Doreen Vennekamp zeigt eine Auswahl ihrer Medaillen: Die Schützin des SV Hubertus Hüttengesäß liegt zur Halbzeit der Olympia-Qualifikation auf Kurs Tokio.
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Doreen Vennekamp zeigt eine Auswahl ihrer Medaillen: Die Schützin des SV Hubertus Hüttengesäß liegt zur Halbzeit der Olympia-Qualifikation auf Kurs Tokio.

Ronneburgerin im Interview

Das Olympia-Ticket ist für Doreen Vennekamp zum Greifen nah

  • Thorsten Jung
    vonThorsten Jung
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Der Traum von den Olympischen Spielen rückt für Doreen Vennekamp immer näher. Die 25 Jahre alte Ronneburgerin liegt nach dem ersten von zwei Qualifikationswettkämpfen des Deutschen Schützenbundes gut im Rennen um eines der beiden Tickets für Tokio.

Ronneburg/Suhl – Die fünf besten deutschen Frauen an der Sportpistole kämpfen derzeit um zwei Plätze im deutschen Olympia-Team. Der erste von zwei Qualifikations-Wettkämpfen hat am vergangenen Wochenende stattgefunden. Doreen Vennekamp liegt zur Halbzeit auf dem zweiten Platz.

In Suhl fanden die ersten beiden Durchgänge statt, ehe am Wochenende nach Ostern (9. bis 11. April) in München nach zwei weiteren Durchgängen feststeht, wer für Deutschland nach Tokio fliegen darf. Vennekamp, deren Heimverein der SV Hubertus Hüttengesäß ist, hat ihren Zweitwohnsitz ins thüringische Suhl verlegt, wo sie mit ihrem Freund lebt. Da sie dem Olympiakader angehört, durfte sie dort auch während des Lockdowns trainieren.

Im Schießsportzentrum Suhl setzten sich mit Monika Karsch und Vennekamp die favorisierten Sportlerinnen an die Spitze. Die Olympia-Zweite von Rio 2016 (Karsch) sowie die WM-Dritte von Changwon 2018 (Vennekamp) waren die einzigen Schützinnen, die zwei Ergebnisse über 580 Ringe erzielten. Karsch wies am Ende 584 und 585 Ringe auf, Vennekamp 580 und 585 Ringe. Damit haben sie ein ordentliches Polster aufgebaut. Es folgen Sandra Reitz (575/577), Michelle Skeries (572/580) sowie Josefin Eder (571/575).

Am nächsten Wochenende wird bei jeder Sportlerin der schlechteste der vier Durchgänge gestrichen. Mit den Summen der drei besten Durchgänge werden die Olympioniken ermittelt. Vennekamp ist optimistisch, dass sie dazugehören wird, wie sie im Interview verraten hat.

Hallo Frau Vennekamp, wie sind Sie denn mit dem ersten Qualifikations-Wochenende zufrieden?

Dafür, dass es der erste richtige Wettkampf nach eineinhalb Jahren war, sehr. Aktuell sieht es gut für mich aus. Ich habe ein bisschen Vorsprung auf die Dritte. Mein zweiter Wettkampf war gut und der erste eine gute Grundlage. Daher bin ich zuversichtlich, dass es für ein Olympia-Ticket reichen könnte.

Monika Karsch ist Ihre größte Konkurrentin und derzeit die klare Nummer eins, aber dann kommen schon Sie…

Monika hat viel Schießerfahrung und kann ziemlich gut umsetzen, was sie sich vornimmt. Wir sind die beiden Favoriten, da wir zuletzt die internationalen großen Wettkämpfe bestritten haben. Aber alle fünf Damen haben sich in den vergangenen beiden Jahren international beweisen können. Es wird tagesformabhängig und kommt darauf an, wer am Ende die Nerven behält. Die zwei Damen, denen das am besten gelingt, werden das Ticket lösen.

Wie steht es denn um Ihre Nervosität?

Man kann trainieren und sich vorbereiten, wie man will, wenn das Wort Olympia fällt, geht es jedem Spitzensportler nahe. Ich freue mich auf den zweiten Teil der Qualifikation und hoffe, ich kann meine Nervenstärke wieder nutzen.

Über Ostern ist Pause und am Wochenende danach geht es um die Wurst. Wie halten Sie über die Feiertage die Anspannung hoch?

Am Ostermontag habe ich Geburtstag und will nach einem Corona-Test zu meinen Eltern fahren. Zu Hause will ich mir Motivation und Zuspruch abholen, um dann voll motiviert in die zweite Qualifikation zu gehen.

Die erste Qualifikation fand in ihrer neuen Wahl-Heimat Suhl statt, die zweite steht in München an. Ein Vorteil für Sie?

Den Heimvorteil in Suhl habe ich nicht ganz nutzen können, weil die Lichter umgebaut wurden. Aber der Stand und das Umfeld waren mir vertraut. Und da ich in der Sportfördergruppe der Bundeswehr München bin und in München viele Trainingseinheiten absolviere, habe ich dort auch schon sehr oft geschossen. Ich hoffe, ich kann das nutzen.

Wie geht es Ihrer Sportpistole „Betty“?

Sie ist ja schon ein bisschen älter. Daher habe ich noch eine Ersatzwaffe von meinem Arbeitgeber, der Bundeswehr bekommen, falls mal etwas sein sollte. Einschießen und der Munitionstest waren bisher coronabedingt allerdings noch nicht möglich. Aber ich denke, dass mein Equipment auf jeden Fall gut für Olympia eingestellt ist.

Wie viel Pflege benötigt „Betty“ denn?

Ich tausche die Läufe regelmäßig, wenn sie ausgeschossen sind. Im Vergleich tauscht ein normales Schützenvereinsmitglied seinen eigentlich nie. Ich mache etwa 24 000 Schuss im Jahr. Das muss ein Lauf erst mal aushalten. Ich wechsle ihn etwa alle zweieinhalb Jahre. Was regelmäßig bricht, ist der Schlagbolzen. Vor der Qualifikation hatte ich das Gefühl, es wäre bald mal wieder soweit und wollte das Risiko nicht eingehen, da habe ich den alten Schlagbolzen ausgetauscht.

Wie sehen Sie die Olympischen Spiele während der Corona-Pandemie?

Im vergangenen Jahr gab es einen Zeitraum, da dachte ich, es wird nichts. Dass keine ausländischen Zuschauer zugelassen werden, ist ein großer Schritt, dass die Spiele durchgeführt werden können. Ich hoffe sehr, dass es so kommt. Es werden aber so oder so keine normalen Spiele. Das Feeling und die Zuschauer werden einfach fehlen. Den olympischen Gedanken in Bezug auf die Chancengleichheit umzusetzen, wird während einer Pandemie allerdings nicht einfach.

Sie sind also nicht hundertprozentig von der Durchführung überzeugt?

Die Leichtathletik-Europameisterschaft hatte ein sehr gutes Hygienekonzept und dann haben sich doch 50 Personen mit dem Virus angesteckt. Ein herber Rückschlag, wenn man den Größenvergleich zu den Spielen betrachtet. Aber die Regierung Japans steht hinter der Durchführung und auch wir arbeiten so lange für den Traum, bis er stattfinden oder abgesagt wird.

Wie stehen Sie zu dem Vorschlag, dass alle Olympia-Teilnehmer ein Impfangebot bekommen sollten?

Ich finde, wir sollten uns da nicht vordrängeln. Es sollten erst die Menschen abgesichert sein, die täglichen Kontakt zu Patienten haben, altersbedingt oder aus gesundheitlichen Gründen Impfpriorität haben. Wir sollten da keinen Vorsprung erhalten. Ich wäre aber froh darüber, wenn recht schnell geimpft werden würde, um sicherer zu sein.

Das Gespräch führte Thorsten Jung

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