich Strich. „Es hat mich aber angesprochen, weil es darum ging, mehr als 27 Stunden durchzuhalten, wobei das Tempo egal ist. Darauf hatte ich Lust.“

Für den guten Zweck

Das Rekordprojekt ist der Kinderklinik der Main-Kinzig-Kliniken in Gelnhausen gewidmet. Die Spender können eine feste Summe spenden oder für jede absolvierte Stunde des Treppenlaufs zum Beispiel einen Euro entrichten wollen. Das wäre bei geplanten 31 Stunden ein Beitrag von 31 Euro.

Spenden können an Barbarossakinder e. V. (IBAN: DE62 5075 0094 0037 0029 54; BIC: HELADEF1GEL) entrichtet werden. Als Verwendungszweck „Weltrekord“ sowie gegebenenfalls die eigene Adresse angeben.

Große Lust ja, Ultra-Erfahrung aber eher nein. Zwar hat die hauptberufliche Künstlerin schon einige private Marathons abgespult, darunter ist aber erst eine offizielle Rennteilnahme. Allerdings trainiert die 34-Jährige momentan für den Eiger Ultra in der Schweiz. „Da passt der Rekordversuch hervorragend in die Vorbereitung, weil die sowieso Treppenläufe umfasst.“

Während der „Ultradad“ bereits dreimal in Gelnhausen die Stufen der Himmelsleiter unter die Sohlen genommen hat und sich ansonsten im Main-Kinzig-Kreis fit hält, bereitet sich Strich seit rund drei Wochen vor allem im Ruhrgebiet und in Landgraaf intensiv auf die Herausforderung vor.

Auch die notwendige Leidensfähigkeit bringt die Ausdauerathletin nach eigener Aussage mit, die sich auf einer Skala von eins bis zehn bei neun verorten würde. Und die Eigenschaft, beschwerliche Situationen ertragen zu können – da sind sich beide Protagonisten sicher – wird es brauchen, um das Ziel zu erreichen. Auf dem Weg zu den angepeilten knapp 31:30 Stunden – und damit mehr als 100 000 Stufen hoch und runter am Stück – rechnen beide nach einem knappen Fünftel der Zeit mit dem Schmerz. Zwar stehen pro absolvierter Stunde fünf Minuten Pause zur freien Verfügung, aber nach sechs bis acht Stunden dürften sich die Waden und vor allem die Fußgelenke bemerkbar machen.

Ab dann heißt es, sich durch das Tal der Tränen zu beißen und bloß nicht stehen zu bleiben. Denn ein kurzer Stopp außerhalb der Pausenzeit bedeutet das Ende des Rekordversuchs. „Es geht dann darum, die muskulären Strapazen und die Belastungen für die Sehnen auszublenden“, erklärt Leonhardt, ehe seine Teampartnerin ergänzt: „Wir packen das. Das wird durchgezogen, es sei denn, uns fällt ein Bein ab!“

Selbst ein weiteres Tief, wenn die Müdigkeit in der zweiten Nachthälfte die Oberhand gewinnt, soll die zwei Ausdauersportler nicht vom Weg abbringen. Denn „wenn die Sonne aufgeht und die Vögel zwitschern, gibt es einen Energieschub“, weiß der erfahrene Weltrekordler Leonhardt, der auch kommendes Wochenende auf gutes Wetter hofft.

Frühlingshafte Temperaturen sollen es sein; wie vor drei Tagen, als sich Leonhardt und Strich nicht nur zum ersten Mal persönlich begegnet sind, sondern auch ihre erste und einzige gemeinsame mehrstündige Trainingseinheit auf der Himmelsleiter absolviert haben.

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