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Der Rookie und der alte Hase: Alexander Hillmann und Michael Lik vor Ironman-Start

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Von: Julia Meiss

Bereit für 3,8 Kilometer Schwimmen, 182 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen: Der Nidderauer Alexander Hillmann (links, Tria Team Bruchköbel) und der Altenhaßlauer Michael Lik (TV Bad Orb/Tria Team Bruchköbel).
Bereit für 3,8 Kilometer Schwimmen, 182 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen: Der Nidderauer Alexander Hillmann (links, Tria Team Bruchköbel) und der Altenhaßlauer Michael Lik (TV Bad Orb/Tria Team Bruchköbel). © Scheiber

Beide 44 Jahre alt, Triathleten beim Tria Team Bruchköbel, Ironman-Starter: Alexander Hillmann und Michael Lik haben einige Gemeinsamkeiten, starten aber bei der Ironman-Europameisterschaft Frankfurt am Sonntag mit komplett unterschiedlichen Zielen: Michael Lik liebäugelt mit dem EM-Titel in seiner Altersklasse, Alexander Hillmann will „hoffentlich nicht wie ein Schluck Wasser durch Frankfurt laufen oder noch schlimmer kriechen“.

Main-Kinzig-Kreis – Der Altenhaßlauer Michael Lik ist schon seit 20 Jahren im Triathlon-Geschäft, bis 2019 allerdings auf der Kurz- und Mitteldistanz heimisch gewesen. Dabei hat er schon einiges an Erfahrung gesammelt, ist für Oberursel in der Bundesliga und für seinen Heimatverein TV Bad Orb in der Regionalliga gestartet. Nachdem die Kurstädter vor dieser Saison ihre Ligamannschaft zurückgezogen haben, hat sich der dreifache Familienvater dem Bruchköbeler Tria Team per Zweitstartrecht angeschlossen.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Immobilienmakler der VR Bank Main-Kinzig, die seinen Angestellten auch sponsert, schon längst für die Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert gewesen. 2019 holte sich Michael Lik das begehrte Ticket und muss noch bis diesen Oktober warten, bis er es einlösen kann. Grund ist die Corona-Pandemie.

Altenhaßlauer Michael Lik hat Hawaii-Quali gleich zweimal geschafft

Beim Warten auf den Triathlon-Wettkampf schlechthin hat sich der Altenhaßlauer selbstredend nicht auf die faule Haut gelegt. Vielmehr hat Michael Lik an seinen Fertigkeiten auf der Langdistanz gefeilt und im Oktober 2021 auf Mallorca noch mal die Qualifikation für die Weltmeisterschaft geknackt. „Ich hätte dieses Jahr auf Hawaii und in Utah starten können, aber das geht aus finanziellen Gründen auch gar nicht“, erzählt der sympathische Ausdauersportler, der sich auch sofort bei seinen neuen Bruchköbeler Vereinskameraden gut eingefunden hat. Der Flug nach Hawaii ist bereits gebucht, spielt aber aktuell bei den Gedanken des 44-Jährigen keine Rolle.

Dort dominiert der Ironman Frankfurt, für den sich Michael Lik einiges vorgenommen hat. „Eine Zeitvorgabe zu benennen ist schwierig, weil es ja auch immer auf die äußeren Bedingungen und andere Widrigkeiten ankommt. Aber ich möchte gerne bei den Amateuren in die vorderen Ränge kommen und meine Altersklasse 40 gewinnen“, nennt er nach kurzem Zögern dann doch sein Ziel. „Bei einem Ironman passieren Dinge, die nicht planbar sind“, weiß der Linsengerichter aus Erfahrung, dass ein Triathlon besonders über die Langdistanz nie komplett berechenbar ist.

Lik setzt auf Erfahrung von Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan

Das weiß natürlich auch sein Trainer, der selbst jede Menge Erfahrung mitbringt. Faris Al-Sultan, Hawaii-Sieger von 2005 und Europameister von 2011, begleitet Michael Lik auf seinem Weg über Frankfurt nach Hawaii - und das bereits im dritten Anlauf, denn auch in den vergangenen beiden Jahren wurde die Vorbereitung in Angriff genommen, bis das Event abgesagt wurde. „Ich denke, ich bin gut vorbereitet. Wenn du auf der Langdistanz deine Performance abliefern willst, dann reicht nicht nur Talent. Du musst viel Zeit in das Training investieren“, so Michael Lik, der zwischen 20 und 24 Stunden pro Woche trainiert und besonders in Trainingslagern gerne neue Reize setzt.

Ebenfalls zahlreiche Trainingskilometer spult Alexander Hillmann ab. Der Nidderauer Lego-Star-Wars-Fan ist etwa zu der Zeit, als Michael Lik das Hawaii-Ticket in der Tasche hatte, erst zum Triathlon gekommen. Damals absolvierte der 44-Jährige einen Kraulkurs für Erwachsene und hatte so viel Spaß daran, dass er dabei bleiben wollte. Da aber Schwimmkurse für Erwachsene rar gesät sind, hieß die Alternative Eintritt ins Tria Team Bruchköbel. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich mit Triathlon abgesehen davon, den Ironman mal im Fernsehen geschaut zu haben, nichts am Hut“, sagt Alexander Hillmann, der seine sportliche Laufbahn auf seinem Instagram-Account air_hillstar festhält.

Nidderauer Alexander Hillmann ist während Corona Triathlet geworden

Im Winter 2019, als Corona längst auf dem Vormarsch war, kaufte sich der ITler über Ebay-Kleinanzeigen ein Rennrad und brachte im November seinen ersten Duathlon hinter sich - mit dem Joggen hatte er bereits 2017 begonnen. Erst im September 2020 war es für den zweifachen Familienvater möglich, seinen ersten Triathlon zu finishen. Aufgrund der Corona-Beschränkungen gestaltete sich das Vereinsleben für den Neuling schwierig, viele Kontakte liefen hauptsächlich digital ab. Aber davon ließ sich Alexander Hillmann nicht abschrecken und blieb am Ball. 2021 finishte er den City-Triathlon in Frankfurt und kurze Zeit später eine Mitteldistanz im Allgäu, wonach „ich den wahnsinnigen Entschluss gefasst habe, beim Ironman Frankfurt zu starten“. Bevor es ernst wurde, hat sich der Nidderauer aber erst einmal das Go von seiner Familie geholt, denn „ohne deren Unterstützung geht es nicht“ - eine Aussage, der Michael Lik voll und ganz zustimmt. Mit Sascha Danz hat Alexander Hillmann einen erfahrenen Teamkollegen an seiner Seite, der ihm Trainingspläne erstellt, die bei Bedarf nachjustiert und Tipps gibt - immerhin startet Danz in Frankfurt bereits zum zehnten Mal über die Langdistanz. Eigentlich war das Training darauf ausgelegt, dass Alexander Hillmann um die elf Stunden für Schwimmen, Radfahren und Laufen brauchen wird.

Eine Corona-Infektion wenige Wochen vor dem Event vor der Haustür hat diesen Plan aber komplett über den Haufen geworfen. „Also haben Sascha und ich gesagt, wir nehmen den Zeitdruck komplett raus und ich will einfach nur Spaß haben, sofern man überhaupt bei einem Ironman Spaß haben kann“, sagt der passionierte Lego-Bauer lachend. Zu diesem Hobby ist der Nidderauer eher zufällig gekommen, als ihm seine Frau Lynn mal ein Star-Wars-Bauset geschenkt hat, wie er schmunzelnd erzählt: „Das war der Todesstoß.“

Freude über bekannte Gesichter an der Strecke am Sonntag

Trotz einiger Parallelen sind die beiden Triathleten am Sonntag auf komplett unterschiedlichen Pfaden unterwegs. Eines haben Michael Lik und Alexander Hillmann dann aber doch auch noch gemeinsam: Beide freuen sich sehr darauf, viele bekannte Gesichter an der Strecke zu sehen. „Weil ich starte, haben sich meine Schwester und Zwillingsnichten extra als Streckenhelfer angemeldet, das macht mich sehr stolz. Ich freue mich unheimlich darauf, wenn ich bei ihnen vorbeikomme“, so Alexander Hillmann, der als Ironman-Rookie vor Zielschluss um 22 Uhr auf dem Römer sein und seinen Namen über die Lautsprecher hören will. Für Michael Lik darf es ein bisschen mehr sein, er würde sich über den Zusatz „Europameister der Altersklasse 40“ freuen. (Von Julia Meiss)

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